Warum bin ich so (extrem) verzweifelt mit der sexuellen Vergangenheit meiner Freundin?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich glaube, Du verfällst im Moment in eine Art vergleichende Haltung:

"Wenn sie fähig zu einem solchen ONS war, was bin ich dann für sie?"
"Kann sie mich dann überhaupt so lieben, wie ich es brauche?"
"Was passiert wohl, wenn wir uns mal nicht so gut verstehen, handelt sie dann vielleicht wieder so?"

Solche Gedanken schleichen sich ein, genau wie Du beschreibst.
Sie entbehren aber jeder Grundlage und sind auch gar nicht nötig. 

Deine Freundin befand sich damals in einer ganz anderen Situation.
Dass sie ihr damaliges Verhalten aus Selbstschutz nicht bereuen will, bedeutet ja im Prinzip nur, dass sie nicht weiter darüber nachdenken möchte.
Was ja nur verständlich ist, denn sie zeigt ja klar und deutlich, wie wenig stolz sie auf diese Aktion ist.

Vielleicht wäre hilfreich, den großen Unterschied zwischen ihrer damaligen und ihrer heutigen Lebenssituation klarzustellen und den Spieß mal umzudrehen:
Damals war sie zerfressen von Einsamkeit, da kann jeder auf einen Blender reinfallen. Und mit "Jeder" bist auch Du gemeint, sei bitte nicht vermessen zu behaupten, Du könntest niemals, auf keinen Fall in eine solche Notlage geraten.
Und jetzt stell Dir weiter vor, Du würdest irgendwann nach einem solchen Erlebnis mit einer Frau in eine glückliche Beziehung starten. Doch aus heiterem Himmel würde sie sich innerlich zurückziehen, Dich für diese eine Begebenheit als beschmutzt ansehen.
Dich im Hier und Jetzt moralisch verurteilen und Dir durch ihr Verhalten zeigen, dass sie Dich und Deine Gefühle, die ganze Beziehung in Frage stellt.
Fühlt sich das fair an, zeugt es von Einfühlungsvermögen, von Herzlichkeit?

Du könntest auch mehr Augenmerk auf die positiven Eigenschaften Deiner Freundin legen:
Sie hat niemanden betrogen, sondern aus Sehnsucht nach Zweisamkeit so gehandelt.
Sie hat Dir nichts verheimlicht, spielt mit offenen Karten - finde mal so eine Perle!
Sie scheint bereit zu sein, die Auseinandersetzung mit diesem Erlebnis und seiner Bedeutung für Dich gemeinsam mit Dir zu führen, das ist nicht selbstverständlich. Denn genaugenommen geht Dich ihre Vergangenheit mal so gar nichts an, und dass Du davon weißt, ist einzig ihrer Offenheit zu verdanken.

Mein Fazit:
Mit Deiner vergleichenden Haltung wirst Du der Offenheit und Ehrlichkeit Deiner Freundin nicht gerecht, sondern beziehst ihr vergangenes Erlebnis auf Dich selbst und darauf, ob Du deswegen noch in der Lage bist, Dich ihr gegenüber zu öffnen.
Das finde ich zumindest sehr kindlich, wenn nicht sogar egoistisch.
Und gerechtfertigt ist es in meinen Augen keinesfalls.
Hinterfrage Deine eigene Anspruchshaltung ihr gegenüber, und ob Du in jeder Situation Deines Lebens Deine eigenen moralischen Vorgaben erfüllen könntest.
Schließlich hängst Du die Latte ziemlich hoch, und das solltest Du erst mal selber bringen, bevor Du es von anderen verlangst.

Viel Glück Euch beiden!

Hut ab für so eine sachliche Analyse des Ganzen! Es ist verkehrt, jemanden für seine Ehrlichkeit zu bestrafen, wird aber in unserer Gesellschaft gerne praktiziert. Man will eben nur bestimmte Sachen hören und gerne weiterhin in seiner mehr oder minder perfekten Traumwelt leben. Jeder, der dieses Bild zerstören will, indem er etwa ehrlich ist, wird verbal erschlagen (im Höhlengleichnis wird er sogar tatsächlich erschlagen).

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Ein wenig schade:

Mit Deiner vergleichenden Haltung wirst Du der Offenheit und Ehrlichkeit Deiner Freundin nicht gerecht

aber selber

Dass sie (..aus Selbstschutz..) nicht bereuen will, (weil) sie nicht weiter darüber nachdenken möchte. (zeigt) wie wenig stolz sie auf diese Aktion ist

Die Erklärung für Selbstschutz ist so eine Sache. Das ist sehr weit gefächert oder die Bedeutung für Selbstschutz ist schon etwas überstrapaziert.

Es gibt aber Menschen die nicht immer in der Vergangenheit leben, daher muss das auch nicht unbedingt zutreffend sein.

Also ich lese hier ein Klamauk aller anderen Antworten und dann einmal umgerührt. Übrigens 'kindlich' und 'egoistisch' ist man auch aus Selbstschutz.. ;P Das ist relativ natürlich und eher negativ besetzt.

Gegen die Tipps die du gibst verstößt du selbst, die 'treffliche Analyse' geht aber zum Teil in die richtige Richtung, wenn auch sie nicht ganz rund ist...

(Tipp, ich geb auch zu oft lange Antworten, das ist aber der State of the Art von dem was ich weiß. Dann presche ich oft übers Ziel hinaus)

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@musenkumpel

 Die Erklärung für Selbstschutz ist so eine Sache. Das ist sehr weit gefächert oder die Bedeutung für Selbstschutz ist schon etwas überstrapaziert.

Dabei habe ich mich auf den Fragesteller bezogen: "Sie sagt sie will es nicht bereuen weil sie sich sonst schlecht zu fühlen würde, sie sagt aber das sie zu dem Zeitpunkt dachte dass er es
ernst meinte; und sie war "damals", Mitte 2015 seit 2012/13 einsam."

Es gibt aber Menschen die nicht immer in der Vergangenheit leben, daher muss das auch nicht unbedingt zutreffend sein.

Diesen Satz verstehe ich nicht.

Also ich lese hier ein Klamauk aller anderen Antworten und dann einmal umgerührt.

Ich behaupte nicht, das Rad neu erfunden zu haben. Aber eine Zusammenfassung oder ein Klamauk ist meine Antwort nicht, sondern es sind meine Inhalte, die mir bei meiner Antwort wichtig waren.


Übrigens 'kindlich' und 'egoistisch' ist man auch aus Selbstschutz.. ;P Das ist relativ natürlich und eher negativ besetzt. Gegen die Tipps die du gibst verstößt du selbst, (...)

Auch, aber nicht nur. Diese Diskussion würde aber den Rahmen sprengen. Mag sein, dass Du recht hast, trotzdem äußert sich das Verhalten der beiden verschieden und hat auch verschiedene Wirkungen.
Sie bleibt in ihrem Selbstschutz bei sich selbst, er wird offensiv ihr gegenüber. Mit kindlich meine ich eine Art Trotzverhalten ihr gegenüber. Und ja, das habe ich, gemessen am Alter des Fragestellers, negativer bewertet als das seiner Freundin. Finde ich auch legitim, weil er ja anscheinend den aktiveren Part im Konflikt darstellt, während ich die Freundin als kooperativer empfinde.
Dass sie nicht darüber reden will, halte ich auch für eine Reaktion auf seine moralische Forderung, die sie ja überhaupt nicht erfüllen könnte, selbst wenn sie wollte.

Inwiefern ich jetzt gegen meine eigenen Tipps verstoße, ist mir nicht ganz klar.
Schließlich halte ich für recht klar, was ich mit "vergleichender Haltung" meine, nämlich ein unreflektiertes Anlegen eigener moralischer Maßstäbe auf einen anderen Menschen ohne jede Berücksichtigung von dessen damaliger Situation bei gleichzeitiger (von mir vermuteter) Unterstellung einer möglichen Wiederholung auf zukünftige Situationen.
Hätte ich das denn so schreiben sollen?
... ist ja gruselig.

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@musenkumpel

@ musenkumpel:
Klar habe ich mich verzettelt, s. mein Kommentar an Plautzenmanns Antwort.
Der Fragesteller ist halt in Not, da wollte ich natürlich so umfassend antworten, wie ich in diesem Rahmen kann.
Das hätte ich mir von diesem Forum an seiner Stelle jedenfalls erhofft...

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@Pudelcolada

Moin. Ich glaub auch, bei unserem Schreibstil sprengts den Rahmen, wenn eine Annäherung auch noch so interessant wäre.

Ich bemerke gerade, dass sich aus den ersten beiden Zitaten nicht wirklich der Zusammenhang herstellen lässt, den ich aufzeigen wollte. Da enschuldige ich mich.

Ich fand mit dem Vergleichen und Bewerten und so, dass du seine Freundin in Schutz nehmen wolltest fällt mir jetz erst auf. Ich wollte ihn gegenüber deinen Vergleichen und Bewertungen in Schutz nehmen. Schon peinlich :/ :)

Zu der Sache mit dem Selbstschutz. Sie will es ja nicht im nachhinein bereuen müssen, weil es aus ihrer Sicht nichts zu bereuen gab und gibt. Also warum danach schlecht fühlen. Da war mir das Wort Selbstschutz zu aggressiv. Das wird in der Frauenwelt schon zu oft verwendet :/ Das geht ja aus der Frage nicht hervor, dass sie es gleich am nächsten Tag schon bereut hätte..

Das mit dem Klamauk nehm ich zurück. Es sind schließlich mehr eigene Eindrücke drin als ich zuerst gesehen hab :/

Ich verstehe es eher so, er wird defensiv gegenüber der Sache, die ihr nicht persönlich zum Vorwurf gemacht werden sollte. Er sagt aber "Das letzte was ich will, ist ihr Vorwürfe zu machen". Nicht dass wir uns hier verzetteln ;)

"Der Fragesteller ist halt in Not, da wollte ich natürlich so umfassend antworten, wie ich in diesem Rahmen kann." - genau das meinte ich mit dem State of the Art. Das sollte kein Vorwurf sein, mach ich ja auch nich anders. Aber die Kommentarfunktion werd ich heute nich mehr nutzen ;)

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@Plautzenmann

Also ich nicht. Ich habe überhaupt nicht studiert...
Facharbeiter mit Ausbilderschein, aber ewig aus dem Handwerk raus. Irgendwann zweite Ausbildung, seitdem Erzieher.

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@musenkumpel

Schade, dass das hier nur virtuell ist:
Wir drei sollten mal miteinander einen trinken gehen!
:D

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Vielen Dank für den Stern!

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Versuch doch mal dich in die Lage deiner Freundin zu versetzen. Es muss echt schwer für sie sein. Sie vertraut die anscheinend sehr und meint es ernst und jetzt wird sie von dir so abgestoßen. Würdest du sie echt lieben solltest du es echt tolerieren. Sie kann es nun einmal auch nicht wieder rückgängig machen und so wie es sich anhört war dass jetzt auch nicht ihr stolzter Moment. Versuch es einfach zu akzeptieren und dann schließ damit ab. Vielleicht unternehmt ihr einfach mal was schönes zusammen so dass ihr erstmal auf andere Gedanken kommt. Du kannst ja auch noch mal offen mit deiner Freundin reden und ehrlich sagen was genau dich daran so beunruhigt.
Viel Glück!

Jeder hat eine Geschichte und Fehler darin. Aber sie jetzt zwingen zu wollen es zu bereuen macht doch keinen Sinn.

Und sie ist immer noch der gleiche Mensch wie bevor du es wusstest. Es hat sich nix geändert außer das du ihr jetzt Vorwürfe machen willst. Liebe so wie sie ist mit ihren Fehlern und sie ist ja mehr als nur "ein unschuldiges kleines Mädchen". Sie ist eine Frau mit 22 Jahren.

Was möchtest du Tolerieren? Ihre Vergangenheit Ist, es ist ein unveränderlicher Teil ihrer Persönlichkeit im Guten wie im Schlechten.

Es gibt nichts zu Tolerieren wenn sie dir im Siegel des Vertrauens von ihrer Vergangenheit erzählt. Du solltest dich über dieses Vertrauen freuen und nichts in Frage stellen.

Solltest du mit Verschiedenem nicht umgehen können so ist dies alleine dein Problem, dein Partner kann an seiner Vergangenheit nichts ändern. Dann solltest du ohne Vorwürfe deinen Koffer packen und gehen. Bedenke jedoch, schon bei deinem nächsten Partner hast du eine Vergangenheit und dein Partner könnte diese möglicherweise nicht tolerieren und dann gehen........



Ich kann dich wirklich nicht verstehen.

Doch deine Freundin kann ich verstehen. Sie hatte damals sexuelle Bedürfnisse, sie war Single, sie hat sich auf einen Typen eingelassen, es wurde lediglich ein einmaliges sexuelles Abenteuer draus. Fertig. Warum sollte sie es bereuen? Was brächte ihr das? Eben, null. Es ist vergangen, fertig.

Du machst da aus einer mücke einen Elefanten. Es ist egal ob deine aktuelle Partnerin vor dir keinen oder 4 Sexualpartner hatte. Es ist egal ob diese damaligen Sexualpartner jeweils langjährige Beziehungspartner waren oder "Eintagsfliegen". Das was zählt ist: Wie kommt sie damit klar, ist ihr bewusst das das ihre Vergangenheit ist... Und das was hauptsächlich zählt (für dich): Es ist ihre Vergangenheit, keine aktuelle Situation. Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, jeder ältere Mensch (erst recht wenns schon ein junger Erwachsener ist) hat eine sexuelle Vergangenheit.

Wenn du nicht damit klar kommst das deine Partnerin eine sexuelle Vergangenheit (gleich welcher Art) hat, dann musst du sie wohl frei geben. Denn dann hat sie die Chance einem Mann zu begegnen der sie so liebt und akzeptiert wie sie ist, der ihre Vergangenheit als vergangen sieht und das Gesammtpaket Mensch rundherum so respektiert wie es ist. Und du wärest dann wohl besser bei einer Frau aufgehoben die vor der Beziehung mit dir noch Jungfrau war (dann hat sie keinen Vergleich und du musst sie nicht als "schmutzig" ansehen).

Meine harten Worte tun mir leid, aber es ist doch so. Wenn man einen Menschen liebt dann liebt man das Gesammtpaket. Für seine Vergangneheit sollte man den Menschen nicht verurteilen. Schon garnicht für die sexuelle Vergangenheit. Schafft man das nicht, belastet man selbst nur ständig die Beziehung und torpediert sie mit unnötigen Vorwürfen (auch indirekte Vorwürfe können verletzen und zerstören).

Dem ist nicht's mehr hinzuzufügen. DH!

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