Ängstliche Katzen; Zusammenführung Tipps?

... komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Zunächst finde ich es klasse, dass Ihr einen Kumpel für Eure Fellnase bei Euch aufgenommen habt! DH!

Grundsätzlich stellt die Zusammenführung zweier Katzen eigentlich keine Zauberei dar, wenn Ihr ein paar grundlegende Dinge berücksichtigt.
Habt Geduld, m.E. habt Ihr bislang eigentlich alles richtig gemacht, und auch das Verhalten Eurer Fellnasen scheint mir in der gegebenen Situation soweit vollkommen normal zu sein.

Zunächst sind Katzen Gewohnheitstiere und hassen Veränderungen, daher bedeutet der Einzug einer weiteren Fellnase natürlich einen besonderen Stress für die Tiere.
Wenn der Neuankömmling im Augenblick also verunsichert und ängstlich ist, sich zunächst nur versteckt (wahrscheinlich auch nur wenig frisst bzw. trinkt), dürfte dies sicherlich der neuen und ungewohnten Situation geschuldet sein.

Lasst die "Neue" auf alle Fälle erst mal zur Ruhe kommen und bedrängt sie nicht, sondern lasst sie auf Euch zukommen, wenn ihr danach ist. Wenn sie sich ein wenig an die neue Situation gewöhnt hat, sollte sich ihre Aufregung eigentlich bald legen. Sprecht mit leiser Stimme zu ihr, damit sie sich an Euch gewöhnen kann - lest ihr z.B. etwas aus der Zeitung oder aus einem Buch vor. ;)

Wenn sie sich ein wenig beruhigt und akklimatisiert hat, wird sie sich von ganz alleine hervortrauen, getrieben von Neugier, vielleicht auch von Hunger oder Durst. Falls sie noch länger "abgetaucht" bleibt, könnt Ihr ihr ihren Futter- und Wassernapf in Sicht- und Reichweite stellen, bis sie sich aus ihrem Versteck traut.

Dabei hat es sich zum Beispiel auch bewährt, ihr - falls möglich - zunächst das gleiche Futter und das gleiche Katzenstreu anzubieten, wie sie es aus ihrer früheren Umgebung gewohnt ist.

Hilfreich könnte es ansonsten auch noch sein, falls Ihr vom Vorbesitzer Dinge bekommen könntet, die der Katze besonders vertraut sind (z.B. ihr Lieblingsdeckchen oder -spielzeug).

Viele Katzen erkunden ihr neues Heim erst nachts im Schutze der Dunkelheit, wenn sie sich in aller Ruhe dort umsehen, fressen und trinken können. Daher sollten Futter und Wasser sowie die Katzentoilette natürlich auch nachts frei zugänglich sein.

Als Faustregel wird bei Zusammenführungen zumeist empfohlen, dass die Katzen idealerweise von möglichst ähnlichem Charakter, in etwa gleichem Alter und vom gleichen Geschlecht sein sollten, wobei die beiden erstgenannten Punkte m.E. die wichtigeren sind. Auch diese Punkte scheinen bei Euch optimal erfüllt zu sein - zwei eingefleischte Einzelkatzen stellen bei der Zusammenführung natürlich stets eine Herausforderung dar.

Wenn der Neuzugang etwas jünger ist als die vorhandene Katze, dann wirkt sich das meist positiv aus. Spätere Revierstreitigkeiten wird man nie ganz ausschließen können, zunächst ist es i.d.R. aber günstig, wenn der jüngere Neuzugang sich einer vorhandenen älteren Katze unterordnen kann, die die Revierhoheit hat, und auch behalten sollte.

Zusammenführung bedeutet immer Stress für alle Beteiligten, und es erfordert mitunter viel Zeit und Geduld, die Katzen aneinander - dabei den Neuankömmling an seinen neuen Lebensraum, und die bereits vorhandene Katze an den plötzlichen "Eindringling" in ihrem Revier - zu gewöhnen.

Der (Erst-)Kontakt zwischen Katzen verläuft oftmals ziemlich "rustikal". Naturgemäß finden sich die beiden Fellnasen anfangs ziemlich doof, und müssen sich - manchmal leider im wahrsten Sinne des Wortes - erst "zusammenraufen". Wenn die Katzen also fauchen und knurren, oder zwischen ihnen auch mal die Fetzen fliegen, dann ist das soweit vollkommen normal - falls dabei allerdings auch mal Blut fließen sollte, müsst Ihr natürlich unbedingt einschreiten.

Natürlich kann bei einer Zusammenführung niemand eine Erfolgsgarantie abgeben. Manche Katzen kuscheln nach wenigen Tagen zusammen im Körbchen, andere werden sich - weil die "Chemie" eben nicht stimmt - vielleicht auch nach längerer Zeit nur respektieren.

Habt Geduld, eine erfolgreiche Zusammenführung kann, muss aber nicht, durchaus einige Wochen oder Monate dauern - lasst Euch davon aber nicht entmutigen! Nach ein paar Tagen lässt sich da jedenfalls noch gar keine gesicherte Prognose abgeben, und in Eurem Fall sieht bislang soweit doch alles recht positiv aus.

In vielen Fällen ist die bereits vorhandene Katze durch den "Eindringling" in ihrem Revier zunächst verunsichert und u.U. auch verängstigt, das scheint auch bei Eurer "Erstkatze" der Fall zu sein.

Auf der einen Seite ist es daher wichtig, dass Ihr Euch - auch wenn es vielleicht schwerfällt - jetzt nicht zu ausführlich mit dem Neuzugang beschäftigt, damit sich die bereits vorhandene Katze nicht zurückgesetzt fühlt (das könnte dann zu Eifersucht führen).

Behandelt Eure "Alte" wie immer, und ggf. solltet Ihr Euch - zumindest anfangs - vielleicht noch etwas intensiver um sie bemühen als vorher. Wenn sie dann merkt, dass sie keinen Grund dazu hat sich zurückgesetzt zu fühlen, sollte sich ihr Verhalten eigentlich bald normalisieren.

Auf der anderen Seite besteht bei Zusammenführungen die Herausforderung stets auch darin, beide Katzen möglichst gleich zu behandeln (auch der Neuankömmling darf sich ja nicht vernachlässigt fühlen), und dabei keine zu bevorzugen - mithin also eine klassische Gratwanderung.

Idealerweise solltet Ihr möglichst viel Zeit für eine intensive Beschäftigung (gemeinsames Spiel, Schmusestunden, Leckerchen futtern, etc.) mit beiden Fellnasen einplanen. Dabei kommt es einerseits darauf an, mit ihnen gemeinsam zu spielen, sie ausreichend geistig und körperlich zu fordern und sie dabei aneinander und an Euch zu gewöhnen.

Andererseits tut es beiden aber auch gut, sich mit ihnen mal getrennt voneinander zu beschäftigen, um dabei voll und ganz auf sie eingehen zu können. Dazu sind (neben Schmusestunden) z.B. Spiele hilfreich, die Erfolgserlebnisse bescheren (z.B. Futterlabyrinth, Katzenangel, Fummelbox, Clickertraining o.ä.).

Hilfreich ist es zudem, wenn Eure Katzen sich bei Bedarf in der Wohnung in ihre eigenen Bereiche (z.B. getrennte Zimmer, Katzenhöhlen, Kartons, abgesicherter Balkon etc.) zurückziehen können, um sich ggf. ein wenig aus dem Weg zu gehen.

Eine zusätzliche Hilfe könnten eventuell noch Verdampfer für die Steckdose (z.B. Feliway "Friends" oder "Classic", beim Tierarzt oder im Fachhandel erhältlich) bieten, die spezielle Duftstoffe (Pheromone) freisetzen, und dadurch einen entspannenden Wohlfühleffekt auf Katzen haben können.

Auf alle Fälle solltet Ihr stets Ruhe bewahren (sonst überträgt sich Euer Stress noch zusätzlich auf die Katzen), den Fellnasen mit Aufmerksamkeit, Zuwendung, Geduld und Nachsicht begegnen, und sie keinesfall bestrafen oder mit Liebesentzug reagieren (Katzen können Strafe ohnehin nicht mit ihrem Verhalten in Verbindung bringen).

Ich drücke die Daumen, dass die Zusammenführung problemlos und schnell gelingt.

Alles Gute und viel Erfolg!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?