Lohnt es sich Geschichte zu studieren?

6 Antworten

Wenn du genau das anwenden willst, was du im Geschichtestudium lernst, benötigst du eine Stelle an der Uni. Die meisten Leute studieren Geschichte auf Lehramt, und zwar als Zweitfach. Die Arbeitsmethoden im Studium haben zwar nicht viel mit denen als Lehrer zu tun, aber immerhin hat man dadurch die Chance auf sicheren, geschichtsbezogenen Beruf (wobei das auch vom Erstfach abhängt).

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Kurz zu mir:

Ich studiere Latein und Geschichte auf Lehramt Gymnasium, also vertieft. Das heißt für Geschichte: Englisch-Test, Latein-Test und mehr und intensivere Kurse als in einem nicht-vertieften Studium. Fremdsprachenkentnisse aller Art sind sehr hilfreich! Ich hätte selbst nie gedacht, dass man für Geschichte so viele Sprachen brauchen kann. Latein und Englisch sind Pflicht, aber manche Lexika sind auch auf italienisch, französisch etc. Wer den Sinn von Texten in diesen Sprachen nicht annähernd verstehen kann, muss solche Bücher eben außen vor lassen.

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Zum Studium:

Meine erste Wahl war klar Latein und Geschichte hat sich mehr oder weniger als Zweitfach ergeben, zumal diese Kombination seit Neuem in Bayern zulässig ist. Bereits nach einem Semester konnte ich sagen, dass das Studium sehr viel interessanter ist als ich je gedacht habe. Es geht nicht darum, Fakten auswendig zu lernen - das kann jeder Laie auch. Es geht vielmehr darum, Quellen zu interpretieren und ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Daher ist ein Geschichtsstudium auch nicht mit dem Schulfach Geschichte zu vergleichen, weil die Arbeitsweise eine völlig andere ist.

Ich würde fast sagen, dass man dank des Geschichtestudiums das Leben und die Welt mit anderen Augen betrachtet - denn Quellenkritik lässt sich auf alles anwenden: Nicht nur auf altertümliche Gegenstände und Texte, sondern - modern gesehen - auch auf Zeitung, Nachrichten, TV, Bücher, Aufsätze, Gespräche etc. Man lernt, kritisch zu sein, und das öffnet einem ganz neue Wege!

Dieser Eindruck hat sich bei mir auch im zweiten Semester bestätigt und ich bin gespannt, was demnächst noch alles folgen wird. Fakten lernt man nur "nebenbei", nämlich dann, wenn man sich methodisch mit einem Thema beschäftigen muss.

Man lernt übrigens auch das Halten von (teils langen) Vorträgen und das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten; man sollte also Deutsch können und viel lesen wollen. Zitierweisen, Formalia, Arbeitsweisen etc. - all diese Dinge, die so viele Schüler und Studenten in der Regel nicht oder nicht gut beherrschen - sind für Historiker kein Problem.

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Kurzum: Ein tolles Studium! Das Kursangebot ist sehr groß, weil es entsprechend viele Studenten gibt, und ansonsten kann man das wissenschaftliche Arbeiten und das Aneignen von Wissen förmlich genießen. Mit Abschluss des Studiums stellt sich natürlich die Frage, wo man unterkommen möchte - das lässt sich pauschal leider nicht sagen. Die Konkurrenz ist groß, aber mit guten Noten wird man schon irgendwo unterkommen - ob man damit glücklich wird, ist natürlich fraglich.

Es ist schön, wenn Du Dich für ein bestimmtes Thema interessierst, denn dann ist die Motivation für das Studium hoch.

Allerdings ist für Geisteswissenschaftler jeglicher Couleur schon immer schwieriger gewesen, einen guten Job zu finden als z.B. für Ingenieure oder Naturwissenschaftler.

Als Historiker gibt es für eine fachliche Tätigkeit nur die Möglichkeit, an einer Uni oder einem Forschungsinstitut zu arbeiten. Die Mitarbeiter haben aber meistens Zeitstellen, Dauerstellen gibt es nur für wissenschaftliche Leiter oder Professoren.

Eine klassische Möglichkeit ist der Beruf als Lehrer.

Ansonsten wird es eher schwierig, denn in der privaten Wirtschaft gibt es keine Stellen, die für Historiker zurecht geschnitten sind.

Viel Erfolg!

Ist ne ganz schwere Frage. Wenn Du schon eine Perspektive hättest wäre das kein Problem. Aber das wichtigste im Studium ist, Praktika zu machen. Direkt in den ersten Semesterferien. Dann hat man auch mit Geschichte Perspektiven, vor allem mit einem wirtschaftlichen Nebenfach. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Fach, das einem Spass macht, am Ende auch bessere Noten nach sich zieht und daher bessere berufliche Chancen eröffnet. Wenn die Alternativen jetzt Wirtschaftsprivatrecht oder Verfahrenstechnik für Dich wären, stimmt es natürlich, dass die Einstellungs- und Verdienstmöglichkeiten schlechter aussehen, als in Geschichte, aber wenn es Dir mehr Spass macht... Du musst Dir ja auch überlegen, wie Du Dir Dein Arbeitsleben vorstellst und ob ein fetter Gehaltsscheck das wichtigste für Dich ist. Wie gesagt, Praktika, Praktika, Praktika. Das ist das a und o. Dann klappt's auch mit 'nem Job später...

Oh, ich habe ein kleines "nicht" vergessen. In Geschichte sind natürlich die Chancen schlechter als in der Verfahrenstechnik...

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