Guter günstiger Whisky gesucht

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4 Antworten

Deine Marke fängt doch bei etwas über 30 € an, das ist nicht teuer für einen guten Whisky. ich persönlich mag Scotch-Single-Malt. Glennfiddich oder auch Aberlour, Chevas Regel, Dimple z. B. ziehe die ersten beide vor

Guter günstiger Whisky gesucht

passt nicht zusammen, die Billigen aus dem Supermarkt taugen nur mit Cola getrunken zu werden.

Also Chivas Regal ist m. W. ein blended scotch und kein single malt. Glennfiddch ist doch auch ein blend?!?

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Hallo Filze93,

tja, wenn du einen Preisrahmen angegeben hättest, wäre die Antwort leichter. Allerdings zählt der Standard-Dalmore tatsächlich zu den günstigen bis mittelpreisigen Single Malts. Mit 30,-- solltest du schon rechnen. Aber den guten Tropfen genießt man ja ohnehin mit Bedacht und so hast du auch entsprechend lange davon.

Vorab eine Schnellempfehlung: Glenlivet 12

Hier der Langtext:

Irland: Ich würde jetzt vor allem auch im unteren Preissegment nicht die Iren verdammen, denn auch da gibt es gute Abfüllungen mit einem hervorragenden PLV. Meine Favoriten in diesem Bereich sind ein Jameson 12, oder ein Bushmills 16 oder (etwas teurer) ein Redbreast 12 sind imho schon sehr gute Abfüllungen.

Schottland: Weiter nach Schottland: der Dalmore gibt schon einmal die geschmackliche Richtung vor: mild, rund, Sherrybetont, kaum Rauch. Da Sherryfässer in den letzten Jahren deutlich teurer geworden sind, wirst du da etwas Abstriche machen müssen.

Eine Ausnahme ist vielleicht der GlenDornach 12, der ausschließlich in Sherryfassern lagert, und somit wiederum viel sherrylaster ist. Glenfarclas 10 ist eine günstige Alternative, deutlicher Sherryeinfluss, allerdings etwas weniger rauchig als ein Dalmore.

"Dalmoreesker" sind imho der Aberfeldy 12 oder der Balvenie Double Wood 12. Gerade im Sommer gefällt mir der AnCnoc 12 auch sehr gut. Dalwhinnie 15, Glenfiddich 12, Glengoyne 10 kann man auch erwähnen. Der Benriach 12, Cragganmore 12, Cardhu 12, Glenlivet 12 oder (noch milder) der Glen Deveron 10 oder der Speyburn 10 sind Abfüllungen, die dir preislich entgegenkommen dürften (üblicherweise unter bis knapp über 30,--).

Kleinflaschen: Eine Überlegung könnten auch kleinere Flaschen als 0,7 Liter wert sein. Vorallem beim Suchen nach deinen Favoriten können Miniaturen zu ca. 5 cl über Kleinflaschen zu 20 cl bis hin zu Halbflaschen (35 cl) günstige aber wertvolle Erfahrungen bringen.

Blends: Bisher haben wir uns größtenteils im Preisrahmen um die 30,-- +/-5,-- bewegt. Noch günstiger wären Blended Whiskys. In diesem Bereich bin ich nicht so sehr zuhause, allerdings halte ich den meistverkauften Blend Schottlands, die Famous Grouse für besser als sein Ruf.

Ich weiß, ich habe dich jetzt mit Marken förmlich erschlagen, aber somit hast du einerseits eine gewisse Bandbreite und kannst Aktionen ausnutzen, andererseits empfehle ich zur weiteren Entscheidungsfindung den Besuch eines Whiskyfachgeschäfts oder eines Whiskyclubs in deiner Nähe. Keine Angst, Neueinsteiger sind immer gerne gesehen. Da bei deinem Profil kein Wohnort hinterlegt ist, kann ich dir für diese Suche nur http://whiskymania.de/WhiskyMap empfehlen.

Bandbreite: Weiters habe ich mich bei meinen Empfehlungen auf ein relativ schmales Geschmacksspektrum (ok, dieses aber mit großer Auswahl) beschränkt. Whisky gibt es aus Eichenfässern mit exotischer Vorverwendung (verschiedene Weine, Rums, ...) über dir vielleicht zu Beginn noch kratzig anmutende charaktervolle Highlander bis hin zu Rauch- und Torfbomben. Du wirst sehen, je mehr du kostest, desto mehr wird deine Neugierde anwachsen.

Whiskyglas: Was bei Einsteigern gerne übersehen wird, ist die Wahl des richtigen Glases. Wenn du Whisky in seiner Aromenvielfalt genießen willst, dann verwende bitte kein Becherglas (sog. Tumbler), sondern ein Nosingglas. Ein Glencairnglas bekommst du um ca. 5,--. Notfalls eignen sich auch Süßwein- oder Weißweingläser soferne sich der Kelch nach oben wieder leicht schließt. Ist für das Auge vielleicht etwas befremdlich, aber vergleiche einmal eine hochwertige Spirituose in verschiedenen Gläsern und lasse dir und der Spirituose auch die Zeit sich im Glas zu entwickeln.

Viel Vergnügen bei deiner Entdeckungsreise WFL

Was könnte man da noch ergänzen? Eigentlich gar nichts, weil die Antwort ausgesprochen umfassend und sicher auch hilfreich ist.

Ich trau' mich trotzdem: Du könntest mal den 12-jährigen Singleton of Dufftown probieren. Preislich sehr interessant, mild, aber mit Charakter. Ein Speyside mit sehr angenehmen Eigenschaften.

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@Mediachaos

Hallo Mediachaos,

danke für das Lob und die konstruktive Ergänzung. Um ehrlich zu sein, habe ich den Dufftown ausgelassen, weil mir ganz besonders der 12er nicht so sehr zusagt. Was wiederum doch noch zu einer wichtigen Feststellung führt:

Filze, traue keinen Geschmacksempfehlungen von sog. "Experten" (Experten sind für mich die Fachleute, die den Whisky machen, und nicht jene, die - wie ich - ihn nur genießen) deren geschmackliche Vorlieben du nicht kennst. Jeder schmeckt und riecht (s)einen Whisky anders,nur selber verkosten macht dich klug. Sogar dir selber kann er von Tag zu Tag aufgrund verschiedener Gründe (Tagesverfassung, was hast du vorher gegessen, etc.) verschieden schmecken. Und wie bei allen Genussmitteln (oder auch Laster) empfinde ich es am schönsten, wenn man es mit jemanden teilt. Dann kann man gleich viel besser über den Tropfen im Glas plaudern.

Slainte WFL

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@WFL65

Stimmt natürlich. Es gibt kein allgemein gültiges Geschmackskriterium. Und das ist gut so. Denn sonst gäbe es nur 'den einen' für alle.

Trotzdem macht es Spaß, sich mal die Bewertungen anderer anzuhören udn anzuschauen. Z.B. die von Herrn Lüning oder die von Ralfystuff auf YouTube. Man muss nicht mit denen überein stimmen, aber sehenswert sind die allemal.

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@Mediachaos

Hallo MediaChaos (und Mitlesende),

yup, wobei besonders die Lüningschen Kommentare teilweise schon ans Skurrile grenzen (was ja genau das ist, was den Spaß ausmacht). Ralfys Videos kenne ich nicht.

Aber für mich sind die ganzen Internet-Beschreibungen immer nur ein schwacher Ersatz für den leibhaftigen Austausch und das Blöddaherreden mit einem, einer oder mehreren Gleichgesinnten. Dabei passiert's doch immer wieder, dass einem ein bestimmtes Aroma auffällt, man es aber verbal nicht zu fassen kriegt. Bis dann irgendeiner genau diese Frucht sagt, die einem selber gerade nicht eingefallen ist - oder auch das völlige Gegenteil davon g.

Bei aller Ernsthaftigkeit, Intensität und auch Neugierde, mit der wir uns mit dem Thema beschäftigen, soll doch immer Platz für Spaß und Selbstironie sein können. Denn schlussendlich geht's doch immer nur um eine mehr oder weniger teure Flasche Schnaps - ok, zugegebenermaßen verdammt guten Schnaps.

In diesem Sinne ein respektvolles Slainte auf alle an unserem Genuss Beteiligten, vom Bauern über Mälzer, Brenner und Blender bis zum jeweiligen Gegenüber WFL

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Ok, da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt: Famous Grouse ist der meistverkaufte Blend innerhalb Schottlands. Der weltweit meistverkaufte Blend aus Schottland ist Johnnie Walker (da wäre für dich der Black einen Versuch wert, der ist aber rauchiger als ein Dalmore).

lG WFL

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@WFL65

Korrektur die Zweite (habe ich schon einmal erwähnt, dass ich es hasse, dass die Beiträge nur so kurz korrigierbar sind?):

Die oben erwähnte Sherrytunte heißt GlenDronach und nicht GlenDornach (da hat mir wohl mein Unterbewusstsein mit diesem Linzer Stadtteil einen Streich gespielt)

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Als Einsteiger Whisky finde ich den Highland Park 12 Jahre am besten. Der ist preislich auch noch im Rahmen.

Warum denn einen Irischen, die schottischen sind besser.

Schau mal im Supermarkt in der Spirituosenabteilung nach Glen, also solchen, die mit Glen beginnen. Der berühmteste ist wohl der Glenfiddich. Ich selbst habe mal eine Destille in der Nähe von Inverness besichtigt, der Whisky hiess Glenfarclas (oder ähnlich). Ein Schluck und so 10 Minuten später wird Dir wohlig warm im Magen ;.)

Hab gerade auch erfahren das schottischer Whisky besser ist

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Na ja das würde ich so nicht stehen lassen. Irischer ist anders, aber nicht zwingend schlechter. Habe beispielsweise einen Bushmill's single Malt zu Hause. Für einen 10-jährigen richtig sein. Und preislich attraktiv.

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Hallo BuddyOverstreet,

ja, es gibt großartige Whiskys aus den vielen Destillerien, die mit Glen (= gälisch für Tal) beginnen, allerdings sprechen gegen eine uneingeschränkte Empfehlung zwei Punkte:

  1. Auch unter den Glens gibt es völlig verschieden Charaktere. Vergleiche nur einmal den von dir erwähnten Glenfiddich mit einem Glendronach und einem Glen Garioch. Drei geschmacklich völlig verschiedene Whiskys, bei denen es durchaus möglich ist, dass du den einen liebst und mit dem anderen überhaupt nichts anzufangen weißt.

  2. Und es gibt in Schottland viele Täler, und viele Whiskys, deren Namen mit Glen beginnen. Das nutzen teilweise auch die Marketingabteilungen aus, und nennen ihren Massenblend, der am besten sein Ende in einem Cola finden soll (ist nichts schlechtes, auch die Eträge dieser Whiskys tragen dazu bei, dass die Destillerien überleben), GlenIrgendwas. Da ist es schon hilfreich, wenn man jetzt weiß, ob es diese Destillerie tatsächlich gibt, oder ob es ein Fantasiename für irgendeinen Blend ist.

Aber bei den Single Malts, die du erwähnt hast, hast du völlig recht. Glenfiddich ist besser als sein Ruf als Supermarktwhisky und von Glenfarclas stammen imho einige der allerbesten Whiskys.

lG WFL

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@WFL65

Als ich bei Glenfarclas eine Führung mitgemacht habe, fiel mir als erstes ein kleines Rinnsal auf, das unter der Straße lang führte. Das solte wohl die Quelle des hervorragenden Whiskys sein?

Dann zeigt mal uns ein Fass, versiegelt, das erst zur Krönung von Prinz Charles angebrochen werden sollte. Nun, unser Besuch war in 1983, da war der Whisky schon 12 Jahre alt. jetzt ist er also schon 46 Jahre alt. Der muss einfach super schmecken, oder?

Nebenbei bemerkt, ich trinke eher schon mal einen trockenen Rotwein ;-)

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@BuddyOverstreet

Hallo BuddyOverstreet,

ja, Glenfarclas ist eine sehr schöne Destillerie mit einer sehr gastfreundlichen Crew. Das benötige Wasser wird direkt an der Quelle des Ben Rinnes abgezapft, d.h. der kleine Bach täuscht etwas.

Das Alter sagt zumeist mehr über den Preis als über die Qualität eines Whiskys aus. Natürlich braucht ein Whisky die Fassreifung. Wenn er allerdings zu lange im Holz liegt, geht die Entwicklung im Fass von deutlichen Holzeinflüssen (Tanine) bis hin zu modrigen (Fehl-)Noten. Das kann gewollt sein, bleibt aber natürlich wie bei so vielem Geschmackssache. Du kennst das sicherlich beim Rotwein von Barriques, die zu lange im Fass waren, bei denen die Tanine schon den Weingeschmack dominieren anstatt ihn zu ergänzen. Leider ist diese Entwicklung nicht linear, es kann durchaus sein, dass sich ein zuerst überholzig schmeckender Whisky wieder erfängt. Den richtigen Zeitpunkt zum Abfüllen zu bestimmen ist eine der Künste der Experten.

lG WFL

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@WFL65

Neulich mal den Glenfarclas 15y probiert und das war Liebe auf den ersten wenzigen Schlock. Ganz feiner Tropfen.

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@Mediachaos

Hallo Mediachaos,

du hast auch meiner Nase nach Recht. Neben nur limitiert erhältlichen Sonderabfüllungen fängt bei mir auch mit der 15jährigen Originalabfüllung an, dass Glenfarclas so richtig gut wird. Und noch dazu ein sehr vernünftiges PLV.

Slainte WFL

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