Ist ein nachhaltiger Wirtschaftswachstum unrealistisch?

3 Antworten

Nein, ein dauerndes Wirtschaftswachstum kann nicht nachhaltig sein, eine Wirtschaft für sich allerdings schon! :

Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem bedeutet, dass der Ressourcenverbrauch dieser Wirtschaft nicht über dem liegt, was Mutter Natur kontinuierlich liefern kann. Letztlich kannst Du nun jede wirtschaftliche Handlung auf einen Energieverbrauch umrechnen: Jedes Gut, jede Dienstleistung, jede Handlung, jedes Recycling,.. -alles benötigt in jedem Produktionsschritt immer eine bestimmte Menge an Energie.

Spätestens (!) dann, wenn die Gesamtsumme an benötigter Energie nun größer ist als jene, die nachhaltig (=also regenerativ und damit letztlich also die von der Sonne eingestrahlte Energie) gewonnen werden kann, ist die Wirtschaft nicht mehr nachhaltig, wenn sie weiter wüchse.

Das bedeutet, dass eine Wirtschaft nicht ewig wachsen kann: Irgendwann erreicht ihr Verbrauch an Ressourcen (bzw. äquivalent: an Energie) eben jene genannte Nachhaltigkeitsgrenze.

Aber: Es braucht ja kein ewiges Wachstum der Wirtschaft, um den Wohlstand der Menschen zu mehren! Plakatives Beispiel: Wenn eine nachhaltige (aber im jährlichen Umfang konstante) Wirtschaftsleistung darin bestünde, dass jeder Mensch ein SmartPhone pro Jahr bekäme, dann würde Dein Besitz an SmartPhones damit ja trotzdem jedes Jahr ansteigen, obschon die Wirtschaft selbst "nur" konstant bliebe.

(-Ja, ich weiß: Das Beispiel ist zu einfach, irgendwann gingen der Menschheit andere Ressourcen aus; das meint das obige "spätestens"..)

Ergo: Unser aktuelles, auf ewigem Wachstum basierendes Wirtschaftssystem kann auf Dauer nicht funktionieren. Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem (=mit konstanter Leistung) dagegen durchaus, und ich nehme an, dass das auch Deine eigentliche Frage war(?)

Nur: Der Umstand, dass so etwas möglich ist, heißt leider nicht, dass es auch realistisch ist! Eine Transformation in ein solches nachhaltiges Wirtschaftssystem würde ja bedeuten, dass diejenigen, die derzeit vom exzessiven, nicht-nachhaltigen Ressourcenverbrauch auf kurze Sicht profitieren, auf diesen Profit zugunsten nachfolgender Generationen verzichten müssen. -Ich kenne leider kein Beispiel in der Geschichte, in welcher das schon mal in nennenswertem Umfang freiwillig passiert wäre: "Gier frisst Hirn" -gilt wohl für 99% der Menschheit. Auch hier gilt wohl, dass die Menschen das erst dann tatsächlich in Angriff nehmen, wenn das vorherige System dermaßen zusammengebrochen ist, dass die äußeren Umstände sie dazu zwingen.. :-(

Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist ein gutes Ziel. Wie bei allen Wirtschaftszielen sind Konflikte mit anderen Zielen nicht ausgeschlossen, zumal es keine von der politischen Einstellung unabhängige Definitionen dafür gibt. Realistisch kann Nachhaltiges Wirtschaftswachstum kein realistisches Ziel sein. Wachstum ist immer eine Bemessung und Bewertung im Nachhinein. Was vorher eine gute Absicht war, kann sich im Nachhinein als zu kurzsichtig und zu beschränkt herausstellen. Vieles was heute kritisch bewertet wird haben die Urheber in allerbester Absicht und bestem Wissen unternommen. Man wird uns in 100 Jahren sicher anders beurteilen, als wir es uns heute wünschen.

Das Wirtschaftswachstum der letzten Periode war bereits länger, als nach der Zyklen-Theorie zu erwarten war.

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