Ich habe 1976 aus Neugier Esperanto zu lernen begonnen, wie wohl eine Geheimsprache funktioniert. Das kam sicher meiner Neigung zu Konspiration entgegen. Als Schulkind hatte ich schon mal die Ketelkloppersprak gelernt, was mir auch keine beruflichen Vorteile brachte.

Als sich für mich Esperanto als mutersprachgrenzenüberschreitende Horizonterweiterung erwies, war das durchaus mitmenschlich beglückend. Berufliche Chancenerweiterung gibt es zwar prinzipiell, aber das hat für mich keine Bedeutung. Ich lasse mich nicht gern auf eine einzelne Rolle reduzieren.

Esperanto zu lernen und zu praktizieren habe ich im Gegensatz zu Englisch nicht zwangsweise gelernt. Nicht nur, dass Esperanto leichter zu lernen ist, sondern die Lernerfolgserlebnisse gehen unter die Haut. Es macht einfach Freude sich freiwillig und motiviert Wissen anzueignen. Wer gegen Esperanto pestet, es hätte sich nicht durchgesetzt, der ignoriert, welches Glücksgefühl er sich entgehen lässt.

Dass es obendrein Freude macht Esperanto praktisch anzuwenden, ist ein nicht zu verachtender Bonus. Leider gibt es für das Esperanto keine bekannten Vorbilder. Deshalb halten viele Kritiker Esperanto für Quatsch. Vielleicht liegt es an fehlender Abenteuerlust oder zu starker Verhaftung an Zweckmäßigkeitsdenken, Verlust der Spielfreude.

Ich beobachte auch etliche Menschen, die Esperanto nur so weit lernen, wie sie ein paar Brocken Englisch radebrechen können. Die werden dem Geheimnis des Esperanto nicht so leicht auf die Spur kommen. Aber wer Esperanto bis zum muttersprachähnlichen Level an sich heranlässt, der hat kein Problem Ausländer als Brüder/Schwestern zu begreifen. Auch dafür gibt es kein Vorbild und man kann es auch nur vorleben und nicht mit Worten begreifbar machen.

Die Esperantowelt prägt meine Identität mit, das möchte ich nicht missen.

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Ich verstehe den Text teilweise/ungefähr

Muttersprache deutsch, internationale Sprache Esperanto, Nationalsprachen Englisch und Französisch

Ich verstehe die Frage weniger als sprachlich denn als soziologisch.

Gegenfrage: Welche Globalisierung ist gemeint? Für die Globalisierung der Wirtschaftsmächte werden demnächst Sprachen durch Blockchains ersetzt.

Dringend nötig ist, dass sich Menschen nicht länger davon abhalten lassen sich auch international zu solidarisieren. Da könnte eine neutrale Sprache, die niemanden bevorzugt, vernünftig sein. Aber bisher kamen vernünftige Lösungen eher nur zufällig zustande. Für eine internationale Sprache muss man auch international miteinander kommunizieren wollen. Global Player machen das mit Englisch. Der Rest interessiert sich nur selten für Gedankenaustausch über Sprachgrenzen hinweg, den meisten genügt in einer Fremdsprache nach dem Weg fragen zu können (wird zunehmend durch Googlemaps ersetzt). Mich wundert es nicht, dass eine freiwillig zu lernende Sprache sich nicht "durchsetzt".

Englisch haben wir in der Schule lernen müssen und das muss genügen. Weitere Fremdsprachen lernen wenige Menschen und nur, weil sie ein spezielles Interesse haben. Esperanto habe ich zum Beispiel gelernt weil ich neugierig war, wie eine Geheimsprache funktioniert. Erst später habe ich gelernt, wie beglückend es ist, sich freundschaftlich mit anderen Muttersprachlern verständigen zu können. Solch Verhalten hat sich bisher nicht "durchgesetzt", ist aber angesagt, damit der Verschwendung von Naturressourcen und Verpestung der Biosphäre Einhalt geboten werden kann.

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Gegen Esperanto spricht, dass Menschen kein Motiv haben mit anderen Menschen außerhalb ihrer Familie, ihres Freundes- und Kollegenkreises zu sprechen. Wer im Ausland eh nur am Strand liegt oder sich alte Steine anschaut, der kann sich auch mit Gesten und Kreditkarte durchschlagen.

Wer aber im Ausland fremde Menschen zu Freunden und guten Bekannten machen will, sich gemeinsam gegen Ausbeutung durch global Player solidarisieren will, der ist mit Esperanto besser dran als mit der Sprache der Ausbeuter.

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Mit der grammatikalischen Endung nach dem Verbstamm, die die Zeitstufe anzeigt:· -i Infinitiv (ami - lieben)· -as Präsens (amas - liebt)· -is Präteritum (amis - liebte)· -os Futur (amos - werde lieben)· estas amanta - bin, bist, ist... liebend· estas amata - werde, wirst, wird... geliebt· die Partizipien korrespondieren mit den einfachen Zeiten: -inta und ita, Vergangenheit, -onta und -ota Futur ... gibt es im Deutschen so nicht. Nur ein kleiner Einstieg, mehr auf https://de.wikibooks.org/wiki/Esperanto

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Menschen neigen nur schwer dazu etwas gemeinsames zu suchen und wenn, dann nur um sich gegen andere Menschengruppen zu verbünden. Da will man natürlich nicht, dass die gegnerische Gruppe mitbekommt, worüber man sich miteinander verständigt. Deshalb gibt es auch Fachsprachen, Jugendsprachen, Jägerlatein, Seemannsgarn, Familiensprachen und viele mehr. In Dampfmaschinenzeiten gab es in Hamburg Kesselklopfer, die eine Geheimsprache entwickelten in der Hoffnung, dass die Chefs sie nicht verstünden: https://de.wikipedia.org/wiki/Kedelkloppersprook.

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Darauf kann man nicht individuell antworten. Die größte Herausforderung ist, das eigene Lernverhalten herauszufinden. Ich habe mehr als 3 Wochen gebraucht, um Esperanto sprechen und schreiben zu können. 1975 gab es noch kein Lernu.net und es funktionierte recht gut autodidaktisch mit Büchern. Schnelle Lernerfolge halfen mir immer wieder den inneren Schweinehund zu überwinden und täglich an die Lernarbeit zu gehen, wenn auch nur für eine viertel Stunde. Wichtig ist m. E. auch anzuerkennen, dass Esperanto nicht simpel ist, es ist nur wegen Fehlens von Ausnahmen von Grammatikregeln leichter zu lernen als andere Sprachen. Das mühsame Geschäft des Vokabellernens bleibt einem auch in Esperanto nicht erspart.
Wichtig erscheint mir noch folgender Hinweis: Viele Esperanto"sprecher" hören mit dem Lernen auf, wenn sie ihr Niveau erreicht haben, das sie von ihrem Radebrechenglisch kennen. Das macht dann wirklich auf Außenstehende den Eindruck, dass Esperanto eine Pidginsprache sei. Tatsächlich ist in Esperanto die Chance groß, eine muttersprachähnliche Fertigkeit zu erwerben, auch wenn es kein Land im herkömmlichen Sinne gibt, in dem Esperanto gesprochen wird. Gleichwohl gibt es eine bunte Sprechergemeinschaft, in der die Esperantokultur gepflegt wird. Mein Beitrag hierzu: maklerejo.de
Falls Du Unterstützung beim Lernen brauchst: www.staunberater.de/?Esperanto___Esperanto_lernen

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Für Menschen, die den einfachen Zugang zu Informationen über die Sprache und ihre Kultur durch das Internet ignorieren, hat Esperanto keinen Sinn. Dass solche Menschen sich hier so outen, macht für mich keinen Sinn.

Esperanto ist die demokratische internationale Sprache und bietet allen Menschen die Möglichkeit miteinander zu kommunizieren, ohne dass eine Sprechergruppe bevorzugt wäre.

Offenbar wissen zu wenige Menschen von dieser Option oder sie haben kein Interesse, sich international zu verständigen, bzw. bilden sich ein, sie könnten das mit Englisch bewerkstelligen. Es gibt die verschiedensten Spekulationen, weshalb Esperanto sich nicht durchgesetzt hätte. Was nicht ist, das kann noch werden. Verhindern werden jedenfalls Miesmacher die Entfaltung der internationalen Kommunikation mit Esperanto nicht.

Im Übrigen gibt es Esperanto-Lernmöglichkeiten nicht nur in Schulen und Universitäten. Die gibt es auch im Internet. Mein Angebot: www.staunberater.de/?Esperanto

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Genau so gut könnte man fragen, warum es immer noch Todesstrafen gibt und Millionen von Menschen verhungern. Es gibt so viele Dinge, von denen Menschen glauben, sie müssten sich durchsetzen. Von allein tun die Dinge das nicht. Die gutwilligen Menschen, die Dinge durchsetzen möchten, die der Menschheit gut täten, sind nicht so erfolgreich wie die Menschen, die Machtausübung und Unterdrückung meinen anwenden zu müssen. Und immer zu den Unterlegenen zu zählen lässt zuweilen resignieren.

Was Esperanto betrifft: Wer an die Idee der Völkerverständigung glaubt und trotz aller Widerstände seine Minderheitenposition nicht aufgibt, dem haftet leicht der Verdacht der Spinnerei oder des Sektierertums an, nur weil es ihm nicht gelingt, zu einer Mehrheitsgruppe aufzusteigen. Dem entsprechend werden Esperantosprecher*innen gern ignoriert und bestenfalls belächelt.

Außerdem gibt es Wichtigeres als sich mit Ausländern verständigen zu können, siehe oben. Die meisten geben sich mit den Status quo zufrieden, manche vielleicht mit der geballten Faust in der Hosentasche. Zu meinem großen Leidwesen geben sich viele Esperantosprecher*innen damit zufrieden die Sprache zu lernen und verzichten darauf sie anzuwenden. Wenn man nicht mit gutem Beispiel voran geht, kann man nicht erwarten, dass auch andere Menschen sich mit der Idee des Esperanto befassen.

Such doch mal nach Esperantosprecher*innen und frag sie, warum sie nicht mehr daran glauben, dass Esperanto Zweitsprache für jeden Menschen wird. Du wirst die unterschiedlichsten Antworten bekommen. Allerdings könnte Dir passieren, dass Du auf die Idee kommst, Esperanto zu lernen und die gute Idee bekannt zu machen, die dahinter steckt.

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Die Frage ist so leicht zu beantworten (und ist ja auch schon beantwortet), dass man den Verdacht haben kann, hinter der Frage stecke die Absicht, andere Nutzer dieser Seite auf die Existenz des Esperanto aufmerksam zu machen.

Da bin ich dann mal Trittbrettfahrer und mache meine Gedanken über Esperanto etwas bekannter: http://staunberater.de/?Esperanto. Angenehme Lektüre!

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Die Sprache ist schön

Esperanto hat das Beste aus den schönsten Sprachen der Welt. Seit 1976 habe ich auch die schönsten persönlichen Kontakte in der Welt. Die meisten EsperantosprecherInnen haben die Sprache gelernt nicht weil sie mussten (so wie z. B. Englisch), sondern aus freien Stücken. Das Erlernen von Esperanto schafft schnell Erfolgserlebnisse, weil man sich mit unregelmäßigen Verben, grammatikalischem Geschlecht und ähnlichem Ballast nicht abmühen muss. Die internationale Esperantokultur hebt sich deutlich von Nationalkulturen ab. Es ist spannend sie zu entdecken und mit zu gestalten.

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