Wenn man bedenkt was wir von EU, dem deutschem Lebensmittelgesetz oder der Deutschen Lebensmittelbuchkommission sonst noch so vorgeschrieben bekommen, erscheint mir die Entscheidung durchaus passend.
Ein paar Beispiele was bei uns in Deutschland (nicht EU) so gilt:
Leberkäse, darf nicht Leberkäse heißen, wenn dort (wie es traditionell der Fall ist) keine Leber drin ist. Deshalb wird das Wort Fleischkäse (auch wenn da kein Käse drin ist) verwendet. Außer man spricht von Bayrischem Leberkäse, dann ist offenbar jedem Klar, dass da keine Leber drin ist, da in Bayrischem Leberkäse keine Leber enthalten sein darf.
Bis sich ein Hersteller letztes Jahr gewehrt hat, durfte ein Getränk nicht Limonade heißen, wenn es nicht genügend Zucker (oder Süßstoff) enthielt
Fleischsalat muss mindestens 25% Fleischsalatgrundlage oder Brühwurst enthalten, während Heringssalat mindestens 20% entgräteten Hering enthalten muss.
In Anbetracht dieser ganzen Vorschriften hat es mich eher gewundert, dass man bei veganen und vegetarischen Produkten nur wenig geregelt hat.
2013 hat die EU bereits für Käse beschlossen, dass dieser aus Tiermilch hergestellt sein muss. Damals auf Druck von Verbraucherschützern, da insbesondere in Fertiggerichten wie Pizza Hersteller mit dem billigerem und leichter zu verarbeitenden Analogkäse tierischen Käse einsparen.
Die aktuelle Regel ist zudem bei weiterverarbeiteten Produkten problematisch:
Um das Beispiel mit der Pizza und dem Analogkäse zu nehmen. Aktuell macht man das (teilweise) mit Käse. Mit Fleisch dagegen eher nicht, da da gute Ersatzprodukte teurer sind als das Original, während der Geschmack noch nicht so gut getroffen wird. Das wird sich aber ändern. Und wie nenne ich dann eine Pizza aus veganer Salami, klassischem Schweine-Schinken und echtem oder unechtem Käse.
- Vegane Salami + Schinken, vielleicht ist Schinken & Vegane Salami etwas weniger irreführend, aber ich denke das Problem wird deutlich. Natürlich würde das gesamte Produkt kein Vegan-Label bekommen können, da es nicht vegan ist, aber einerseits wird da nicht jeder drauf achten und andererseits wird es spätestens in einer Speisekarte auch niemand vermissen.
Bei Beyond Burger in einer Speisekarte werden wahrscheinlich schon jetzt zwar viele, aber nicht alle wissen, dass Beyond Meat, anders als Angus Meat o.Ä. ein Markenname ist, der darauf verweist, dass es kein echtes Fleisch ist, vielleicht wird es auch einfach als ein herausragender Burger gelesen, wenn das Wort übersetzt wird, denn das Gaststätten ihren Burgern Namen geben, ist ja normal.
Wenn nachgemachtes Fleisch echtes Fleisch geschmacklich (gerade versteckt als Zutat in einem Gericht mit vielen anderen Geschmacksträgern) erreicht und gleichzeitig günstiger wird, ist davon auszugehen, dass es nicht mehr möglichst prominent als Vegan/Vegetarisch beworben wird, sondern, dass man es als Ersatz oder zum Strecken von echtem Fleisch zur Reduzierung der Kosten nutzen wird.
Vielleicht passend dazu: In vielen Restaurants bekommt man "Schnitzel Wiener Art" - meist aus Schwein, da bei einem Wiener Schnitzel explizit Rind vorgeschrieben ist, während es bei einem Schnitzel Wiener Art keine Vorgabe dazu gibt aus was das Schnitzel besteht, da es kein geschützter Begriff ist.