Das Parfum - Wesentliche Unterschiede zwischen Buch + Film?

1 Antwort

Naja, das Ende ist eigentlich nicht anders. Zwar deutet das Filmende eine andere Motivation für seinen schlussendlichen Selbstmord an und er weint eine einzige Träne, was eigentlich eine absolut sinnlose, unnatürliche Gefühlsregung für die Figur Grenouille ist, aber im Handlungsablauf ist der Roman an dieser Stelle eigentlich ziemlich genau umgesetzt worden, im Gegenteil zu dem, was davor kam.

Wo der Film nämlich immens abweicht, wäre zum Beispiel die Zeit zwischen der Höhle in den Bergen und der ersten Begegnung mit Laure.

Zum einen wird nicht klar gemacht, dass er (meine ich) 7 Jahre in seiner kleinen Höhle verbracht hat. Im Film sieht es eher nach einigen Wochen oder Monaten aus, wenn überhaupt.

Zum anderen wurde seine Zeit Marquis de la Taillade-Espinasse komplett weggelassen, was ich ziemlich schade finde, da Grenouille dort wichtige Erfahrungen macht. So lernt er dort die Zubereitung eines menschlichen Geruches und wie er damit die Leute um sich herum manipulieren kann. Dadurch entwickelt sich ja erst sein Ziel, Macht über die Menschen zu haben und nur mit diesem Schlüsselereignis wird sein Selbstmord am Ende auch tatsächlich verständlich, da er schließlich erkennt, dass diese Macht ihn nicht glücklich macht, dass das Parfüm und nicht er die Menschen so beeinflusst und dass der Hass, den er gegen die anderen verspürt, nicht erwidert wird, was das einzige wäre, was ihn wirklich glücklich machen würde. Im Film bringt er sich offenbar um, weil er seine große Liebe, das Mirabellenmädchen, versehentlich tötete (was ebenfalls vom Buch abweicht, denn dort erwürgt er sie mit voller Absicht und bereut nur die Verschwendung ihres Geruchs).

Desweiteren hat Grenouille im Roman bis zu seiner Ankunft in Grasse nicht den leisesten Schimmer, dass es Laure gibt und als er ihren Duft erstmals wahrnimmt, ihm folgt und erschrocken feststellt, dass sie erst zwölf ist und damit nur "die Knospe einer viel prächtigeren Blume, die noch erblühen muss, um von ihm geplückt werden zu können", plant er, noch zwei Jahre zu warten und in dieser Zeit andere Komponenten zu sammeln, die ihren Geruch perfekt hervorheben. So kommt er erst auf die Idee eines Parfüms. Wäre sie alt genug gewesen, hätte er sie wohl auf der Stelle getötet und ein fertiges Parfüm wäre nie entstanden. Im Film ist sie ja bereits vierzehn und sein Plan fällt ihm mehr oder weniger spontan ein.

Was mir außerdem noch einfällt, ist Grenouilles Erscheinung. Im Roman ist sein Fuß verkrüppelt und sein Körper völlig vernarbt und entstellt, der pure Ekel. Ständig läuft er geduckt. Seine Gestik und Körperhaltung erinnern an die einer Kakerlake, eines Insekts, eines Parasiten, der im Schatten lebt. Genauso spricht er auch, er zischelt und flüstert. Im Film, naja, da ist er eben nur unscheinbar und eher herb als hässlich. Außerdem ist sein Verhalten gegenüber anderen viel angepasster, er spricht einigermaßen normal und geht gerade. Sein Hass und sein Ekel haben sich nicht an seinem Erscheinungsbild manifestiert.

Desweiteren fehlt einiges in seiner Kindheit. Da wären zum Beispiel die Geschehnisse nach seiner Geburt, dass niemand ihn haben wollte, weil er wie ein Parasit eben die Milch der Ammen völlig leer trank und keinen Geruch hatte, was ihn noch abstoßender wirken ließ. Auch Pater Terrier tritt überhaupt nicht auf, der Grenouille als "Animal" bezeichnete und ihn schließlich zu Madame Gaillard brachte, wo der Film wieder einsetzt. Was auch fehlt, ist die Beziehung, die er und seine neue Ziehmutter haben. Zwar ist das nicht unbedingt eine gute, herzliche Beziehung, aber immerhin. Auch ihr Leben nach Grenouille wurde einfach weggelassen, was für den Film wohl auch besser war.

Tja, das wäre so ziemlich das Gröbste, was mir bis jetzt einfällt. Ich persönlich fand den Film nicht unbedingt schlecht, aber es hatte für mich kaum etwas mit dem Roman gemein, da Grenouille für meinen Geschmack viel zu menschlich präsentiert wurde. Im Film war er schlichtweg ein Mörder, der sich von der Gesellschaft abspaltete und extrem gut riechen konnte. Ein ungewöhnliches Motiv, aber sonst nicht viel mehr. Im Roman hingegen wurde mit ihm eine ganz neue Kreatur erschaffen, die Süskind selbst zwar als sehr fremdartig und ekelerregend beschreibt, sie gleichzeitig jedoch zu einem großen Genie erhebt, dessen Verhalten man schlichtweg nicht menschlichen Vorstellungen und Gesetzen unterordnen kann, und diese Kreation ist in meinen Augen schlichtweg ein Meisterwerk.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

Stern gibt es morgen in aller früh :-)

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ich danke dir auch!! sehr informativ!!! danke man!!!

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ich finde deine Antwort auch sehr Hilfreich für meine mdl Prüfung im Juli. Danke!! :) (hab nicht kopiert, konnte aber auf deine Hinweise achten;) )

Die Zeit in der Höhle wurde im Film stark gekürzt (hat mir jetzt nichts ausgemacht), Ich kanns verstehen, da der Film sonst viel zu lang geworden wäre...:)

Aber wenn man die Haarlänge Grenouilles beachtet, ist klar, dass er recht lange in der Höhle gewesen sein muss! :)

LG

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