Ludwig XIV-Absolutismus Merkmale,Exponat

 - (Geschichte, merkmale, Absolutismus)

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Allgemein rate ich, den Text (nach inhaltlicher Überarbeitung) auf Rechtschreibung (Groß-/Kleinschreibung, Zeichensetzung stimmen im jetzigen Zustand nicht immer), Grammatik (fehlende Wörter) und Ausdruck/Stil durchzusehen und Fehler und Mängel zu verbessern.

Ich würde zu Ludwig (Louis) XIV. die Lebenszeit (1638 – 1715) ergänzen.

Der Leitsatz, der Ludwig XIV. zugeschrieben worden ist, heißt: XIV. wird der Satz „L' État, c'est moi“ („Der Staat, das bin ich“)

Diese Äußerung ist aber nicht belegt. Sie trifft aber gut etwas an dem Herrschaftsverständnis.

Uwe Schultz, Der Herrscher von Versailles : Ludwig XIV und seine Zeit. München : Beck, 2006, S. 87:
„Andere Fabulierer haben ihm in diesem Augenblick das Wort »Der Staat bin ich!« (»L' État, c'est moi«) in den Mund gelegt. Es ist ein Wort wie das seines Großvaters Heinrich IV »Paris ist eine Messe wert!« (»Paris vaut une messe«) – beide wurden nie gesprochen. Ihre wörtliche historische Unrichtigkeit steht ebenso außer Zweifel wie ihre sinngemäße historische Wahrheit.“

Absolutismus bezeichnet eine Staatsform, bei der eine einzelne Person (Monarch) die alleinige, ungeteilte politische Souveränität hat und die Macht des Herrschers in der Ausübung der Staatsgewalt nicht deutlich eingeschränkt (z. B. durch eine Verfassung) ist. Ein König regierte von einer Bindung an (geschriebene) Gesetze gelöst (legibus absolutus).

Zentralisierung nahm zu.

Im Absolutismus gab es eine Ständegesellschaft mit Privilegien (Vorrechten) der beiden oberen Stände (1. Stand: Klerus [Geistliche]; 2. Stand: Adel), während der Dritte Stand benachteiligt war.

Öfters werden Säulen des Absolutismus genannt (die Macht des absolutistischen Herrschers stützt sich auf diese):

  • stehendes Heer

  • Verwaltung

  • Hof

  • Kirche (oft mit Neigung, nur ein religiöses Bekenntnis zu dulden und sich auf eine Staatskirche zu stützen; in Frankreich war der Katholizismus Staatsreligion und mit dem Edikt von Nantes hat Ludwig XIV. für den Protestantismus in Frankreich [Hugenotten] die Toleranz beseitigt)

  • Merkantilismus

Bei Ludwig XIV., einem Musterbeispiel eines absolutistischen Herrschers, sind Merkmale absolutistischer Herrschaft vorhanden:

  • oberste Gewalt im Staat (in Exekutive, Legislative und Judikative, ohne Gewaltenteilung) einschließlich Besetzung von Stellen, Verleihung von Titeln, Erhebung von Steuern, Entscheidung über Krieg und Frieden

  • Oberbefehlshaber eines stehenden Heeres

  • ein gewisses Ausmaß an staatlicher Lenkung und Kontrolle in Form eines merkantilistischen Systems (Merkantilismus) in der Wirtschaft (Ludwig XIV. hat 1661 die Leitung eines neu geschaffenen Finanzrats übernommen und Jean-Baptiste Colbert zum Generalkontrolleur der Finanzen [Contrôleur général] ernannt; dieser war ein führender Vertreter einer merkantilistischen Politik und 1661 – 1683 in diesem Amt, damit Finanzminister Frankreichs)

  • an der Spitze einer Verwaltung mit einem Beamtenapparat

  • persönliche Leitung der Regierungsgeschäfte seit dem Tod von Kardinal Mazarin 1661 politische (nicht gesellschaftliche) Entmachtung des Adels (Aufstände 1648 – 1653 [„Fronde“] niedergeschlagen)

  • Mittelpunkt eines Hofes in Versailles mit glanzvoller Repräsentation

kleine Abstriche bei der Unbeschränktheit absolutistischer Macht in der Praxis:

  • hergebrachtes Rechtsdenken und Gebräuche (konnten gewissen Widerstand bieten, aber kein unbedingtes Hindernis)

  • regionale Einflüsse (trotz erheblicher Zentralisierung blieben Reste älter Strukturen, mit Überschneidung von Befugnissen in Recht und Verwaltung und mit Sonderrechten; aber die Macht des Königs wurde dadurch nicht stark beeinträchtigt, die Provinzialstände hatten zwar in einigen Provinzen Mitspracherechte, vor allem ein Steuerbewilligungsrecht, aber dieses konnte durch allgemeine Steuern umgangen werden und Generalstände wurden in der Zeit Königs Ludwig XIV. überhaupt nicht einberufen)

  • Macht der Kirche (Ludwig XIV. anerkannte zwar als Katholik grundsätzlich die katholische Kirche, wodurch aber angesichts von Gottesgnadentum und einem Bündnis von Thron und Altar seine Machtstellung nicht angefochten war)

  • Abhängigkeiten durch Finanzbedarf (hohe Kosten führten dazu, zur Finanzierung auf Steuererhebung und Geldgeber angewiesen zu sein; einschränkend war aber dabei hauptsächlich das Ausmaß des in Frankreich vorhandenen Geldes/Reichtums und außerdem konnten bei dem verwendeten System langfristig den gesellschaftlichen Frieden störende Ärgernisse [Eintreibung durch private Steuerpächter, die sich selbst bereicherten; Korruption durch Praxis des Ämterkaufes] auftreten)

  • ständische Einflüsse: Das französische Parlament (parlement) dieser Zeit war ein Gerichtshof (eine vom Adel beherrschte ständische Vertretung), keine gewählte gesetzgebende Versammlung. Es konnte den König beraten, wenn dieser Wert darauf legte, und beanspruchte neben den richterlichen Befugnissen auch politische Rechte. Die Gültigkeit der königlichen Gesetze und Verordnungen wurde von der Eintragung in die Register des Parlaments abhängig gemacht. Das Parlament konnte die Eintragung auch unterlassen und dem König Vorstellungen/Bedenken (remontrances) vorlegen. Wenn der König diese seinerseits zurückwies und das Parlament auf seiner Weigerung beharrte, konnte der König als absolutistischer Herrscher die Eintragung in das Register durch ein lit de justice (wörtlich: „Gerechtigkeitsbett“, ursprünglich der erhabene Thronsitz des Königs), eine feierliche Sitzung mit persönlichem Erscheinen des Königs im Parlament, zwangsweise durchsetzen. Der Kanzler trug die Angelegenheit vor, leitete eine ohne Diskussion verlaufende mündliche Abstimmung, die ohne Diskussion vor sich ging, und befahl einfach im Namen des Königs die Registrierung. Dahinter stand die starke königliche Macht. Manchmal hat das Parlament trotzdem auf seinem Widerstand beharrt. Ludwig XIV. hat sich dann auf diese Weise durchgesetzt. Das Parlament gehorchte, wenn ein lit de justice stattfand. 1673 hat Ludwig XIV. dem Parlament seine politischen Befugnisse (Registrierungs- und Remonstrationsrecht) genommen und es damit auf die Rechtsprechung beschränkt.

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Ludwig XIV. hat nicht einfach nur durch Symbolsierung den Adel zu bringen können, sich am Hof in Versailles aufzuhalten.

Die Teilnahme an königlichen Festen und Zeremonien gehörte zumindest für den hohen Adel zum Standesverhalten und sie war für das Ansehen wichtig. Manche Adlige gerieten in gewisse finanzielle Abhängigkeit vom König, um diesen teuren Lebensstil führen zu können.

Der Rahmen des Vorgangs sind Zeremonien mit rituellen Abläufen in der höfischen Gesellschaft. König Ludwig XIV. hat eine Hofetikette gehabt und auf sie Wert gelegt. In der höfischen Gesellschaft geschahen rituelle Abläufe. Ein Kennzeichen war dabei die Öffentlichkeit der den König betreffenden Handlungen. Beispielsweise wurden Alltagshandlungen wie Aufstehen („Lever“), Zubettgehen („Coucher“) und Mahlzeiten zeremonielle Ereignisse, bei denen die Personen, die teilnehmen durften und die Reihenfolge der Handlungen festgelegt waren. Es gab ein streng geplantes Vorgehen. Dieses Prozedere diente der Selbstdarstellung des Herrschers, der sich in Szene setzte/Repräsentation betrieb, und der Sicherung und Erhaltung seiner Macht. Die Teilnahmeerlaubnis konnte Ansehen beim König sichtbar machen.

Königliche Aufmerksamkeit, schon kleine Gesten und Äußerungen konnten Gunst und eine Nähe zum König zeigen (Verlust an Aufmerksamkeit und Ausschließen von Handlungen entsprechend Ungunst und Ferne). König Ludwig XIV. übte so symbolisch Macht aus, indem er Zugang zu seiner Person gewährte oder verweigerte. Gunstbeweise und Gunstentzug zeigten die Macht des Herrschers.

Ludwig XIV hat ein großes stehendes Heeres geschaffen (das zu bezahlen war), mit über 100.000 Mann, im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714 zuletzt bis über 400.000 Mann ansteigend. Das mächtige Heer war ein Mittel, seine außenpolitischen Absichten durchzusetzen und diente auch der Machtsicherung im Inneren.

zur Beschreibung des Gemäldes:

Da, wo „mit diesen Sachen“ steht, sollte besser der Fachausdruck „Herrschaftsinsignien“ (Insignien: Zeichen, die eine Stellung sichtbar machen) verwendet werden.

Was Pelzmantel genannt wird, ist der prachtvolle, mit Hermelin-Pelz gefütterte Krönungsmantel (goldene Lilien – „Fleur-de-Lys“ ist die französische Bezeichnung für die „Lilienblume“ und war heraldisches Zeichen des Königshauses Bourbon – auf blauem Grund und weiße Innenseite – Weiß und Blau waren mit der Königsdynastie der Bourbonen eng verbundene Farben).

In seiner rechten Hand hält Ludwig XIV. einen Lorbeerkranz, in der linken Hand ein Zepter. An einer Kette vor der Brust trägt er das Kreuz des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), als Großmeister eines Ritterordens. Auf dem Kopf hat er eine große Perücke mit langen lockigen Haaren (Allongeperücke), durch die er größer aussieht. Die Beine sind in weiße Strümpfe gehüllt Der Thron hat mit einem mit Baldachin eine prunkvolle Überdachung.

Der Versuch, „die Habsburger zu unterdrücken“, gehört nicht direkt dazu und ist ungeschickt ausgedrückt. Die Habsburger waren außenpolitische Gegner. Ludwig XIV. trat mit der Benennung als Sonnenkönig und einen universalen Herrschaftsanspruch andeutenden Devisen in Konkurrenz zu den Habsburgern und versuchte sie zu übertreffen.

Uwe Schultz, Versailles : die Sonne Frankreichs. München : Beck, 2002, S. 45:
„Keineswegs ungeordnet oder unklar aber war die politische, ja militärische Zielsetzung, denn zur Sonne gehörig hatte man für ihn die Devise »nec pluribus impar« gewählt. Deren Sinn erschien ihm selbst mit »einiger Unklarheit« behaftet, ohne daß er die ihm genehme Übersetzung in Zweifel zog: »Fähig zur Herrschaft auch über andere Königreiche«. Noch weiter aus griff der ebenfalls der Sonne verpflichtete Ausspruch: »Ut vidi, vici« (»Soweit ich sah, siegte ich«). Damit war, lange vor der Französischen Revolution und ganz anderen politischen Idealen verpflichtet, erstmals in Frankreich ein universaler Herrschaftsanspruch erklärt, analog zur konkurrierenden Macht der Habsburger, die mit der »monarchia universalis« unter Karl V. ein ähnlich weitgreifendes Programm entwickelt hatten.

Jetzt aber machte der junge »Allerchristlichste König« in Frankreich der »Katholischen Majestät« in Spanien den Rang der ersten Macht in Europa streitig.“

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Also das sich das Adelsbild der frühen neuzteit wandelte, bzw. dass der Adel sich zum zentralistischen Versailles orientierte war nicht nur Ludwigs Verdienst. Es war vielmehr ein genereller Mentalitätswandel im Adel. Das mächtige Heer kam auch nicht wegen Ludwig selbst sondern aufgrund der Abwendung vom Feudalherr zu staatlichen stehenden Heeren.

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