Muss man jemanden mit "Dr." anreden?

14 Antworten

Ist ja nun schon etwas her, aber ich gebe trotzdem mal meinen Senf dazu. Bei uns früher an der Schule war es so, dass wir den Lehrer oder die Lehrerin erst mit Doktor angesprochen haben. Einige haben dann gesagt, wir sollen es weglassen, andere haben richtig darauf bestanden.

Wir hatten aber zum Beispiel auch drei Frau Meier, da ist es ja auch verständlich, dass eine davon gerne mit dem Titel angesprochen werden möchte, außerdem ist dann immer klar von wem die Rede ist.

Ich würde also auch erst einmal Doktor sagen, bis man gesagt bekommt, man soll es weglassen..

Hier wird leider nur diskutiert, dass so viel Arbeit ist etc. Es wird außer acht gelassen, dass eine Promotion laut Ordnung einen erheblichen wissenschaftlichen Fortschritt dokumentiert. Da dies nicht zu kommerziellen Zwecken geschieht ist dies in der Regel ein wertvoller Beitrag für die gesamte Gesellschaft deren Wohlergehen eben durch wissenschaftlichen Fortschritt gesichert wird. Anreden oder nicht, es ist eben nicht nur ein Akt der Eitelkeit der anderen beruflichen Leistung gleichzusetzen ist.

Also die Logik erschließt sich mir überhaupt nicht, dass der Dr.-Titel ein hartes Stück Arbeit ist und daher in der Anrede erwähnt werden sollte. In der gleichen Zeit haben andere schon produktive Arbeit in der Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst geleistet, die sicherlich auch "harte Arbeit" war. Nur war diese Arbeit nicht auf einen Titel ausgerichtet. Genau das ist bei der Promotion aber der Fall: Es geht primär darum einen "Titel" zu erwerben - eigentlich sollte man dort aber die Fähigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens perfektionieren, um in diesem Werdegang weiter zu gehen. Viele gehen dann aber in die Wirtschaft, Politik usw und nutzen den Titel als Eintrittskarte. Resolutat ist, dass der Titel auch durch Missbrauch erworben wird (Plagiate). Gleichzeitig benötigt man finanzielle Mittel um sich z.B. 4 Jahre für die Promotion Zeit nehmen zu können. Wenn kein Stipendium vorliegt, sind es also wiederum bestimmte Schichten. Aus eigener Erfahrung: Ein Diplom kann schwerer sein als eine Doktorarbeit. Für mich ist die Doktorarbeit eher eine Zeitfrage gewesen, der Weg zum Diplom war noch durch andere Hürden erschwert.

Dennoch plädiere ich dafür, den Doktor-Titel gelassener zu sehen, da es viele Leistungen im Leben gibt und wenn eine bestimmte Leistung als einzige solch eine Wirkung erzeugt, wird sie bevorzugt von bestimmten Kreisen angestrebt. Dadurch verliert sie den eigenen Zweck: Das Erlernen/Perfektionieren des wissenschaftlichen Arbeitens und zwar für die wissenschaftliche Laufbahn - und nicht um später sich über den Titel abgrenzen zu wollen..

Was möchtest Du wissen?