Wie entstehen Rudimente?

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3 Antworten

Lamarckismus bedeutet Vererbung erworbener Eigenschaften. Und zwar im Sinne der genetischen Vererbung. Da aber z. B. Aufbau von Muskelmasse bei Bodybuildern sich nicht in den Keimzellen widerspiegelt (die DNA bleibt ja ab der Befruchtung konstant), gilt der Lamarckismus (in dieser Form) als widerlegt.

Die Rückbildung von nicht gebrauchten Organen bezieht sich nicht auf das Individuum, sondern auf die Population im Laufe vieler Generationen.

Wenn eine Echsenart z. B in einer Umgebung lebt, in der man sich ohne Beine ebensogut fortbewegen kann wie mit Beinen, haben Individuen, die durch eine Mutation weniger stark ausgeprägte Beine haben, keinen Nachteil beim Überleben mehr. Eher noch einen kleinen Vorteil, weil sie weniger Energie und Baumaterial in ihre Beine stecken müssen. (Hinzu kommt noch die von SalvadorD erwähnte verringerte Verletzungsgefahr.)

Ein Rudiment ist nach dieser Vorstellung ein solches Organ, das in der Rückentwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten ist, und zwar so weit, dass es seine ursprüngliche Funktion nicht mehr ausüben kann, aber noch nicht völlig verschwunden ist.

(Übrigens stellt sich manchmal heraus, dass Organe, die für Rudimente gehalten wurden, doch noch eine Funktion haben, z. B. die Beckenknochen der Wale, die zwar keinen Zusammenhang mit den Knochen der Hinterflossen haben, wohl aber als Aufhänger für den Darmschließmuskel und möglicherweise weitere Organe dienen.)

irgendwann hatte ein Tier durch mutation ein bestimmtes Organ nicht mehr - aber das störte offensichtlich nicht ... vielleicht konnte das Tier damit sogar etwas, was die anderen Tiere nicht konnten - beispielsweise besser schwimmen (s. Wal ohne Becken). Bei den Nachkommen ist dann eine weitere Mutation aufgetreten - die auch keinen Nachteil hatte - aber nie fand eine Mutation statt, die das gesamte ORgan verschwinden ließ - vielleicht in 100.000 Jahren???

Entstehen Rudimente durch Selektion- also, dass zum Beispiel die Schlange, die Beine hatte immer weiter "ausgestorben" ist, weil sie einen Nachteil hatte sich fortzubewegen und einfach schlechter angepasst war? oder entstehen Rudimente durch die Rückbildung von Organen?

Jein. Nicht so, wie du es meinst.

Höhlenbewohnende Tiere haben z.B. rudimentäre Augen. Aber nicht direkt, weil Augen einen Nachteil darstellen, sondern weil das FEHLEN ein Vorteil ist, nämlich ein "wirtschaftlicher". Augen kosten Energie und Material. Kosten, deren Einsparung überlebenswichtig sein kann in einer dunklen Umgebung. Außerdem sind Augen ein potenzieller Infektionsherd und leicht verletzbar. Ihr Fehlen eliminiert eine gesundh. Bedrohung und das ist in einer Höhle bedeutsamer als der unwahrscheinliche Fall, dass sie doch mal was zu sehen bekommen, was dem Tier nützen könnte.

Sie konnten sich zurückentwickeln, weil jede SONST schädliche Mutation eines Auges für diese Tiere nicht mehr durch die Selektion bestraft wurde. Dadurch sammeln sich solange "negative" Mutationen an, bis die Augen nicht mehr funktionieren.

In anderer Umgebung wird jeder Erbfehler sofort bestraft.

Also entstehen Rudimente dadurch, dass der Körper sich so verändert, dass das Organ immer weiter nachlässt, also durch Mutation und Gendrift etc? Und die Selektion steht auch damit in Verbindung, weil die Lebewesen, die noch Augen hatten einen Nachteil hatten? Habe ich das richtig verstanden?

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@MelliSamu95

Aber haben diese ihre Augen durch Selektion verloren?

Liest du, was ich schreibe? Kommt mir nicht so vor. Selektion finder IMMER und überall statt. Manche Mutationen sind neutral, manche lethal und einige wenige sind vorteilhaft.

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@SalvadorD

Ich hatte den unteren Teil nicht gesehen, also er wurde bei mir nicht angezeigt erst nachdem ich mein Kommentar abgesendet habe, deswegen habe ich gerade mein Kommentar auch nochmal geändert, tut mir leid!

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@MelliSamu95

Auch ohne den von mir ergänzten Zusatz ist doch klar, dass Selektion am Werke ist. Was auch sonst?

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