Frage zur Figur des Sherlock Holmes

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Der "neue" Sherlock ist eine überspitzete Darstellung des Originals. Auch der alte Sherlock nahm verschiedene Drogen (weitaus offensichtlicher). Damit versuchte Conan Doyle die "übermenschlichen" Leistungen etwas zu klären. Du darfst dabei nicht vergessen, daß diese Geschichte zu einer Zeit enstand, als man Drogen noch allgemein anders als heute auffasste und auch ein grosser Mythos um verschiedene Drogen bestand. Etwa Opium war zwar schon als "Downer" bekannt und genutzt, allerdings kursierten da durch "Reiseberichte" und Erzählungen viele "Märchen". Damals reiste man eben nicht ausserhalb des Landes, die Exotik in Büchern stand dafür ein. Ähnlich verhält sich etwa wie Kokain (die "immer-wach-Droge, heute würde man es eher mit Speed gleichsetzen)). Der alte Sherlock benutze viele Arten Drogen, dem unerfahrenen Leser wurde Sherlock Holmes also eher wie ein "Mutant" dargestellt, unterstützt durch die Drogen. Ganz so kann man es heute ohne Aufklärung natürlich nicht mehr stehen lassen, deshalb wird es in der BBC-Serie nur angedeutet, und der Sonderling allgemein anders beschrieben.

Ein Einzelgänger war er also schon immer und genial in der Aufassungsgabe/Kombination, nur das "wie" hat sich etwas verschoben.

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Hallo Randerscheinung, erstmal vielen Dank für deine Antwort. Nun sehe ich schon etwas klarer. Aber immernoch unklar ist mir die Sache mit dem Soziopath. Du hast geschrieben, das Sherlock in der bbc Serie überspitzt dargestellt wird. Bezieht sich das auch darauf, dass er sich Regelrecht über Verbrechen freut und ich sage mal, relativ gefühlsresistent gegenüber den Opfer ist? Ist das beim originalen Sherlock genauso?

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Ich finde, es gibt schon große Ähnlichkeiten zum Original-Holmes. Letzterer weist auch keine erkennbaren Emotionen auf und betrachtet Verbrechen als intellektuelles Puzzle-Spiel. Für ihn ist ein Mordopfer eher Mittel zum Zweck. Dieses tut ihm nicht leid und er will dessen Tod auch nicht sühnen, sondern er will sich mit dem Mörder messen, ihn, allein mit seinen Geistesgaben, schlagen. Also ist für den Original-Holmes die Verbrechens-Aufklärung eine Art Schachspiel. Ein Unterschied zum modernen Holmes ist, dass er dabei viel weniger aufgekratzt agiertt. Er ist eher ruhig, in sich gekehrt, geht aber ebenfalls keine gefühlsmäßigen Bindungen zu anderen Menschen ein. Außer vielleicht zu Watson, wobei dieses Verhältnis ja auch nicht von Herzlichkeit geprägt ist. In dem Sinne ist der Original-Holmes vielleicht nicht gerade ein Soziopath, aber schon ein relativ gefühlskalter Einzelgänger.

Zu dem Originalen Holmes kann ich leider nichts sagen, da ich die Bücher nicht gelesen habe. Ich würde aber sagen, dass der bbc sherlock kein hochfunktionaler Soziopath ist, er wäre nur gerne einer. Sherlock findet emotionen und gefühle unsinning und er versteht sie nicht, soweit ist das klar. Ich glaube aber trotzdem das er solche sachen empfindet (Für vorallem natürlich John aber auch für Mrs Hudson und so... er hat  z.b. auch in der allerletzten episode mit Magnussen eine unglaublich lange liste an Druckpunkten...) er will es aber nicht wahrhaben, er findet das er dadurch schwach und voraussehbar wird, was iwie ja auch stimmt. Also überspielt er es. 

Sherlock ist kein Soziopath sondern, ein selbsternannter hochfuntionaler Soziopath. Er hat aber hochfunktionalen Autismus. Er bezeichnet sich aber als Sozio weil, er keine Gefühle zeigen will. Er freut sich auf Mordfälle weil, es sein Hobby ist und er sich sonst langweilt.

Allerdings finde ich, dass Sherlock Holmes aus Elementary eine gelungene Darstellung eines high-functioning Sociopaths ist.

Er ist hochintelligent, ruhig, spricht wenig, kaum aus der Fassung zu kriegen, berechnend, steht’s ein Gentleman und Frauenheld.

Das entspricht eher dem Profil eines h.f. Sociopath.

Ausser das die meisten high functioning sociopaths keinen so hohen IQ haben (190).

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Das stimmt. Er kann schon deshalb keiner sein, weil sich niemand selbst definieren kann. Aber vielleicht hört es sich für ihn nur besser an als"hochfunktionaler Autist."

Außerdem hat Benedict Cumberbatch selbst einmal im Jahr 2011 gesagt, dass er seinen Sherlock als leicht autistisch spielt. Eine Begegnung mit autistischen Kindern hat ihn da wohl in dieser Richtung beeinflusst.

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