kritikpunkte am existentialismus?

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Der Existentialismus möchte die konkrete Existenz des menschlichen Individuums in den Mittelpunkt stellen und zum Ausgangspunkt machen. Damit wird das persönliche, individuelle, einmalige, subjektive Dasein als bedeutungsvoll ernstgenommen. Allgemeine Wesensbestimmungen, Sinnaussagen und Systeme können bei einer schlechte Art des Denkens so etwas vernachlässigen, Theorien auf unpassende Art überstülpen und auf einen Rest, dem sie nicht erfassen, gar nicht achten. Der Existenzialismus ist eine Gegenwendung.

Eine Kritik am Existenzialismus kann darauf hinweisen, wie Begrenztheiten des Ansatzes übersehen werden oder nicht durchgehalten werden. Gleichsam unter der Hand kommt es auch zu allgemeinen Aussagen, für die es nach dem eigenen Standpunkt keine zulässige Grundlage gibt. Es kann eine Neigung beobachtet werden, aus subjektiver Existenz und Zeitlichkeit allgemeine, überzeitliche Wesensbestimmungen zu entwickeln (z. B. bei Heidegger mit Hang zu irrationalen Ansichten, aber auch auf andere Weise und versteckter bei Sartre). Ein Lebensvollzug und die subjektive Sichtweise darauf reichen aber nicht aus, um die Wirklichkeit überhaupt zu erfassen. Ohne eine Wahrheitstheorie kann kein Versuch unternommen werden, die Wirklichkeit in einer objektiven Sichtweise zu erfassen. Existenzialisten müssen Auffassungen über die Wirklichkeit voraussetzen, ohne diese Voraussetzungen deutlich zu erklären oder zu begründen, wenn sie tatsächlich alles aus der Existenz ableiten wollen.

Wenn an den Menschen ihre Unbestimmtheit (sie sind nicht festgelegt, sondern entwerfen, wie leben wollen) hervorgehoben wird, tritt auch auch eine Neigung hervor, dies als Wesensbestimmung zu verwenden, was innerhalb des Existentialismus nicht folgerichtig ist und ein dafür ungeeignetes Merkmal heranzieht (nur etwas Bestimmtes ist als Wesensmerkmal geeignet, nicht eine bloße Unbestimmtheit).

Bei der Freiheit wird die subjektive Setzung hervorgehoben. Darin steckt ein abstrakter Gedanke und daher hat der genannte Eindruck „zu allgemein“ eine Berechtigung. Grenze der Freiheit als eine Faktizität ist nach existenzialistischer Auffassung für die individuelle Existenz die Situation. Dazu ist ein Verhalten möglich. Die tatsächlichen Lebensumstände und Einflüsse spielen für die Freiheit eine Rolle. Der abstrakte existenzialistische Freiheitsbegriff bezieht sich auf eine andere Ebene, nicht auf diese Freiheitsspielräume. Er ist auch nicht weiter inhaltlich bestimmt und es fehlt eine inhaltliche Begründung, warum das Überschreiten in einer subjektiven Setzung gut sein soll. Für die Anwendung gibt es nur das unklare Kriterium der Authentizität. Eine Möglichkeit, das Handeln an unbedingt Geltendes zu binden, fehlt.

Einzelne existenzialistische Ansätze lassen sich in das Philosophieren integrieren, ohne insgesamt einen Existenzialismus zu vertreten.

wie man's dreht und wendet, letztlich entspringt doch alles dem kurzschluss hinter unserer stirn. vielleicht ist es in diesem kontext aufschlussreicher, adams zu lesen als heidegger oder kirgegaard. auf jeden fall ist es unterhaltsamer ;-)

Der Existentialismus ist die Antwort auf den Idealismus von Hegel, Schelling und Fichte. Hier wurde versucht, alles in ein System zu packen, der Einzelne Mensch ging (zumindest bei Hegels Geist-Philosophie) völlig unter.

Darauf hat Kierkegaard reagiert, indem er den einzelnen Menschen als erleidendes Individuum in den Mittelpunkt stellt.

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Meiner Ansicht nach hat der Existentialismus viele Vorzüge und trägt viele Wahrheiten in sich. Jedoch vergisst er bei aller Subjektivität die objektive Sichtweise, die eben auch zu einem vollständigen Bild einer Situation dazugehört.

Der Existenzialismus versucht Antworten zu geben (z.B. auf die Frage nach Sinn), ohne vorab geklärt zu haben, was Existenz ist. Und gerade der Ansatz des Existenzialismus, die Welt vom Standpunkt des Beobachters zu sehen, und eben nicht so, als sei sie objektiv erfahrbar, ist eigentlich sein Verdienst und Vorteil. 

Es ist eine Umkehrung der Perspektive, die ja normalerweise die ist, den Menschen als den Beobachter einer Welt zu sehen, die außerhalb und unabhängig von ihm existiert.

Dennoch: was ist objektiv? Welche Aussage, die ein Subjekt machen kann, könnte objektiv sein? Ist es objektiv, wenn 2 oder mehr Menschen die gleiche Aussage machen? 

http://spireo.de/?p=2535

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