Welche psychischen Erscheinung sind in der Selbstbeobachtung zugänglich?

3 Antworten

Selbstbeobachtung lässt sich wie alle Techniken selbstverständlich trainieren. Und so gibt es einige Dinge, die der Eigenbeobachtung sehr leicht zugänglich sind, und für die man daher nur die Sensisibilität steigern kann oder eine Art Feinanalyse betreibt, mit der der Variantenreichtum zugänglich wird. Andere Dinge wiederum werden überhaupt erst zugänglich, wenn man sich auf ein hohes Maß von Introspektion einzulassen bereit wird.

Schließlich gibt es auch noch die Verhaltens- oder Erlebensanteile, die erst durch gewisse Techniken zugänglich werden, weil sie weitgehend im Unbewussten verborgen liegen.

Leicht zugänglich sind spntan auftretende Antriebsmomente, d.h. Begehrlichkeiten nach spezifischer Nahrung, nach Betätigung, Bewegung, nach aufregenden Erfahrungen, Herausforderungen oder umgekehrt nach Ruhe, Entspannung, Schlaf oder auch nach Einsamkeit und Abgeschlossenheit.

Ebenfalls leicht zugänglich sind die diversen Gefühlsmomente wie Glücksgefühle, Freude, Stolz, Liebe, Sorge, Erleichterung, Neid, Missgunst, Verbitterung, Überlegenheit, Verachtung, Bewunderung. Jedes einzelne dieser Gefühle kann zudem in zahlreichen Varianten erfahren werden. So etwa wird Freude über ein mich wertschätzendes Geschenk anders erlebt als die Freude, wenn man gelobt wurde, oder wenn den eigenen Kindern etwas geglückt ist. Auch die Freude bei der Betrachtung einer Landschaft oder eines bestimmten Geschehens aktiviert wieder geringfügig andere Gefühlskomponenten. 

Man kann also sagen, dass in der Regel Gefühle aus mehreren Komponenten in unterschiedlicher Ausprägung zusammen gesetzt sind, zudem haben sie differente Qualität, Intensität und Dauer. Es gibt sogar Gefühle, die sich aus widersprüchlichen Anteilen zusammensetzen, wie die bekannte Angstlust, der Thrill, bei dem Neugier und Hinwendungsneigung mit Furcht und Schauder kombiniert sind. 

Deutlich schwieriger sind uns die reaktiven Erlebnismomente zugänglich, weil sie in der Regel nur durch eine differenzierte Analyse aufzuschlüsseln sind. So etwa kommen in der Begegnung mit einem mir sympathischen Menschen zahlreiche emotionale Effekte zusammen. So etwa das Begehren nach Nähe, nach kommunikativer Begegnung, nach positiver Selbstpräsentation, nach ästhetischer Wahrnehmung, nach exklusiver Zweisamkeit, die nicht durch dritte gestört werden sollte, und nach der Erfahrung von Resonanz, d.h. einem Gleichklang der Gefühle, was wiederum Glücksmomente aktiviert. Ganz entsprechend erlebe ich bei einem mir unsympathischen Menschen Fluchtneigung, Abstoßung, Vermeidung von Blickkontakt, das Bedürfnis, die Körpervorderseite wegzudrehen, die Augen verstärkt zu schließen und eine innere Unruhe, die sich auch in intentionalen Körperbewegungen zu erkennen gibt. 

Ganz schwierig wird die Selbstbeobachtung bei den unbewussten psychischen Erlebnismomenten. So etwa, wenn ich die ungemein komplexe Reaktionsstruktur auf meine Mutter oder einen anderen, durch eine lange Biografie vertrauten Angehörigen analysieren wollte. Hier schwingen zahlreiche Reminiszenzen aus weit zurückliegenden Begegnungen mit, die mir im einzelnen nicht mehr bewusst zugänglich sind. Diffuse Ängste, Sorgemomente, die mich antreiben, bestimmte Gefühle nicht zeigen zu dürfen oder gerade umgekehrt zeigen zu müssen, ferner Momente der Verstellung, der affektiven Überformung oder auch der Neigung allerlei sich andeutende Ausdruckmomente unterdrückt zu halten. 

Bilanz: Das Feld der möglichen Selbstbeobachtung ist äußerst weit geöffnet, und es liegt ganz in unserem Erkenntnisinteresse, in wie weit wir uns einer analysierenden Betrachtung hingeben wollen.

Ich würde sagen, fast alle. Die Frage lautet, wie gut ist Deine Selbstbeobachtung ausgeprägt?

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