Was ist eine Materialschlacht?

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Eine Materialschlacht ist eine wesentlich durch einen gewaltigen Einsatz Material gekennzeichnete Schlacht. Als Material werden dabei nicht nur Kriegsgeräte und Munition, sondern auch Soldaten betrachtet. Das Ziel ist, Gegner durch einen ungeheuren Materialaufwand zu bezwingen.

Massen wurden zusammengezogen, um einen Gegner schon eine riesige zahlenmäßige Überlegenheit zu überrennen. Die Hoffnung war, die feindliche Linie auf kleiner Front mit möglichst großer Wirkung zu durchbrechen.

Kriegskunst durch kluge strategische und taktische Ideen tritt dagegen in den Hintergrund. Besonders wenn beide Seiten sich gleichzeitig mit der gleichen Absicht entgegentraten, konnte es zu einem fürchterlichen Gemetzel und Verschleiß kommen.

Im ersten Weltkrieg kam es an der Westfront bald zu einem Stellungskrieg (aufgrund der technischen Entwicklungen war damals die Verteidigung in einer relativ starken Lage), in der keine offene Feldschlacht mehr möglich war.

Die Materialschlachten des Ersten Weltkrieges waren von einer Vorherrschaft des Geschütz- und Gewehrfeuers geprägt, dessen Hauptträger eine vermehrte Artillerie war (daneben spielte auch das Maschinengewehr eine große Rolle). Ihre erheblich gesteigerte Reichweite machte das indirekte Feuer zur Standardform des Artilleriekampfes. Dies führte zu einer Ausdehnung der Gefechtszone.

Die logistischen Anforderungen (Bereitstellung von Material und dessen Nachschub der Materialschlacht) erforderten oft langfristige Planung und Koordination.

Beispiel für Materialschlachten im Ersten Weltkrieg sind die Schlacht von Verdun 1916 (enorme Konzentration auf einem engen Raum), die Schlacht an der Somme 1916 und die Schlacht an der Aisne 1917.

http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/material/index.html: „Im Frühjahr 1915 unternahmen die Alliierten mehrere Versuche, mit massiver Artillerieunterstützung das deutsche Grabensystem an einigen Frontabschnitten zu durchbrechen. Nach jedem Artilleriebeschuß stürmten Infanterieeinheiten vor. Keiner der Angriffe brachte die entscheidende Wende. Für die Angreifer war ein Ansturm auf das gegnerische Befestigungsbollwerk weit verlustreicher als für die Angegriffenen. Durch den massiven Einsatz von Artillerie, Granaten, Minen und Bomben entstanden überall grabenzerfurchte, sumpfartige Geländeflächen. Dörfer, Städte und ganze Landschaften waren nach ihrer Zerstörung völlig gesichtslos und unbewohnbar. Diesen Zerstörungen standen minimale Geländegewinne gegenüber, die in der Regel schon nach kurzer Zeit wieder verlorengingen. Auch die Soldaten wurden wie Geschütze und Munition als einzusetzendes Material betrachtet. Ihnen wurde täglich der Einsatz ihres Lebens abverlangt. Der Tod wurde als "Heldentod" fürs Vaterland verklärt und sollte seinen individuellen Schrecken verlieren. Einen traurigen Höhepunkt erreichte das Konzept der Materialschlacht mit den Kämpfen um die Festungsanlagen von Verdun.“

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