Ich bin mittlerweile pingelig geworden was Trinkgeld angeht. Ich finde das System an vielen Stellen einfach bekloppt. Wieso ist es so normal einem Kellner wo ich mich noch melden muss um nicht auf dem trockenen zu sitzen Trinkgeld zu geben, aber wenn der Amazon-Bote ausgebeutet wird und mir 10kg Pakete hoch schleppt, gibt fast niemand Trinkgeld?!
Mich nervt vor allem diese Erwartungshaltung der Kellner, dass ihnen Trinkgeld zustehen würde. Wenn du nichts gibst, merkst du bei vielen sofort, dass sie sauer sind, und das lassen sie einen auch gerne spüren.
Wir haben in Deutschland zudem einen Mindestlohn und in der Gastro sind viele, die das nicht als Vollzeitkräfte machen. Es ist was anderes, wenn man im Ausland oder z.B. den USA ist. Aber in DE sehe ich das nur wenig ein. Vor allem bin ich bei jedem 2. Restaurantbesuch eigentlich nicht zufrieden. Letztens waren wir bei einem Hochzeits-Probeessen eines Freundes. Wir haben ernsthaft 3 Mal (!) drum gebeten, dass wir Nachspeisen bestellen wollen, es kam immer noch keiner. Irgendwann schnappte ich mir die Vorgesetzte, und dann kam sie auch direkt. Was erwartet man da? Bei sowas würde ich keinen Cent Trinkgeld zahlen.
Für mich muss man etwas tun, um Trinkgeld zu erhalten. Das muss nichts besonderes sein, einfach zuvorkommend sein, mich nicht auf dem trockenen sitzen lassen (das spült vor allem Geld in eure Kasse), und gerade wenn Extrawünsche umgesetzt werden, gebe ich gerne Trinkgeld. Aber nicht, wenn ich einfach nur mein Essen bekomme. Wofür sollte ich da Geld verschenken?
Ich habe selbst ein Jahr lang Getränkekisten ausgeliefert und habe auch da nie Trinkgeld erwartet. Klar war ich manchmal wenn ich 10 Kisten in die 4. Etage geliefert habe genervt, wenn ich kein Trinkgeld bekommen habe, aber es wäre mir niemals eingefallen, den Kunden das spüren zu lassen. Die Kollegen haben sich jedes Mal über wenig Trinkgeld beschwert, das konnte ich nie nachvollziehen. Ich habe es als nette Ergänzung gesehen und fand es mit 20-30€ für eine 6 Stunden Schicht auch immer ganz cool. Das Geld für den Schweiß zahlt mein Arbeitgeber, und dafür hat der Kunde bereits bezahlt, auch zusätzliche Liefergebühren. Der Kunde ist nicht verpflichtet, mir nochmal extra Geld zu geben. Wieso sollte er auch, wenn er neben den Produkten (welche teurer als im Supermarkt sind) noch eine Liefergebühr bezahlt hat? Gerade von Personen, denen ich die Kisten nur vor die Garage gestellt habe, habe ich absolut keinerlei Erwartungshaltung gehabt, obwohl sie das sehr oft getan haben (weil das auch meist die wohlhabenderen waren). Aber solange ich einfach nur meinen Pflichten nachgehe, erwarte ich sowieso nichts. Genau so erwarte ich es aber auch von anderen, merke aber, dass es gerade in der Gastro völlig anders ist. Da wird immer wieder Trinkgeld erwartet, obwohl ich nicht einmal einen guten Service hatte.
Dazu kommt noch das Problem der Intransparenz. Ich weiß als Kunde nur selten, wo das Trinkgeld hin geht. Wenn das Essen gut geschmeckt hat, sollte der Koch schließlich auch etwas davon haben. Ob das Geld aufgeteilt wird, weiß ich aber meistens nicht. Noch genialer finde ich es, wenn ich z.B. in ein Café mit Selbstbedienung gehe, mir selbst an der Kasse etwas bestelle und bei Kartenzahlung (dort ist kein Bargeld möglich) direkt Trinkgeld auswählen muss. Für was denn bitte? Sowas finde ich einfach nur affig. Ich verschenke doch kein Geld aus Spaß an der Freude. Das kann ich lieber sinnvoll spenden an bedürftige Menschen, Kinder usw.