Kann mir jemand die Kausalität laut David Hume erklären?

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1 Antwort

David Hume ist ein sehr kritisch eingestellter Philosoph. Bis zu ihm galt im Prinzip auch in der empirischen Wissenschaft die Annahme, dass eine Ursache-Wirkungsbeziehung, die Kausalität ein beobachtetes Faktum sei. Erst David Hume hat genauer hingeschaut und bemerkt, dass alles, was wir beobachten, Folgen von Fakten sind, doch z.B. die Übertragung der Kraft von Billardkugel 1 auf Billardkugel 2 nie direkt beobachtet werden kann. Wir beobachten, dass Billardkugel 1 auf Billardkugel 2 rollt und danach Billardkugel 1 stehen bleibt und Billardkugel 2 weiterrollt. Dass Billardkugel 1 seine Bewegungsenergie an Billardkugel 2 weitergibt, können wir nicht beobachten. Das erschließen wir. Das bedeutet aber, dass er festgehalten hat, dass wir Naturgesetze erschließen und dass diese Hypothesen auch falsch sein können. Das führt später bei Popper zur Falsifikationstheorie.

Eine lückenlose Kausalität - wie es Kant als a-priori annimmt und damit eine deterministische erfahrene Welt - lehnt David Hume gegen Kant ab. Kausalität ist eine auf Gewohnheit und langer Erfahrung beruhende Verknüpfung, die wir als Beobachter herstellen. Sie ist immer nur selektiv, d.h. auf beobachtete Vorgänge bezogen, nie umfassend. Sie kann auch ein Fehlschluss sein und eine Weltsicht heute im wissenschaftlichen Zeitalter unterscheidet sich z.B. vom Mittelalter, dass wir alles genauer prüfen, weil uns bewusst ist, wie schnell man zu Fehlschlüssen neigt. Im Mittelalter reichte es für eine Schuldzuweisung, dass eine Frau in der Nähe stand, wenn sich jemand verhoben hat. Dann wurde nicht das Verheben als Ursache angesehen sondern die Frau in der Nähe als Hexe überführt, diesen "Hexenschuss" verursacht zu haben. Der grässlichste Aberglauben beruht letztlich auf Kausalitätsschlüssen, nur dass die unterstellten Beziehungen sehr abenteuerlich sind. Kausalität ist eine Hypothese, eine auf Erfahrung beruhende Deutung, mehr nicht, und die kann gewaltig daneben liegen.

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