Sind Freimaurer und Jakobiner das gleiche oder kann man die beiden vergleichen?

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3 Antworten

Freimaurer und Jakobiner sind ganz klar nicht das Gleiche.

Vergleichen lassen sich diese Vereinigungen aber trotzdem, mit dem Ergebnis unter bestimmten Gesichtspunkten Gemeinsamkeiten/Ähnlichkeiten und Unterschiede/Abweichungen festzustellen.

Bei einem »Vergleichen« ist allgemein zu unterscheiden, ob ein Gleichsetzen oder ein Vergleichen als Vergleich (Gemeinsamkeiten und Unterschiede) gemeint ist.

Vergleichen als Vergleich ist bei sehr vielem möglich, da nur irgendein Gesichtspunkt als Bezug des Vergleichs zwischen Dingen (Tertium comparationis) erforderlich ist und der Vergleich sowohl Gleichheit als auch Ungleichheit (bis hin zu großer Gegensätzlichkeit) unter dem jeweiligen Gesichtspunkt ergeben kann.

Es hat Jakobiner gegeben, die auch Freimaurer waren (z. B. Jean Paul Marat) und Jakobiner, die keine Freimaurer waren (z. B. Maximilien der Robespierre).

Wesen: Freimaurer sind nach ihrem Selbstverständnis ein ethisch orientierter Bund, die Jakobiner ein waren politischer Klub.

Öffentlichkeit: Bei Freimaurern gibt es Aufnahmeritual, eingeweiht zu werden, unds eine Geheimhaltung von Interna. Die Jakobiner wirkten stärker in die Öffentlichkeit hinein.

Organisation: Die Freimaurer sind in unabhängigen Logen organisiert. Die Jakobiner hatten Tochtergesellschaften des Pariser Klubs.

Entstehung, Verbreitung, Dauer: Freimaurer haben Wurzeln in Bruderschaften von Steinmetzen und ihren Bauhütten im Mittelalter, in einer modernen umgestalteten Art ist Freimaurerei 1717 in England begründet worden. Dies hat sich dann in andere Länder/Staaten ausgebreitet. Der Jakobiner-Klub ist 1789/1790 in Frankreich in der Zeit der Französischen Revolution entstanden. Auch in einigen benachbarten Staaten hat es dann Jakobiner gegeben. Als Vereinigungen sind Jakobiner eine Erscheinung mit sehr viel kürzerer Dauer.

Ziele und Gegnerschaft: Den Freimaurern geht es um persönliche Entwicklung und eigene ethische Verbesserung, womit dann auch angestrebt wird, der Gesellschaft nützlich und angenehm zu sein. Auch Naturkunde ist ein Interessengebiet. Gesucht wurde Geselligkeit unter Gleichgesinnten, mit Gemeinschaftserfahrung und Erleuchtunsgerlebnissen. Die Freimaurer im 18. Jahrhundert wollten sich als Vereinigungen nicht direkt politisch betätigen. Aufgrund angestrebter Ideale, an denen gemessen die tatsächlichen Verhältnisse verbesserungswürdig erscheinen, und einer geistigen Beweglichkeit, die auch gesellschaftskritische Gedanken hervorrufen konnte, gab es von einem Teil der Herrschenden gegenüber den Freimauren Verdächtigungen und Mißtrauen. Die Freimaurer hatten eine (im Wesentlichen christliche) religiöse Überzeugung, waren aber konfessionell ungebunden. Seitens der römisch-katholischen Kirche hat es im 18. Jahrhundert Verbote der Freimauerei gegeben, katholisch zu sein galt als unvereinbar damit, Freimaurer zu sein, unter Androhung von Exkommunkation. Den Jakobinern ging es um politische Diskussion und politisches Handeln. In der sogenannten «Schreckensherrschaft» hatten sie große Bedeutung, danach betrieben gegenrische Kräfte ihre Ausschaltung. Am 11. November 1794 wurde die Schließung des Klubs imn Paris verfügt. 1795 – 1796 und 1799 gab es unter anderem Namen Klubs als Nachfolgeorganisationen, aber auch deren Schließung wurde nach einiger Zeit angeordnet.

Sozialstruktur: Im 18. Jahrhundert gehörten zu den Freimaurern vor allem Adlige (bis hin zu Königen) und Bürger der Oberschicht, teilweise bürgerliche Mittelschicht, nur wenige aus dem Klerus. Frauen waren gewöhnlich von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen. Die Jakobiner hatten einigen Besitz und Bildung, gehörten mindestens zur bürgerlichen Mittelschicht. Adlige und Angehörige des Klerus gehören dazu, wenn auch nicht mit einem sehr hohen Anteil an der Gesamtheit der Mitglieder. Die Jakobiner zahlten einen nicht ganz geringen Mitgliedsbeitrag, den Angehörige der Unterschicht finanziell nicht leisten konnten. Frauen durften keine Mitglieder werden.

Werte: Für Freimaurer sind Werte wichtig. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, Toleranz, Humanität, Treue gehören dazu. Innerhalb einer Loge besteht eine grundsätzliche Geichheit (wenn auch mit zum Teil besonderen Rängen). Bei den Jakobinern gab es Ähnlichkeit in den Werten. In der politischen Praxis sind sie den Werten nicht immer gerecht geworden.

Verhältnis zur Aufklärung: Die Freimaurer im 18. Jahrhundert waren mehrheitlich für die Bewegung der Aufklärung (Vernunftorientierung war vielen von großer Bedeutung). Die Jakobiner waren stark vom Gedankengut der Aufkärung geprägt.

Verhältnis zur Französischen Revolution (1789 – 1799): Es gab unter den Freimaurern sowohl Anhänger als auch Geger der Revolution. Die Jakobiner waren entschiedene Anhänger der Revolution.

Jakobiner

Jakobiner ist Bezeichnung für Mitglieder eines politischen Klubs. Die Bezeichnung wird zum Teil auch für zur Berg-Partei (Montagnards: ganz links oben im Sitzungssaal des Nationalkonvents, auf dem „Berg“ [montagne]) gehörende Politiker verwendet, obwohl eine völlige Gleichsetzung nicht genau zutrifft (z. B. gehörten zur Berg-Partei auch Mitglieder des politischen Klubs der Cordeliers [Mitglieder im Club des Cordeliers, der Société des droits de l'homme et du citoyen – „Gesellschaft der Menschenrechte und der Bürger“]).

Die Jakobiner waren ein politischer Klub, hervorgegangen als Neubegründung (1790) aus dem am 30. April 1789 gegründeten bretonischen Klub (Club breton). Der Klub nannte sich Gesellschaft der Revolution (Société de la Révolution), dann Gesellschaft der Freunde der Verfassung Club (Société des amis de la Constitution). Nach seinem Tagungsort in einem aufgehobenen Jakobinerkloster in Paris am der Rue Saint-Honoré wurde dieser Klub als Jakobinerklub (Club des Jacobins) bezeichnet.

Bei den Jakobinern war zuerst eine große politische Bandbereite vertreten, die für eine Veränderung durch die Revolution eintrat. Nach und nach spalteten sich Teile ab bzw. wurden Leute ausgeschlossen. Erst im Sommer 1791 begann eine bedeutsame Ablehung der Monrachie und ein Eintreten für die (demokratische) Republik. Zum bretonischen Klub gehörte Lafayette (Marie-Joseph Paul Yves Roch Gilbert du Motier, marquis de La Fayette), der später nicht zu den Jakobinern gehörte (Lafayette war übrigens Freimuarer). Manche Politiker der Girondisten waren zunächst auch Mitglieder in Jakobinerklub, erst später kam es zur deutlichen Trennung. Aber schon vorher waren andere Gruppierungen bei den Jakobinern ausgeschieden.

Die Jakobiner waren egalitär, aber darin nicht so radikal wie die Sansculotten (eine politisch mobilisierte revolutionäre Bewegung der städtischen Volksmenge, eine Massenbewegung des einfachen Volkes). Die Jakobiner hielten am privaten Eigentum fest und wollten eine gewisse Kontrolle und Lenkung der Masse ausüben, die politische Führung behalten und das revolutionäre Geschehen kanalisieren.

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 5. Auflage. München : Beck, 2013 (Beck's historische Bibliothek). ISBN 978-3-406-65877-8 (Beck's historische Bibliothek), S. 188:

„Die Logen waren keineswegs Vereinigungen, die bewußt auf den Umsturz der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung gezielt hätten. Es gab zwei Logenrichtungen, beide erkannten seit 1771 Philipp, den späteren Herzog von Orléans als gemeinsamen Großmeister an. Das förderte die politischen Verdächtigungen sozusagen wechselseitig: die des Herzogs und die der Logen. Zweifellos waren sie wichtige Medien für die Verbreitung der Ideen der Aufklärungsphilosophie, aber es ist eine absurde Behauptung, die immer wieder geäußert wird, die Französische Revolution sei das Werk eines freimaurerischen Komplotts gewesen. Die Verdächtigung war so verbreitet, daß noch im 19. Jahrhundert liberale, konstitutionelle, aufklärerische Ideen oft einfach als freimaurerisch bezeichnet wurden; später sprach man gerne von der «Weltverschwörung» der Freimaurer; das kann man noch bei den Nazis und noch in Franco-Spanien finden.) Bei den Generalständen finden wir besonders viele Maurer, aber das liegt eben daran, daß die politisch Interessierten vom Adel und vom gebildeten Bürgertum (teilweise auch vom Klerus) die Haupttruppe der Logen bildeten. Im allgemeinen sympathisierten die Freimaurer anfangs mit der Revolution, seit 1790 kommt es zur Spaltung: die Hälfte lehnte die Revolution ab und emigrierte großenteils.“

In Bibliotheken gibt es Bücher mit Informationen, als Übersicht z. B.:

Wolfgang Hardtwig, Freimaurer. In: Enzyklopädie der Neuzeit: Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachwissenschaftlern herausgegeben von Friedrich Jaeger. Band 3: Dynastie - Freundschaftslinien. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2006, Spalte 1204 – 1213

Rolf Reichhardt, Jakobiner. In: Enzyklopädie der Neuzeit: Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachwissenschaftlern herausgegeben von Friedrich Jaeger. Band 5: Gymnasium - Japanhandel. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2007, Spalte 1178 - 1188

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Hi,- vergleichen kann man alles. Aber um es gaaanz einfach zu machen: Die Jacobiner waren (naive) Anhänger eines egalitären Gesellschaftbildes.

Freimaurer sinde elitäre Vertreter eines elitären Gesellschaftbildes. -

Ver-Gleiche führen nicht unbedingt zu der Feststellung von Gleicheit sondern meistens zur Feststellung von Unterschieden - nicht selten auch diametralen Gegensätzlichkeiten.

Gruß

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Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

- Die Jakobiner waren eine politische, aufklärerische Bewegung, die die Monarchie abschaffen wollte.  Politische Klubs gab es im 18. Jhd. auch noch andere. Ziel war die Gesellschaftsordnung radikal zu ändern

https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobiner

- Die Freimaurer ist ein moralisch-religiöser Geheimbund, der erst einmal dahin abzielt das eigene Selbst und die eigene Moral zum besseren zu Gestalten und dann der Gesellschaft zu dienen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Freimaurerei

Die Werte  Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität hatten beide Gruppen für sich vereinnahmt. Den Jakobinern gingen diese Werte im Laufe der französischen Revolution allerdings abhanden, denn diese endete ja bekanntlich in der Terrorherrschaft von Robespierre.



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