Hermann Hesse Nobelpreis

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Für sein Lebenswerk ...

In der Regel wird der Nobelpreis für Literatur für das (bis dato) Gesamtwerk eines Autors vergeben, mit dem Zusatz, dass ein wesentlicher Teil dieses Werks "im voraufgegangenen Jahr" veröffentlicht worden ist. Kein Autor wird also nur für ein Buch ausgezeichnet, aber in der Regel hat er sein Hauptwerk oder ein herausragendes Werk im Jahr der Verleihung veröffentlicht. Da allerdings viele Autoren preiswürdig sind, ist es in der Regel so, dass ein nominierter Autor mehrere Jahre braucht, bis er sich durchsetzt, so dass der Preis nicht auf eine einzelne Veröffentlichung beschränkt sein kann. Es gibt Ausnahmen, wo ein Autor ein dermaßen überragendes Werk veröffentlicht hat, dass man an ihm einfach nicht vorbeikommt. Ich behaupte mal, bei Thomas Manns "Doktor Faustus" war das so, daher auch der ungewöhnliche zweite Nobelpreis.

Ein weiterer (inhaltlicher) Zusatz ist übrigens, dass sich das Werk durch seine idealistische Tendenz auszeichnen soll. Es wird also nicht der "virtuoseste" Autor ausgezeichnet, sondern der, der den größten "Dienst an der Menschheit" geleistet hat (Zitat aus dem Testament Nobels). Die Formulierung zum Literaturpreis im Original: “one part to the person who shall have produced in the field of literature the most outstanding work in an ideal direction ...” (Auszug aus dem Testament Alfred Nobels)

Die Formulierung ist hier nicht eindeutig: Mir "work" kann sowohl das Lebenswerk als auch ein herausragendes Einzelwerk gemeint sein. Dazu Anders Österling, der ehemalige Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie (die den Literatur-Nobelpreis vergibt):

"Gewöhnlich wird der Literaturpreis der gesamten Produktion eines Schriftstellers zuerkannt, ohne auf ein Werk im Besonderen hinzuweisen. Aber in Ausnahmefällen wird ein einzelnes Buch herausgestellt (...)." Letzteres gilt für Theodor Mommsens "Römische Geschichte" wie die "Forsyte Saga" von Galsworthy und die "Buddenbrooks" von Thomas Mann und einige andere. Ersteres zeigt sich darin, dass sehr oft recht alte Autoren ausgezeichnet werden, die ihre produktiven Jahre meist schon hinter sich haben.

Als Hermann Hesse 1946 den Preis bekam, war er bereits 69 Jahre alt, sein letzter bedeutender Roman ("Das Glasperlenspiel") war bereits 1943 erschienen. In der Begründung der Schwedischen Akademie hieß es, er erhalte den Preis „für sein durch Versenkung getragenes Werk, das sich immer kühner und eindringlicher entwickelte und die Ideale des klassischen Humanismus ebenso wie eine hohe Kunst des Stils offenbart“ (Wikipedia-Übersetzung, ich hätte noch eine ziemlich andere im Angebot ...).

Der Preis wurde also für sein idealistisches Gesamtwerk verliehen, allerdings meine ich mich zu erinnern, dass im Laufe der Nominierung und in der Begründung "Das Glasperlenspiel" eine herausragende Rolle gespielt hat. In der Sammlung "Nobelpreis für Literatur", welche die Preise vorstellt und mit der Geschichte der Zuerkennung des Preises und der Rede zur Preisverleihung ein herausragendes Werk (bei Thomas Mann natürlich zwei, weil zwei Nobelpreise ...) präsentiert, sind allerdings die relativ kurzen Erzählungen "Demian" und "Morgendlandfahrt" vertreten.

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort.

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In Württemberg wurde am 02. Juli 1877 Hermann Karl Hesse geboren. Hermann Hesse, auch bekannt unter dem Pseudonym: Emil Sinclair, war ein deutsch- schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Freizeitmaler. Seine berühmtesten literarischen Werke sind „Peter Camenzind“, „Demian“, „Narziß und Goldmund“, „Der Steppenwolf“, und „Das Glasperlenspiel“, deren Inhalt die Selbstwerdung, Selbstverwirklichung, die Autoreflexion, das Transzendieren des Einzelnen ist.

Ich schätze mal: für den Steppenwolf.

Dafür ganz sicher nicht. ;-)

Eigentlich widerspricht der sogar den Statuten zur Verleihung des Preises. (Von wegen "idealistische Tendenz" ...)

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@Thelema

Ich hab Deinen sehr ausführlichen und lehrreichen Beitrag gerade gelesen und muss direkt sagen: das wusste ich 100 Pro nicht.

Meine Antwort war aber auch nicht sehr überlegt. Ich kann mit Hesse nix anfangen bzw. habe von nix mehr als zwei Seiten gelesen.

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@derdorfbengel

Die Antwort war nicht sehr aufwendig: Ich hab die Sammlung "Nobelpreisträger für Literatur", da steht das alles drin. :-)

Ich hab Hesse mit ca. 16-20 verschlungen. Aber nach fünf Büchern fängt der Stil an zu nerven ... Bei "Narziss und Goldmund" hab ich dann auf Seite 50 aufgehört. :-(

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