Gleichnisse Jesu - Wie? Wo? Was?

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Liebe(r) N.N:

Vielleicht hilft Dir diese Darstellung weiter:

Gleichnisse. 1. Das Wort ist weder im allgemeinen noch im wissenschaftlichen Sprachgebrauch eindeutig. Die Bibelwissenschaft schränkt es gern auf Redeformen ein, die mit mindestens einem selbständigen Satz etwas erzählen, was (noch) etwas anderes bedeutet als das Erzählte selber, und zwar so, daß das Bedeutete nicht Zug um Zug auf das Erzählte durchgepaust ist ( 3c). 2. Das Alte Testament enthält neben vielen Metaphern (z.B. »dein Knecht, der Hund« 2.Kön 8,13) und Vergleichen (z.B. »wie Sand am Meer« 1.Mose 41,49) einige Allegorien (z.B. Ez 17; 3c) und viele kurze Gleichnisse (z.B. Am 3,8), aber nur wenige wirkliche Gleichniserzählungen: die Parabeln ( 3b) 2.Sam 12,1-4 (»Nathanparabel«); 14,5-7; 1.Kön 20,39 f.; Jes 5,1-7 (»Weinberglied«, Parodie einer Liebesballade); 28,23-29, und die Fabeln (Parabeln aus Tier- oder Pflanzenwelt) Ri 9,7-15 (»Jothamfabel«, ursprünglich eine Verhöhnung der Monarchie); 2.Kön 14,9. Sie sollen nicht unterhalten. Vielmehr soll z.B. die Nathanparabel vom reichen Viehzüchter, der für einen Gast das einzige Schaf eines Armen schlachtet, David zeigen, was er tat, als er Uria in den Tod schickte, um Bathseba zu bekommen (2.Sam 11). Wenn Nathan das mit einer Parabel tut, dann nicht nur der Anschaulichkeit wegen, sondern erstens, um gehört zu werden, und zweitens, um ein Urteil zu provozieren, das auf den Urteilenden zurückfällt. Die Form ist List, hier wie anderswo als Waffe gegen den Stärkeren. 3. Aus dem Neuen Testament sind vor allem die rund 40 Gleichnisse Jesu zu nennen, die bis auf Joh 10,1-5 nur bei den Synoptikern stehen (manchmal nimmt man alle bildlichen Äußerungen Jesu dazu). a) Ursprünglich wurden sie wie die meisten Jesusworte ohne Rahmen (Anlaß, Hörer, Ort, Zeit) und jedes für sich erzählt; dabei wurden die Stoffe besser bewahrt als die Wortlaute ( Synoptiker 2). Die Überlieferung hat ähnliche Stücke gepaart (»Doppelgleichnisse«, z.B. Lk 15,4-10), Gruppen gebildet (z.B. Mk 4) und Rahmen geschaffen. Motive aus der Folklore und dem Alten Testament drangen ein (z.B. Mk 12,1.9: Jes 5,1 f. 5). Oft sind deutende Schlüsse angewachsen (z.B. Mt 20,16a. 16b). Davon abgesehen ist die Forschung sich einig, daß die Gleichnisse auf Jesus selbst zurückgehen. b) Man unterscheidet gern drei Formen: Gleichnisse (in einem engeren Sinn) beschreiben im Präsens einen regelmäßigen oder typischen Vorgang wie den Verlust eines Schafs (Mt 18,12-14 par.), Parabeln erzählen in der Vergangenheit einen Einzelfall wie die Rückkehr des im Ausland verlotterten Sohnes (Lk 15,11-32), Beispielerzählungen ein vorbildliches Verhalten wie das des Samaritaners (Lk 10,30-36). Sie spiegeln die Erfahrungswelt eines Palästiners im 1. Jahrhundert (eine kulturgeschichtliche Quelle von Rang). Doch sind auch volkstümliche Motive verwendet, gelegentlich ganze Geschichten (z.B. in Lk 16,19-26), daneben alte religiöse Metaphern, die meist auch im Alten Testament vorkommen (Vater und Sohn, Hirt und Herde, Mahl u.a.). Die Erzähltechnik ist einfach: wenige Hauptpersonen ohne Namen (oft zwei gegensätzliche Typen), einsträngige Handlung, die zügig auf (meist nur) eine Schlußpointe hinführt. c) Die Gleichnisse Jesu galten bis zu A. Jülicher (1857-1938) weithin als Allegorien: Metapherketten, die historische oder seelische Vorgänge oder Zustände verschlüsseln und Zug um Zug entziffert werden müssen; vgl. schon Mk 4,10-20 par. oder Mt 22,2-14, die aber in dieser Form nicht von Jesus stammen. Ursprünglich sind die Gleichnisse für Allegorien zu wirklichkeitsnah, obwohl oft gerade nicht realistisch. Die Forschung definiert sie deshalb gern aus dem Gegensatz zur Allegorie, leitet diese von der Metapher, das Gleichnis vom Vergleich oder Bildwort ab, hält aber beide für Ausdrucksformen der Rhetorik. Der Ausleger muß daher zum Gleichnis als »Bildhälfte« die zugehörige unbildliche Aussage als »Sachhälfte« hinzusuchen, meist über einen Vergleichspunkt, der sich aus der Pointe ergibt (tertium comparationis: das Dritte, das die Vergleichung ermöglicht). Das fällt verschieden aus. Jülicher z.B. fand die Sachhälften in religiösen Spitzensätzen, die Jesus lehrte (der Verlorene Sohn Lk 15 proklamiert Gott als den echten Sündervater), Jeremias in Argumenten, die Jesus für seine Reichsgottespredigt benutzte, vor allem, um sie zu verteidigen (mit Lk 15 rechtfertigt er, daß er mit Sündern ißt, und beansprucht, darin Gottes Liebe zum bußfertigen Sünder zu realisieren). Die neueste Forschung, die u.a. durch die Einführung literaturwissenschaftlicher Methoden kompliziert geworden ist ( Bibelwissenschaft, Strukturalismus), verbindet Metapher und Gleichnis, betont aber, daß sie eigentliche Rede sind und behandelt also die Gleichnisse als sprachliche Gebilde, deren Form in der Sache begründet ist, die Jesus vertrat: dem nahen oder schon gegenwärtigen Reich Gottes ( Jesus III).

Bei kopierten Texten bitte die Quelle angeben! ^^

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Danke für die spitzen Antwort ! :) Bloß wem erzählte er sie ? Und welche Art von Vergleichen wählte er und warum ?

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Liebe(r) Fabs, leider hat mir die Beschränkung auf eine bestimmte Anzahl von Zeichen einen Strich durch die Antwort gemacht: Der Text geht noch ein wenig weiter: "Die Gleichnisse stellen es dar, in dem doppelten Sinn, in dem z.B. ein Liebesgedicht Liebe gestaltet und, in passender Situation, sich ereignen läßt. Die Auslegung kümmert sich dann zunächst um die Gestalt der Gleichnisse, vor allem die Struktur der Erzählung oder Beschreibung (Motive, Personenkonstellation, Handlungsbogen, Pointe), und fragt, aus welchen Gründen, auf welche Weise und in welcher Situation sich das Reich gerade als Gleichnis darstellte. Das fällt wiederum verschieden aus. Via z.B. nimmt die Gleichnisse als ästhetische Objekte, und zwar als Kleinstdramen. Sie gestalten und ermöglichen das neue Existenzverständnis ( Hermeneutik, Existenzphilosophie), das Jesus unter dem Namen Reich Gottes brachte (Lk 15 vermittelt z.B., wie einer von hektischer Verschwendung seines Lebens zu einem gelassenen Dasein in Freiheit und Verantwortung findet, wider sein Erwarten dadurch, daß er seinen Verfall akzeptiert). Für Weder sind die Gleichnisse eine Art von Großmetaphern. Sie bilden, ausgesprochen oder nicht, die Prädikate von Sätzen der Verkündigung Jesu, die alle »Das Reich Gottes ist« anfangen. Sie beziehen sich auf das Verhalten Jesu und erläutern es theologisch (Lk 15 verkündigt die Nähe des Reiches als Fest vergebender Liebe, das im Wirken Jesu Ereignis wurde). d) Die Gleichnisse, wie sie in den Evangelien stehen, gehören zur Weltliteratur. Sie haben auch in ihr, der bildenden Kunst und der Alltagssprache eine breite Spur gezogen. 4. Von alttestamentlichen Propheten sind etwa 30 Gleichnishandlungen berichtet (z.B. 1.Kön 19,19-21; Ez 4). Auch Jesus hat solche Handlungen vollzogen. Dazu gehören neben wiederholten Vorgängen wie dem Essen mit Verfemten (vgl. Mk 2,15-17 par.) und den Heilungen ( Wundergeschichten) z.B. die Tempelreinigung Mk 11,15-17 par. und, sofern historisch, das Abendmahl. Quelle: Taschenlexikon Religion und Theologie, Bd. 2, S. 208, Stichwort "Gleichnisse". Hrsg. Erwin Fahlbusch, 4. Aufl. 1987 Angesprochen waren alle Zuhörer, die Jünger, die Neugierigen, die Pharisäer u.s.w. Viele Grüße friburgensis

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