Muss man jemanden mit "Dr." anreden?

16 Antworten

Zur rechtlichen Seite wurde ja schon geantwortet. Ich finde es ansonsten auch normal, jemanden mit Doktortitel auch so anzusprechen. Das bricht mir keinen Zacken aus der Krone, selbst wenn ich den Betreffenden vielleicht nicht leiden kann und ihm lieber einen anderen Titel verpassen würde ;-). Bleibe ich trotzdem korrekt, beweise ich damit eigene Souveränität und trage Auseinandersetzungen auf der Ebene aus, auf der sie stattfinden- und nicht auf der, ihn einfach mal verbal 'wegzukürzen'.

Natürlich ist es viel Arbeit und auch zu respektieren, wenn jemand den Doktor- oder sogar den Professor-Titel hat. Aber ich finde im Namen hat das nichts verloren. Es sind trotzdem noch alle Menschen. Den Bildungsstand muss man im Namen nun wirklich nicht haben. Wenn man aber z.B. ein Bewerbungsgespräch hat, sollte man den Titel schon sagen, einfach weil das besser kommt. (Ist mir zwar zuwider, aber in solchen Momenten muss man sich leider unterordnen, wenn man weiterkommen will.) Wenn allerdings jemand "normales" von mir verlangen würde, dass ich ihn mit dem Titel anspreche, ist das für mich ein Zeichen für einen miesen Charakter. Klar hat sich die Person das hart erarbeitet, aber es gibt der Person noch lange nicht das Recht, sich über andere zu stellen. Hab das zwar noch nicht erlebt, aber es soll ja so arrogante Menschen geben ^^ Die Dozenten in der Uni sprech ich alle ohne Titel an. Und falls ich irgendwann selbst mal den Dr. machen SOLLTE (ob ich solange durchhalte, wage ich zu bezweifeln ^^), will ich auch nicht, dass mich jemand damit anspricht...das wäre mir eher unangenehm. Ich hasse es ja schon jetzt, wenn jemand mich über die Uni fragt...hab da immer das Gefühl, die Leute denken, ich käme mir als was besseres vor =(

Der Doktor ist der einzige akademische Grad, den man sich in den Personalausweis oder Pass eintragen lassen kann. Aber beim Eintrag (auch in andere Urkunden) muss der Inhaber des Doktorgrades gefragt werden, ob er den Dr. überhaupt eingetragen haben will. Namensbestandteil ist er jedenfalls in Deutschland nicht. Der Inhaber kann auch nicht verlangen, damit angeredet zu werden. Eine missbräuchliche Verwendung des Titels ist strafbar. Meiner Meinung nach ist jedoch der Erwerb des Titels in der Regel mit einer besonderen vorausgehenden Leistung verbunden. Ich persönlich würdige dieses schon mit einer entsprechenden Anrede.

Ich habe zwei voll-akademische Studien parallel erfolgreich absolviert, allerdings nicht promoviert. Bereits vor Jahrzehnten war es weder in der Chemie (plus Randgebieten wie Geologie etc.) noch in der Biologie üblich, die Professoren mit Herr/Frau Professor anzureden. Vor ziemlich genau 20 Jahren hat sich an der Uni Darmstadt ein nicht ganz unbekannter Chemiker im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung die Anrede "Herr Professor" ausdrücklich verbeten, als ein Süddeutscher (Nähe Österreich !) ihn so ansprach. Er meinte trocken (und zutreffend): "Sie alle, die Sie hier sitzen, haben Ihre Studien erfolgreich abgeschlossen. "Professor" ist eine Berufsbezeichnung wie "Abteilungsleiter" oder ähnliches (ich kann mich an das Beispiel nicht mehr genau erinnern). Eine Promotion in Chemie war und ist leider noch immer erforderlich, weil die Wirtschaft Wert drauf legt, mit möglichst vielen doctores prahlen zu können. Ihr Diplom in Chemie war lediglich ein Stufe, der Doktor-Grad wäre bzw. ist eine Stufe mehr. Also lassen wir doch bitte diese kuk-Titelsucht. Und jetzt bitte an die Arbeit, meine Damen und Herren; wir wollen in dieser Woche etwas leisten."

Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Auffällig ist übrigens, dass ausgerechnet die "dünnsten" doctores - nämlich die Mediziner und die Juristen - den meisten Wert auf die Anrede legen; DAS spricht Bände! Bei den Medizinern spielt auch noch eine Rolle, dass der "Dr." und noch mehr der "Prof." als Lizenz zum Gelddrucken verstanden wird. Und wenns zum Prof nicht reicht, muss mindestens der "Privatdozent" her!

Es ist eine Frage der Höflichkeit; ein Rechtsanspruch besteht nicht.

Es ist ein verbreiteter Irrtum, daß der Doktortitel ein Namensbestandteil wäre. Stimmt aber nicht. Nach den Regelungen zu Reisepass und Personalausweis ist er einzugetragen. Dieser Regelung bedürfte es nicht, wenn er Namensbestandteil wäre, da Namen ohnehin vollständig einzutragen sind.

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