Vergleich Versailler Vertrag und 14 Punkte von Wilson. Dringend Hilfe!

2 Antworten

Ein Durchlesen der Texte ermöglicht einen Vergleich (Unterschiede und Gemeinsamkeiten).

Die 14 Punkte hat die deutsche Regierung später, als ihre militärische Lage sehr schlecht wurde, als Ausgangspunkte für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen aufgegriffen. Der Versailler Vertrag ist ein Kompromiss unter den Siegermächten. Deutsche Hoffnungen auf einen verhältnismäßig milden Frieden wurden enttäuscht. Deutschland war zunächst kein gleichberechtigter Partner in der Nachkriegsordnung.

Der Präsident der USA Woodrow Wilson hat 8. Januar 1918 in einer programmatischen Rede vor dem Kongress in 14 Punkten Grundzüge für eine Friedensordnung in Europa genannt. Die Punkte sind eine Mischung aus allgemeinen Grundsätzen und konkreten Hinweisen. Sie sind im Versailler Vertrag nicht vollständig umgesetzt worden.

Die Geheimdiplomatie ist nicht völlig abgeschafft worden. Freiheit der Schiffahrt auf den Meeren, Abbau von Handelsbeschränkungen und Abrüstung sind nur in Ansätzen verwirklicht worden und dies auch nicht durchweg mittels des Versailler Vertrages. Nur Deutschland wurde im Versailler Vertrag militärisch eingeschränkt, nicht auch alle anderen Staaten.

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker (Volksangehörigkeit, Zugehörigkeit und Nationalität kommen als Begriffe vor) ist teilweise in den vertraglichen Regelungen nicht beachtet worden (vor allem zum Nachteil der Verlierermächte Deutschland, Österreich und Ungarn; dies betrifft teilweise die Friedensverträge von Saint-Germain und Trianon). Ohne Volksabstimmung kamen so der größte Teil Posens und Westpreußens an Polen, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, Elsass-Lothringen an Frankreich (bei Wilson Punkt 8), Eupen-Malmédy an Belgien (zunächst ohne Abstimmung; eine spätere Befragung geschah auf sehr zweifelhafte Weise), das Memelgebiet (zunächst; später zum Staat Litauen) und Danzig (als Freie Stadt) unter die Hoheit des Völkerbundes kommen. Nur in einigen anderen Gebieten gab es aufgrund des Versailler Vertrages Volksabstimmungen (Nord – und Mittelschleswig, Oberschlesien, Südteil Ostpreußens (Abstimmungsgebiet Allenstein), Marienwerder).

Die Berichtigung der Grenzen Italiens (Punkt 9) enthielt keine konkreten Angaben und das spätere Zusprechen Südtirols stand nicht im Einklang mit der Volkszugehörigkeit. Die befürwortete Errichtung eines unabhängiger polnischer Staat mit freiem und sicheren Zugang zur See (Punkt 13) enthielt noch keine genauen Grenzen.

Ein allgemeiner Verband der Nationen ist gegründet worden (Punkt 14). Allerdings sind die USA nicht dem Völkerbund beigetreten (Abneigung gegenüber weitgehenden Verpflichtungen in Europa und das Gefühl, übergangen worden zu sein, führten zu einer Nichtratifizierung im Kongress), sie hatten nur einen Beobachter-Status.

Der Versailler Vertrag war deutlich umfangreicher und enthielt viele konkrete Regelungen. In ihm wurde Deutschland die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg gegeben (Verantwortung für Schänden in Artikel 231) und es zu Reparationszahlungen verpflichtet.

Lieber Albrecht, für mich - als nur geschichtlich Interessierte - ist Deine ausführliche Antwort natürlich hochinteressant. Aber ich verstehe nicht, warum Du für Franzi die Hausaufgaben bzw. die Nachhilfe machst. Bist Du nur zu gutmütig oder ist das Dein Spezialgebiet und das Ganze macht Dir Freude?

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@Traumblau

Da stimme ich Dir teilweise zu,- aber die Antworten von Albrecht sind so gut und informativ, daß ich es z.B. in Kauf nehme, zu wissen, daß ein Schüler hier nur abschreibt. Allerdings muß er die Materie schon kennen, sonst würde er wohl kaum folgen können. Aber für uns Geschichtsinteressierte ist Albrecht ein Geschenk des Himmels.

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das 14 punkte programm von wilson regelte in erster linie die territorialen veränderungen nach dem 1.weltkrieg innerhalb europas. z.b. belgien wieder frei elsaß-lothringen wieder zu frankreich südtirol zu italien
unabhängiger staat polen etc. diese punkte waren ein vorschlag der us regierung

in die tat wurden diese und andere regelungen welt- und europaweit durch den friedensvertrag von versailles umgesetzt, d.h. vertraglich zementiert. deutschland wurde u.a. verpflichtet, reparationszahlungen zu leisten, militärisch wurde deutschland beschränkungen auferlegt usw.

wenn man beides miteinander vergleicht, war der 14 punkte plan von wilson aus 1918 die vorstufe zum friedensvertrag von versailles, der dann ca. 10 jahre später wiederum seitens des aufkommenden nationalsozialismus für diese ein willkommender anlaß war, dieses "diktat von versailles" wie sie es nannten, wieder zu korrigieren. durch die weltwirtschaftskrise - die hohe arbeitslosigkeit - und den versailler vertrag hatten es die nationalsozialisten dann recht einfach, an die macht zu kommen.

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