Ist ein Therapeut eine Autoritätsperson?

Ich habe mein ganzes Leben zumindest tendenziell immer mal wieder Probleme mit "Autoritätspersonen" gehabt, vorzugsweise dann, wenn sie meine Chefs waren.

Gestern habe ich meinem Therapeuten gesagt, dass er mir das Gefühl gibt, keine Lust (auf mich?) zu haben. Ich habe es differenziert begründet. Bis jetzt habe ich keine einzige volle Therapiestunde gehabt und vorletztes Mal begann sie 10 Min. zu spät und endete zum Ausgleich 10 Min. zu früh. Dafür vergondele ich Sprit und Parkgebühren und komme gefühlt auch in meinem Problem kein Stück weiter. Ich weiß halt nicht, ob er sich schlicht (auch) nach seiner Rente sehnt (Ende d. J. geht er), ob es an mir liegt oder ob die Situation, weil bereits die nächste Patientin wartete, daran Schuld war.

Daraufhin meinte er, dass es tatsächlich die wartende Patientin war, weil die Wände sehr dünn sind und man alles mithören kann, aber ich wäre fordernd und würde ihm schon auf die Nerven gehen, "also mal so als direktes Feedback." Mit durchaus zugewandter Körperhaltung und auch einem kleinen Lächeln :)

Joa, kann man so sehen, wenn man da eine fast 60-jährige sitzen hat, die tatsächlich noch etwas gutmachen und verändern will.

"Manche Patienten kommen ja nur, um zu erzählen, dass ihnen mal jemand zuhört." Tja, das reicht mir nicht! "Ja, Sie wollen, dass ich da einsteige und das ist anstrengend!" Tja, nix für alte Männer ;) Natürlich auch mit einem Lächeln gesagt!

Ich sitze hier und frage mich, ob das zielführend ist, jemandem zu sagen, dass er nervt. Ich will jedenfalls NICHT solche Antworten geben (müssen).

Jetzt habe ich den nächsten Termin Anfang Juli. Zuerst hat er Urlaub und dann bin ich verplant. So zieht es sich seit Oktober letzten Jahres in großen Abständen hin und irgendwie habe ich nur das Gefühl, dass mir die Zeit wegrennt und nichts passiert.

Ich habe vor bald 13 Jahren eine Therapie gemacht, die wirklich gut war, aber da wusste ich eben auch viel weniger. Jetzt stelle ich Zusammenhänge her, denen er nicht folgen will, beharrt aber gleichzeitig darauf, tiefenpsychologisch zu arbeiten.

Ich frage mich, ob ich undankbar bin und ob ich zu viel erwarte.

Therapie, Alter, Psychologie, erwartungen, Liebe und Beziehung, undankbar
Ich zweifele an meinem Therapeuten?

Bewilligt ist nur eine Kurztherapie und ich frage mich, ob eine Verlängerung Sinn macht.

Kürzlich wurde online eine Hypnose zum Thema "Inneres Kind heilen" angeboten. Das war im Rahmen des "flow summit" der Younity Community. Es gab im Vorfeld ein paar wichtige Hinweise, nach denen ich das eigentlich nicht hätte mitmachen sollen. Ich habe dennoch für mich entschieden, dass ich mich darauf einlasse und bin für diesen Mut ewig dankbar, denn letztendlich konnte ich dadurch einen sehr belastenden Glaubenssatz auflösen. Nicht, weil mir etwas anderes eingeflüstert wurde, sondern weil ich Bilder gesehen und etwas gefühlt habe, was unglaublich heilend war.

Heute war ich bei meinem Therapeuten und es fiel ihm auf, dass ich ganz anders aufgestellt bin. Ich habe ihm davon erzählt.

Er: (sichtlich bemüht um Fassung) "Es gibt Therapeuten, die da gar nicht mit einverstanden sind, wenn sich Patienten nebenbei noch anderweitig behandeln lassen, vor allem wenn sie selbst tiefenpsychologisch arbeiten."

Ich: (echt betroffen) "Ich dachte, Sie freuen sich jetzt mit mir, dass ich das Thema so wunderbar aufgelöst habe?!"

Er: "Es gibt dann Fälle, wo Patienten bei dem einen Behandler das Thema behandeln und bei dem anderen ein anderes. Und dann hätte das ja auch schief gehen können und dann hätte er dies wieder auffangen müssen."

Ich: " Ich habe Sie am Anfang nach Somatic Experience gefragt, aber das bieten Sie nicht an. Ich habe auch bei der Krankenkasse nachgefragt, Körpertherapien werden nicht übernommen. Meine restliche Lebenszeit ist mir unendlich kostbar (hat medizinischen Hintergrund) und ich habe keine Zeit mehr übrig, noch 3 Jahre in den Tiefen analytisch rumzugraben.

Er hat das dann schon verstanden, aber er hat auch gefragt, wann ich bei dem anderen den nächsten Termin habe. Tja, es ist tatsächlich so, dass ich bereits jemanden hier vor Ort kontaktiert habe und mir bei dem noch ein paar Hypnose-Sitzungen abholen will.

Ich habe mir für dieses Leben schon vor vielen Jahren eine Aufgabe vorgenommen und ich muss einfach Gas geben! Muss ich mich wirklich entscheiden?

Therapie, Hypnose, Psychologie, Alternative Heilmethoden