Unterschied Nationalismus-Nationalbewusstsein

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Seit der Französischen Revolution bedeutet Nationalismus Hochschätzung der eigenen Nation, Einsatz für sie, Volkssouveränität und Kampf gegen feudale Gewalten. Der N. ist also eine progressive Kraft, die meist mit Demokratie und Republik zusammenging.

Ab etwa 1850 wandelt sich der N. ins Negative. Statt Gleichberechtigung souveräner Nationen will der N. nun Abwertung anderer Nationen und Machtvergrößerung der eigenen. Er verbündet sich nun mit oft reaktionären Kräften. Den N. im alten Sinn eines positiven Nationalbewusstseins ohne Abwertung anderer nannte man ab dieser Zeit Patriotismus.

Linke Befreiungsbewegungen der Dritten Welt nennen sich bis heute ganz unverkrampft "nationalistisch", z. B. die Castristen in Kuba ("Patria o muerte!") oder die Chavez-Anhänger in Venezuela.

Nationalbewußtsein: Man fühlt sich als Teil einer Nation, betrachtet die anderen Angehörigen der Nation als Teil seiner Gruppe.

Aber nicht jedes Volk bildet im Ganzen ein Nationalbewußtsein aus. Deutsche und Österreicher fühlen sich z.B. als unterschiedliche Nationen, obwohl sie die selbe Sprache sprechen und eine sehr ähnliche Kultur haben. Oder Holland und Nordbelgien. Oder UK und Irland.

Nationalismus: Die eigene Nation über die anderer Stellen, geht fließend in den Imperialismus über.

Imperialismus: Die eigenen Ansprüche/Interessen wirtschaftlich wie politisch zum Nachteil anderer Nationen durchsetzen, notfalls auch mit Gewalt.

Patriotismus: Dafür eintreten, daß es der eigenen Nation gut geht, gleichberechtigt neben anderen Nationen. Die eigene Nation im Kriegsfalle verteidigen oder zumindest alles in der Macht stehende tun, Gefahren abzuwenden.

Nationalbewusstsein meint, dass man sein Handeln nach dem Wohle der Nation ausrichtet.

Ein Nationalist verfolgt das Ziel, einen souveränen Nationalstaat zu gründen oder, falls dieser bereits gegründet wurde, zu erhalten, wenn sein Bestand in Gefahr ist. Zumindest ist dies die lexikalische Definition. Der Begriff Nationalismus wird auch gerne im Zusammenhang mit Chauvinismus verwendet. In dem Falle heißt Nationalismus (um ein bekanntes Zitat zu nennen):

"Patriotismus ist die Liebe zum eigenen, Nationalismus der Hass auf das andere."

Eigentlich kann man am Wort Nationalismus kein konkretes Menschenbild ablesen. Es ist da im Grunde egal, ob man sich eine homogene oder eine heterogene Gesellschaft wünscht, letzten Endes bedeutet es nur, dass man Interesse an einer eigenen Nation hegt. Und deswegen halte ich die ideologische Aufladung dieses Wortes für scheinheilig.

Es gab Kapitalisten mit guten Zielen (z. B. Adam Smith) und doch gab es viele kapitalistische Blutsauger (z. B. George Bush jr., der Saudari-Klan, etc.). Es gab Kommunisten mit guten Zielen (Karl Marx, Friedrich Engels, Rosa Luxemburg) und doch gab es kommunistische Tyrannen (z. B. Stalin, Lenin oder Pol Pot). Es gab Nationalisten mit guten Zielen (z. B. Robert Blum, Elenore Prochaska, die Gebrüder Grimm) und nationalistische Tyrannen (Mussolini, Franko, Hitler).

Übrigens: Fast alle Menschen- und Bürgerrechte des 18. und 19. Jahrhunderts wurden von großen Nationalisten verfasst. Und keiner von denen verfolgte böse Absichten.

Genauso war es in der deutschen Revolution 1948/49:

http://www.verfassungen.de/de/de06-66/verfassung48-i.htm

 - (Deutschland, Geschichte, nationalismus)  - (Deutschland, Geschichte, nationalismus)
Genauso war es in der deutschen Revolution 1948/49:

Verzeihung, ich habe versehentlich das Datum falsch geschrieben.

Richtig heißt es: "Genauso war es in der deutschen Revolution 1848/49:"

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