Schwere Schuldgefühle - was tun?
Am 20.8. ist mein Papa verstorben. Er war noch nicht alt. Aber leider alkoholkrank.
Er hat immer gesagt, dass, wenn er stirbt, ich ihn auf dem Gewissen habe, weil ich seine Sucht befeuert hätte (arbeite schon lange als junge N**te). Das stimmt so aber nicht. Er trank schon, bevor ich das geworden bin.
In den letzten Tagen und Wochen hatte ich davon geträumt, dass ich mich nochmal mit ihm ausspreche und vllt sogar erzähle, dass ich aufgehört habe. Aber die Angst davor, die Zeit, die mir leider fehlte und der richtige Moment waren iwie nie da :(
Und nun plagen mich schwere Schuldgefühle, auch wenn ich glaube, dass eher die Flaschen als ich die "Schuld" hatten :(
Wie kann man sein Gewissen beruhigen?
8 Antworten
Es tut mir sehr leid, dass du deinen Papa verloren hast. Schuldgefühle nach dem Tod eines nahen Menschen sind etwas, das viele kennen. Sie entstehen oft, weil man rückblickend denkt, man hätte noch etwas sagen oder tun sollen. Besonders schwer ist es, wenn jemand einem selbst die Verantwortung zuschreibt, so wie dein Vater es getan hat. Doch wichtig ist: Die Sucht deines Vaters war seine Krankheit. Niemand außer ihm und dieser Krankheit trägt die Verantwortung dafür, dass er getrunken hat.
Dein Wunsch, dich noch einmal mit ihm auszusprechen, zeigt, dass dir die Beziehung wichtig war. Dass es nicht dazu gekommen ist, macht traurig, ist aber menschlich. Niemand kann immer den richtigen Moment erwischen. Dein Gewissen beruhigst du nicht, indem du dir Vorwürfe machst, sondern indem du anerkennst: Du hast geliebt, du hättest dir einen anderen Weg gewünscht, aber du konntest die Sucht nicht kontrollieren.
Ein kleiner Schritt könnte sein, deinem Vater in einem Brief zu schreiben, was du ihm gerne noch gesagt hättest. Das schafft innerlich einen Abschluss. Ein zweiter Schritt kann sein, dir bewusst jemanden zu suchen, mit dem du offen über deine Trauer und Schuldgefühle sprechen kannst.
Schuld ist oft ein Ausdruck von Liebe, die keinen Platz mehr findet. Es ist erlaubt, diese Liebe in Dankbarkeit zu verwandeln und dich von der Last langsam zu befreien.
Das dümmste und feigste, was ein Alkoholiker tun kann, ist, ANDERE für seinen Alkoholismus verantwortlich zu machen!
Du kannst einfach so mit ihm sprechen, in einer stillen Stunde für Dich und / oder ihm einen Brief schreiben, in dem Du alles das sagst, was Du nicht mehr sagen konntest (Du kannst dann den Brief entweder aufbewahren oder ihn verbrennen, wenn Du mit ihm abschließen möchtest)
Das hilft DIR, vielleicht sogar auch ihm.
Mach' Dir klar, dass Deine Schuldgefühle niemandem helfen! - Am allerwenigsten Dir selbst und Deinem Vater.
Schau nach vorne und lebe Dein Leben eigenverantwortlich, genieße es und habe Freude daran!
Exzessiv zu trinken war seine Entscheidung. Du hast damit nichts zu tun.
Die Schuldgefühle hören niemals auf, so lange du dir nicht selber vergibst.
Eigene Erfahrung.
Wenn man nicht schwimmen kann liegt es nicht an der Badehose.
Oft ist es ja ein Symtom oder eine Begleiterscheinung von Alkoholismus, dass die Abhängigen ihre Suchtursachen verdrängen. Wenn er dir nicht die Schuld gegeben hätte, dann hätte er sich ja mit den wahren Ursachen auseinander setzen müssen. Er zog es sogar vor dich zu beschuldigen, statt was dagegen zu unternehmen.