Heisst es "abergläubisch" oder "abergläubig"?

4 Antworten

Sprachen sind im Wandel und auch der Duden kann immer nur eine Schnappschuss des heute verbreiteten Sprachgebrauchs sein.

Das Adjektiv zum Aberglaube wird heute tendenziell mit -isch zu abergläubisch gebildet. Vermutlich forciert durch das Bestreben eine Differentierung zwischen dem Glaube und gläubig (welches gemeinhin positivistisch untermauert werden soll) und dem negativistischen Aberglaube (also falscher Glaube) und seinem Adjektiv "abergläubisch". Vermutlich wird hier die Verhohnepipelung zur Bestärkung dieser Unterscheidung genutzt. "Abergläubig" ist demnach die alte und aussterbende Form.

Ähnliche Worte mit neuzeitlicher Bestärkung der isch-Form sind etwa "aufständisch" (veraltet: „aufständig“) und "gespenstisch" (veraltet: „gespenstig“), sowie die Auseinanderentwicklung der Bedeutungen von "launig" (humorvoll, witzig, gut gelaunt) vs. "launisch" (in der Laune unberechenbar, oft mürrisch), "rassig" (temperamentvoll, feurig) vs. "rassisch" (auf eine Rasse bezogen, eine Rasse betreffend), "ständig" (immer (wieder), andauernd) vs. "ständisch" (auf einen (Berufs-)Stand bezogen). Wie etwa auch "mittelständisch" in der Bedeutung „den Mittelstand betreffend“ und „mittelständig“ als botanischen Begriff.

Schmerzlicher, als die Verwendung von "abergläubig" oder "avergläubisch" empfinde ich hingegen den immer verbreiteteren Einsatz von "händisch" (anstelle des üblichen "manuell" oder "von Hand"). Wenn ich soetwas augisch wahrnehme, weil es mundisch jemand in meine Richtung absonderte, möchte ich meist gerne füßisch das Weite suchen.

Es heißt Abergläubig. Gibt da einen einfachen Trick, wenn man mal nicht weiß, ob ein Wort auf ig oder ich endet. Einfach das Wort verlängern. Und du sagst ja auch abergläubige und nicht abergläubiche.

Ich sage mal: Der abergläubische Troll hat daneben gegriffen aber der Trick ist gut, wenn man weiß, was man dann sagt ;-)

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@koch234

hm, ich finde, das klingt falsch. Es müßte nach meinem Empfinden "der abergläubige Troll" heißen

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Ich finde es hochinteressant, wie viele Schlauberger es auf dieser Welt gibt. Statt das Einfachste zu tun, was in einem solchen Fall hilft: im "Duden" nachsehen, wird hier munter "d'rauf los" fabuliert: "abergläubig" ist veraltet für "abergläubisch". Nach heutigem Sprachgebrauch heißt es also: "abergläubisch"!
Und für die Zukunft: Wer (Duden) lesen kann, ist klar im Vorteil!

@troll - die frage ist ja nicht, ob ein wort auf -ig oder -ich endet. hier geht es um -ig oder -isch. der duden bietet beides an, hat aber für abergläubisch eine ausführlichere erklärung - deswegen fühle ich mich darin bestätigt, dass das die richtige variante ist. abergläubig lese ich immer wieder in der SZ - aber das ist vielleicht bayrisch?

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