Frage von Liquidchild, 99

Extreme Matheschwäche, Verdacht auf Dyskalkulie?

In Deutsch habe ich die besten Leistungen der Jahrgangsstufe (1,0) , in Mathe bin ich allerdings mit großem Abstand die schlechteste (5,2). Es fiel mir, so weit ich mich erinnern kann, immer schwer auch nur einfachste Rechenaufgaben (Bsp. 23-17) zu lösen. Ich konnte mich durch schlichtes auswendig lernen irgendwie im Gymnasium durchschlagen, aber das Problem mit Zahlen ist immer geblieben, und wird (egal wie sehr ich mich anstrenge) nicht besser. Könnte das Dyskalkulie sein? Wenn ja, hätte ich gewisse Vorteile bei Schulaufgaben/Klausuren wenn es festgestellt wird? Und wo kann man Dyskalkulie feststellen lassen?

Antwort
von Kuhlmann26, 37

Zunächst musst Du zwischen Rechnen und Mathematik unterscheiden. Zum Rechnen gibt es Taschenrechner, Excel & Co. Die machen das für Dich. Also selbst wenn Du eine Rechenschwäche hast, musst Du nicht schlecht in Mathe sein.

Leider gibt es in der Schule immer noch einen besonderen Fokus auf die Schwächen der Schüler, anstatt sich auf die Stärken zu konzentrieren und in Deutsch eine absolute Koryphäe zu werden, nimmt man Nachhilfe in Mathe. Mit dem Ergebnis vielleicht ein mittelmäßiger Mathematikergebnis zu erzielen. Und das nur, weil die Schule einen zum Verlierer abstempelt, wenn die Zahl nicht kleiner als 5 ist.

Ich wette mit Dir, dass es noch keine persönliche - also außerschulische - Lebensituation bei Dir gab, in der Du Probleme wegen Diskalkulie hattest. Es wird immer eine Lösung gegeben haben, in der Du mögliche Schwierigkeiten beim Rechnen auf die eine oder andere Weise kompensiert hast.

Wenn Du nach einer Bestätigung suchst, nicht rechnen zu können, wirst Du die ganz sicher finden und Du wirst immer eine Ausrede parat haben, warum Du wieder mal etwas nicht machen konntest, weil Du ja Dykalkulie hast.

Gruß Matti

Kommentar von yacofred ,

Lieber Kuhlmann26, Was ist denn der Unterschied zwischen Mathe und Rechnen? Hat das denn nichts miteinander zu tun? Wie wird denn dieser Unterschied zum Stolperstein für Schüler? Doch nicht mangels eines Taschenrechners? Wie löse ich denn eine Sachaufgabe mit dem Taschenrechner, wenn ich die Bedeutungen nicht verstanden habe oder sie für irrelevant halte? Inwiefern wäre es eigentlich erstrebenswert, gute Mathenoten durch gutes Rechnen zu erreichen, ohne dabei von Mathe etwas zu verstehen? Wenn Dyskalkulie ein Rechtfertigungsbegriff ist, sollte man dann seine Benutzung den betroffenen Schülern als Ausrede um die Ohren schlagen oder vielleicht mal was kritisches zum Zweck der Schule sagen? Was wäre Deine Expertenantwort auf solche Fragen?

Gruß yacofred

Kommentar von Kuhlmann26 ,

Hallo yakofred,

Mathematik ist die Wissenschaft vom Leben, nicht mehr und nicht weniger. Rechnen ist, Zahlen zu addieren, suptrahieren, multiplizieren und zu dividieren. Natürlich hängt beides miteinander zusammen.

Wie wird denn dieser Unterschied zum Stolperstein für Schüler?

In dem von ihnen etwas verlangt wird, was sie nicht interessiert. Etwas, was völlig belanglos ist, also ohne jede Bedeutung. In dem sie unter Druck gesetzt und mit schlechten Noten bedroht werden, wenn sie nicht tun, was ein Lehrer von ihnen erwartet. Da tauchen dann so merkwürdige Begriffe wie "Arbeitsverweigerung" auf. Was ist das für eine Anmaßung?

Würden Menschen selbst entscheiden können, wann und wie sie sich mit der Mathematik beschäftigen wollen, gäbe es keine Stolpersteine. Es wäre nicht einmal erforderlich, sie zu Schülern zu degradieren. Wenn man mit Geld umgehen will oder wenn man eine Torte teilen will, lernt man automatisch rechnen. Es gibt im Leben zig Gelegenheiten zu rechnen bzw. der Mathematik zu begegnen. Man lernt immer genau den Teil, der gerade im Leben gebraucht wird und diejenigen die Spaß an der Mathematik haben, lernen viel mehr, als sie gerade im Leben brauchen.

Du musst Dich mal mit Menschen unterhalten, die nicht beschult wurden. Solche Leute gibt es sogar in Deutschland, wo wir eigentlich einen Schulzwang haben. Es gibt hunderte Gründe, warum man Rechnen lernen will und ebenso viele Möglichkeiten, das zu realisieren. Ganz ohne Druck, Zwang und Angst.

Das könnte man auch an Schulen so machen. Wie das geht, zeigt beispielsweise die Schitinin Schule in Russland. Da lernen die Kinder in wenigen Tagen die komplette Arithmetik. Allerdings gibt es dort weder gleichaltrige Klassen, auch keine erwachsene Lehrer oder Noten und Hausaufgaben. Die Kinder und Jugendlichen lernen mit- und voneinander. Inzwischen wird das Konzept auch im deutschsprachigen Raum kopiert.

https://www.youtube.com/watch?v=KYxkjvS0DPA

Antwort
von DarcVader, 53

wie hast du mit 5,2 bestanden ?

ich habe auch Probleme bei dem loesen solcher aufgaben, beim rechnen benutzte ich meine finger zum zaehlen.

ich personlich glaube nicht das du dyskalkulie hast, du schreibst du kannst dich durch schlichtes auswendig lernen im Gymnasium durchschlagen, - mathe ist jedoch nicht schlichtes auswendig lernen und entspricht klaren gesetzen der Logik und Strukturen.

vielleicht liegt es auch nur an deinem lernen, falschen lernen, fehlendem Interesse, oder denken das sich dieser Ordnung entziehen will.

bei Mathe musst du viel ueben da hilft nicht lernen oder einpragen

Kommentar von Liquidchild ,

mit "durchschlagen" meine ich gerade noch auf eine 4/5 kommen um nicht sitzenzubleiben :D Ab 2 Fünfen oder einer sechs im Jahreszeugnis muss man wiederholen. Da Mathe eigentlich mein einziges Problemfach ist, musste ich bis jetzt noch nicht wiederholen. Ich brauch auch immer meine Finger zum zählen und kann mir Zahlen eben nicht vorstellen, also ohne taschenrechner geht überhaupt nichts. Deswegen dachte ich, vielleicht ist das Dyskalkulie?

Kommentar von DarcVader ,

ich glaube nicht, ich wuerde sagen individuelle Begabung. man kann sich nur nicht erklaeren wieso man das nicht kann.

ansonsten habe ich auch dyskalkulie :D 

viele haben mehr als nur ein problemfach ;) 

Kommentar von Kuhlmann26 ,

Du suchst doch auch nicht nach Erklärungen, warum Du (möglicherweise) nicht tanzen oder kochen kannst. Zu einer Schwäche wird das Nicht-Rechnen-Können erst, wenn Deine Rechenkünste von einem Lehrer bewertet werden. Du musst Dir das nur mal in Ruhe überlegen. Du wirst Montag früh um Neun von einem Lehrer aufgefordert 23 - 17 zu rechnen. Von alleine kämst Du überhaupt nicht auf die Idee, dies zu tun. Schließlich gibt es für Dich gar keinen Grund. Einzig die Aufforderung des Lehrers, verbunden mit Bestechung (gute Note) bzw. Bestrafung (schlechte Note), lässt Dich widerwillig an dieser Aufgabe herumdocktern. Begriffe wie Dyskalkulie und LRS sind Erfindungen der Schule, damit niemand auf die Idee kommt, die Methoden der Lehrer zu hinterfragen.

Wenn Du Dir nicht einredest, schlecht in Mathe zu sein, wirst Du immer den Teil von ihr beherrschen, der zur Bewältigung Deiner persönlichen und selbstgewählten Lebenssituation erforderlich ist. Wie gesagt, Montag um Neun 23 - 17 zu rechnen, ist nicht selbstgewählt.

Kommentar von yacofred ,

Hallo DarcVader,

vielleicht muss man ja viel üben, um gute Noten in Mathe zu schreiben, aber ohne Verständnis nützt üben nichts bzw. nur wenig. Im Gegenteil kann man sich auch  noch den letzten Verstand aus dem Gehirnblasen, wenn man übt statt vernünftig Mathe zu lernen. Und die Begabung ist eine wahre Totschlägerkategorie: Man erkennt sie immer nur daran, ob sie sich im Erfolg zeigt oder nicht. Erklären muss man sich da nichts und kann man auch nicht.

Hallo Kuhlmann26,

klar sind die Konkurrenz in der Schule und somit auch deren Wettbewerbsinhalte nicht selbstgewählt. Entscheidend ist aber, ob man gelernt hat mit den Inhalten, egal ob selbstgewählt oder nicht, auch sachgemäß umzugehen. Wer also dem Zwang der Schule unterworfen ist, dem hilft nur ein sachgemäßer Zugang zu mathematischem Wissen und nicht das Hadern mit den eigenen (Un-)-Fähigkeiten. Worin sollten die denn auch - getrennt vom mathematischen Verständnis - außerdem noch bestehen.

Grüße yacofred

Antwort
von Ichthys1009, 12

Das hört sich sehr nach Dyskalkulie an. Mit Dyskalkulie fehlt einem die Zahlvorstellung, gerade die einfachen Plus- und Minusaufgaben gelingen nicht.

Du kannst zu einer Dyskalkulietrainerin gehen. Die macht mit dir einen Test und kann dir mit einer alternativen Pädagogik helfen, dass du Mathe verstehen kannst.

Ein Dyskalkulietraining dauert durchschnittlich eineinhalb Jahre und wird mit anschaulichem Material und so, dass es auch Spaß macht, durchgeführt.

In welchem Bundesland wohnst du denn? Du kannst auch nach einer Dyskalkulietrainerin googlen unter: http://www.dyskalkulietrainer.com/

Kommentar von Ichthys1009 ,

Hier wird auch noch mal gut erklärt, wie man mit Dyskalkulie umgehen kann:

http://www.lzr-koeln.de/rechenschwaeche/was-ist-rechenschwaeche.html

Kommentar von Liquidchild ,

Vielen Dank! Ich bin aus Bayern

Antwort
von Turbomann, 42

Schau mal hier in dem Link, vielleicht gibt es sowas auch bei dir, wo du hingehen kannst.

http://www.legasthenie-stuttgart.de/rechenschwaeche.html

Haben die Lehrer das nie bei dir bemerkt oder dass deinen Eltern das aufgefallen wäre?

Kommentar von Liquidchild ,

Nein die Lehrer haben das nicht bemerkt, ich hab die Klassen ja bis jetzt immer bestanden, da hat das dann auch niemanden mehr interessiert

Antwort
von yacofred, 11

Hi Liquidchild,

welche Vorteile sollten das denn sein, wenn Du ein Testergebnis vorlegst? Da wäre ich vorsichtig. Auch ein Nachteilsausgleich dient nur dazu, dass man Dich weiterhin mit durch die Prüfungen schleppen kann, ohne Versprechungen für gute Noten. Das nützt der Schule, die Dich weiter bewerten kann, aber Dir nichts mehr beibringen muss - sie gibt ja Nachteilsausgleich, hahaha! Den Schaden bei Misserfolg musst Du weiterhin selbst tragen und auch noch akzeptieren, dass man Dir nachsagt, es läge nun doch eindeutig und ausschließlich an Dir ?!

Rechenschwäche und Dyskalkulie sind Begriffe, die in einer schulischen Konkurrenz den Verlierern bescheinigen, dass sie irgendwie doch auch krank waren und man sie daher mit Mitleid und Schonung behandeln müsse (eigentlich). Das bedeutet auch, dass in der Schule niemand Dir wirklich helfen wird und auch niemand dafür vorgesehen oder ausgebildet wurde, Deine Defizite zu erkennen und zu beheben. Das ist der Stand des schulischen Elends.

Ein Test wird Dir also nichts nützen. Folgendes könnte helfen:

1. Eine förderdiagnostische Untersuchung Deines mathematischen Denkens (Lernstandsanalyse), die Deinen mathematischen Wissensstand genau analysiert.

2. Eine Rechenschwäcchetherapie oder Matheförderung, die entlang an einer solchen individuellen Diagnose Dein mathematisches Wissen neu aufbaut (Rechenschwächetherapeuten oder ein guter Förderschullehrer könnten das machen).

schau mal hier:

http://www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de/knol-google.pdf

Gruß yacofred

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