Was ist der Unterschied zwischen Moral und Ethik?

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7 Antworten

Die Wörter „Moral“ und „Ethik“ werden teilweise gleich verwendet. Wenn unterschieden wird, ist Moral die Praxis, Ethik die Theorie. Nach einem allgemeinen Verständnis in der Philosphie ist Ethik philosophische Reflexion auf Moral (vgl. z. B. Micha H. Werner, Ethik: Begriff – Geschichte – Theorie – Applikation. In: Handbuch Ethik. Herausgegeben von Marcus Düwell, Christoph Hübenthal und Micha H. Werner. 3., aktualisierte Auflage. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2011, S. 1 – 3).

Zum Teil, besonders im alltäglichen Sprachgebrauch, werden die Begriffe Moral und Ethik als Synonyme unterschiedslos verwendet (beides eine Sittlichkeitslehre oder die Summe der geltenden Verhaltensnormen). Beide dienen der Orientierung.

Die sprachliche Wurzel ist ähnlich. Moral kommt von den lateinischen Wörtern moralis (auf die Sitten bezogen) und mos (Sitte, Brauch, Gewohnheit, Charakter). Ethik kommt von den griechischen Wörtern ἠθική (auf die Sitten bezogen) und ἤθος (Sitte, Denk- und Sinnesart, Brauch, Gewohnheit, Charakter).

Die Begriffe werden aber auch inhaltlich unterschieden:

Moral ist die Gesamtheit der in einer Gruppe geltenden bzw. von einer Person verinnerlichten Verhaltensregeln. Deskriptiv (beschreibend) gibt sie an, welche Verhaltensweisen gelebt werden und welche Erwartungen über ein gutes Handeln vorhanden sind. Moral umfaßt die vorhandenen Einstellungen, wie etwas sein soll. Normativ (vorschreibend, bewertend) besteht sie aus Vorschriften, wie gehandelt werden soll. Moral billigt etwas (das, was als gut anerkannt wird) oder mißbilligt es und fordert dann eine Verhaltensänderung. Moral ist dabei eine Praxis des Sollens.

Ethik ist dagegen die Theorie der Moral. Sie bietet also eine wissenschaftliche Betrachtung. Sie ist ein Teilbereich der Philosophie. Ethik enthält ein Nachdenken (Reflexion und Diskussion über das gute Leben und das sittlich richtige Handeln). Sie systematisiert, sucht nach Begründungen und entwickelt Kriterien.

1) Wenn Moral und Ethik als synonyme Wörter bedeutungsgleich verwendet werden, ergibt sich kein Unterschied.

Bei einer Unterscheidung der Bedeutung urteilt Moral darüber, ob etwas gut oder böse bzw. schlecht ist. Gelebte Moral kann dabei ein gelerntes Verhalten sein, das sich nach dem richtet, „was sich gehört“. Ethik ist die theoretische Reflexion. Sie kann untersuchen, inwiefern auf begründetet Weise etwas Anspruch auf eine Beurteilung als gut oder schlecht bzw. richtig oder falsch hat. Sie prüft beispielsweise, ob selbstloses und aufmerksames Handeln als gut bzw. richtig gelten kann, welche Werte oder Grundsätze dabei vorausgesetzt werden und welche Argumentation dafür möglich ist. Das Nachdenken kann zu einem ethischen Standpunkt führen, von dem her eine Beurteilung stattfindet.

2) Das Beispiel ist nachvollziehbar. Nicht zutreffend ist eine Aussage, nach der erst die Ethik urteilt, die Moral nicht. Ethik bleibt auch nicht bei der Aussage stehen, eine Handlung sei selbstlos und aufmerksam. Ethik fragt, ob selbstloses Handeln gutes Handeln ist. Sie kann untersuchen, mit welchen gedanklichen Ansätzen Aussagen dazu rational begründet werden können. Ethik geht über eine Verinnerlichung erlernter Verhaltensweisen hinaus, ein beim Beispiel richtig herangetragener Gesichtspunkt. Dies ist allerdings ein eingehenderes Nachdenken als ein einfaches Urteil wie „selbstlos“ oder „aufmerksam“.

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Die Moral ist Katholisch. Sie stützt sich auf die 10 Gebote Gottes und die 5 Gebote der Kirche. Die Moral hilft uns im alltäglichen Leben so zu leben, dass wir uns nicht versündigen gegen die Liebe Gottes. Sie bedient sich der Bibel, die Vorbilder der Heiligen und der Lehre der Katholischen Kirche ( = die Erfahrungen der Kirche als Gemeinschaft)

Ethik ist Interreligiös, für die zwischenmenschliche Beziehungen.

Ihr Beispiel von der gefundene Geldbörse, fällt dann unter die Ethik, wenn es egal ist welcher Religion man angehört, also rein zwischenmenschlich betrachtet. Das gleiche Beispiel fällt aber dann unter die kirchliche Moral wenn der Intention ( = der Beweggrund, der Hintergrundgedanke, das Motiv) in Zusammenhang mit dem 7. Gebot "Du sollst nicht stehlen" steht. Weil alle Menschen Kinder Gottes sind, und Gott der ander Mensch genauso liebt, würde man nicht nur dem Mitmenschen einen Leid antun, sondern auch dem Herrgott.

Das ist nicht meine eigene Meinung, sondern das ist die altbewährte Kirchenlehre der Katholischen Kirche. Moral und Ethik werden nur im deutschen Sprachraum oft miteinander verwechselt.

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Ansich sind die Begriffe synonym. Ein Unterschied liegt aber vor allem in der gebräuchlichen Verwendung. Ich beziehe mich hier nicht auf irgendwelche Lexika, sondern versuche es so zu sagen, wie ich selbst es empfinde. Insofern kristallisiert sich m.E. immer mehr die Verwendung des Moral-Begriffes im Sinne des Offiziellen und die des Ethik-Begriffes im Sinne des Persönlichen (und auch Elitären) heraus. Moral ist insofern das, was in der Gesellschaft normativ ist, während Ethik etwas ist, was einerseits der Einzelne in erster Linie mit sich selbst ausmacht und andererseits in elitären Kommissionen und Diskussionsforen herausgestellt wird. Ethik hat insofern auch einen mystischen Aspekt, der dem Moral-Begriff ansich fehlt. Der Moral-Begriff ist eher selbstverständlich, der Ethik-Begriff eher etwas intellektuell.

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Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Begriffen Ethik und Moral [s. auch Wikipedia: "Der deutsche Ausdruck „Moral“ geht über das französische morale auf das lateinische moralis (die Sitte betreffend; lat: mos, mores Sitte, Sitten) zurück, das im von Cicero neugeprägten Ausdruck philosophia moralis als Übersetzung von êthikê (Ethik) verwendet wird."] Der Ausdruck "Moral" wird heute nicht mehr gerne verwendet, da man mit ihm sogleich die sexuelle Moral assoziiert. Man sagt deshalb lieber "ethisch", meint aber das Gleiche, nämlich ein sittlich einwandfreies Verhalten. Insofern sind "sittlich", "moralisch" und "ethisch" synonyme Begriffe. Moralisch / ethisch / sittlich handeln bedeutet, gemäß den 10 Geboten und dem christlichen Prinzip der Nächstenliebe zu handeln oder auch - wenn man eine theologische Begründung ablehnt - nach dem Vernunftprinzip zu handeln, aus dem sich gemäß dem ethischen Imperativ Kants die Pflicht zum moralischen Handeln ableiten lässt.

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Im ersten Teil antwortest du gleich selber, um anschliessend leicht zu patzern:

"da ich es so "gelernt" hab"

Der Gerechtigkeitssinn ist im Menschen (und auch gew. Tieren) präformiert, lernen allein nützt also nichts.

"Normen wie zb. behandle andere Menschen so, wie du behandelt werden willst"

Das ist schon Ethik. Moral wirkt auf Ethik, Ethik wirkt auf Moral.

"Die Ethik würde jetzt diese Tätigkeit von mir beurteilen, das es zb selbstlos und aufmerksam ist."

Nicht nur, sie ist auch moralisch (in den meisten Gesellschaften). Die moderne psychologisch-ökonomische Forschung hat beweisen, dass altruistische Handlungen nicht nur seblstlos sind, weil sie dem Verursacher teilweise direkt oder indirekt über eine bessere Gesellschaft zurückkommen.

Am einfachsten kann man sich den Unterschied klarmachen, indem man 'schlüpfrige Handlungen' als Beispiel nimmt. Nackt in der Oeffentlichkeit sich zu zeigen ist in den meisten (allen?) Gesellschaften zutiefst unmoralisch und wird auch bestraft. Ob es aber ethisch verwerflich ist? Nur dann, wenn es in der betroffenen Gesellschaft ein Tabu ist, so dass die Betroffenen brüskiert werden, d.h. leiden. Dieses Beispiel zeigt auch, dass praktische Ethik und Moral verflochten sind und nicht einfach getrennt werden können.

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Ich würde es vielleicht so zusammenfassen:

Wenn sich jemand ethisch verhält, dann aus eigener, inneren Überzeugung. (eigene Einsicht)

Wenn sich jemand moralisch verhält, dann vielleicht auch nur deshalb, weil er mehr die Strafe fürchtet, die ihm widerfährt, wenn er ein Gesetz überschreitet. (keine Einsicht)

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Ganovenmoral: Omerta. Nicht zu singen vor dem Richter.

Ganovenethik: Zusammenhalt innerhalb der Gruppe der Ganoven.

Gruppenegoismus/Gruppenzusammenhalt ist das evolutionäre Gewinnermodell. Der einsame Wolf (Radikalindividualist) ist der Verlierer.

Ethik: Per intersubjektivem Verfahren als Kür des Willens einer Gemeinschaft wird eine Ideologie herausgeformt, ein Normen- und Wertesystem.

Moral: Konkrete Handlungsanweisungen, die dem jeweiligen ideologischen Wert zuträglich sind.

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