Warum wird Nietzsche plätzlich zum Nihilisten?

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Friedrich Nietzsche stammte zwar aus einem protestantischen Pfarrhaus, hat sich aber aus diesem geistigen Rahmen gelöst.

Er hat zwar im Herbst 1864 ein Studium der Theologie und Klassischen Philologie an der Universität begonnen, die Theologie aber nach einem Jahr aufgegeben und ist an die Universität Leipzig gewechselt. Zugleich zeigte sich auch ein Interesse an Philosophie (im Herbst 1865 fesselte ihn Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung).

Gegenüber seiner Mutter bekundete Nietzsche Glaubenszweifel (Vgl. Christian Niemeyer, Nietzsches Leben. In: Nietzsche-Handbuch : Leben - Werk - Wirkung. Herausgegeben von Henning Ottmann. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, S. 13 – 14).

Nietzsche hat später rückblickend seine geistige Entwicklung dargestellt.

Friedrich Nietzsche, Zur Genealogie der Moral : eine Streitschrift (1887). Vorrede. 3.
„Bei einer mir eignen Bedenklichkeit, die ich ungern eingestehe — sie bezieht sich nämlich auf die Moral, auf Alles, was bisher auf Erden als Moral gefeiert worden ist —, einer Bedenklichkeit, welche in meinem Leben so früh, so unaufgefordert, so unaufhaltsam, so in Widerspruch gegen Umgebung, Alter, Beispiel, Herkunft auftrat, dass ich beinahe das Recht hätte, sie mein „A priori“ zu nennen, — musste meine Neugierde ebenso wie mein Verdacht bei Zeiten an der Frage Halt machen, welchen Ursprung eigentlich unser Gut und Böse habe. In der That gieng mir bereits als dreizehnjährigem Knaben das Problem vom Ursprung des Bösen nach: ihm widmete ich, in einem Alter, wo man „halb Kinderspiele, halb Gott im Herzen“ hat, mein erstes litterarisches Kinderspiel, meine erste philosophische Schreibübung — und was meine damalige „Lösung“ des Problems anbetrifft, nun, so gab ich, wie es billig ist, Gott die Ehre und machte ihn zum Vater des Bösen. Wollte es gerade so mein „A priori“ von mir? jenes neue, unmoralische, mindestens immoralistische „A priori“ und der aus ihm redende ach! so anti-Kantische, so räthselhafte „kategorische Imperativ“, dem ich inzwischen immer mehr Gehör und nicht nur Gehör geschenkt habe?… Glücklicher Weise lernte ich bei Zeiten das theologische Vorurtheil von dem moralischen abscheiden und suchte nicht mehr den Ursprung des Bösen hinter der Welt. Etwas historische und philologische Schulung, eingerechnet ein angeborner wählerischer Sinn in Hinsicht auf psychologische Fragen überhaupt, verwandelte in Kürze mein Problem in das andre: unter welchen Bedingungen erfand sich der Mensch jene Werthurtheile gut und böse? und welchen Werth haben sie selbst? Hemmten oder förderten sie bisher das menschliche Gedeihen? Sind sie ein Zeichen von Nothstand, von Verarmung, von Entartung des Lebens? Oder umgekehrt, verräth sich in ihnen die Fülle, die Kraft, der Wille des Lebens, sein Muth, seine Zuversicht, seine Zukunft? — “

Nihilismus bezeichnet bei Friedrich Nietzsche einen Zustand, in dem der Mensch letztlich nur noch das Nichts (lateinisch „nihil“) will. Alles gilt als nichtig. Damit leugnet er nach Deutung Nietzsches alles, was für sein Dasein wesentlich ist. Indem der Mensch etwas will, gibt er sich Zweck und Ziel, sein Dasein erhält einen Inhalt. Ein Wille zum Nichts kann nach Nietzsches Urteil nur Ausdruck äußerster Verrohung oder Verelendung sein.

Der Nihilismus ist für Nietzsche selbst nur ein Zwischenstadium, das zu überwinden ist (vgl. z. B. „Also sprach Zarathrustra. Teil 1 (1883). Die Reden Zarathustra’s. Von den drei Verwandlungen).

Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente 11 [411] (1887/8) Vorrede. 4.
„Denn man vergreife sich nicht über den Sinn des Titels, mit dem dies Zukunfts-Evangelium benannt sein will. „Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwerthung aller Werthe“ — mit dieser Formel ist eine Gegenbewegung zum Ausdruck gebracht, in Absicht auf Princip und Aufgabe: eine Bewegung, welche in irgend einer Zukunft jenen vollkommenen Nihilismus ablösen wird; welche ihn aber voraussetzt, logisch und psychologisch, welche schlechterdings nur auf ihn und aus ihm kommen kann. Denn warum ist die Heraufkunft des Nihilismus nunmehr nothwendig? Weil unsere bisherigen Werthe selbst es sind, die in ihm ihre letzte Folgerung ziehn; weil der Nihilism die zu Ende gedachte Logik unserer großen Werthe und Ideale ist, — weil wir den Nihilismus erst erleben müssen, um dahinter zu kommen, was eigentlich der Werth dieser „Werthe“ war… Wir haben, irgendwann, neue Werthe nöthig…“

Nihilismus ist bei Nietzsche mit seiner Erkenntnistheorie (Wahrheit nur Vorstellung/Fiktion/Illusion) und seiner Moralphilosophie (jede Moral von Machtverhältnissen abhängig und Wertungen nur eine Fülle ästhetisch gleichberechtigter Wertschätzungen) verbunden.

Es gibt nach Nietzsches Überzeugung keine umfassende Einsicht in das Wesen der Welt, den Grund des Daseins oder die Zuverlässigkeit unseres Wissens. Alle weitreichenden Begriffe seien unser eigener Entwurf. Nietzsche bestreitet, unseren „Wahrheiten“ entspreche eine unabhängig davon bestehende Wirklichkeit. Nietzsche erklärt alles für eine Sache der Perspektive, nur von daher habe es Sinn und Bedeutung.

Nietzsche bestreitet unbedingte, für alle Zeit gültige moralische Urteile. Er tritt für eine Umwertung aller Werte ein.

Friedrich Nietzsche ist nicht für ein Verharren im Nihilismus eingetreten, sondern für ein neues Setzen von Werten. Er hat sich selbst als jemand verstanden, der den Nihilismus in sich zu Ende gelebt und hinter sich gelassen hat, sich nicht damit abfinden will, es solle überhaupt keinen Sinn mehr geben. Die Aussage, Gott sei tot, ist eine Diagnose verschwindender Sicherheit des Glaubens an Gott und seiner Wertgrundlage.

Nietzsche ist gar nicht so plötzlich zum Nihilisten geworden, sondern dies ergab sich aus einer Abwendung von herkömmlichen Standpunkten und radikalem Zweifel an allgemeingültiger Wahrheit, die eine objektive Entsprechung zu einer tatsächlichen Welt sei. Nietzsche hielt das Perspektivische für eine Grundbedingung allen Lebens und erklärte Wahrheit für das, was einer bestimmten Lebensform aus ihrer Perspektive am dienlichsten scheint, also nicht für objektiv oder intersubjektiv gültig (eine Auslegung der Welt nach Bedürfnissen und eine Bestimmung der Wahrheit von dem, was für jemand lebensdienlich ist, her durch Nietzsche sind bedenklich, weil, sich so etwas einer Überprüfung durch die Vernunft zu entziehen droht).

Nietzsche begriff sich spätestens ab 1876/7 als Aufklärer und Psychologe und folgte vor allem einem Drang zur schonungslosen Entlarvung. Nietzsche möchte die Bedingungen freilegen, in denen, wenn überhaupt, neue Werte und höhere Lebensleistungen gründen.

Volker Gerhardt, Friedrich Nietzsche. Originalausgabe 4., aktualisierte Auflage. München : Beck, 2006 (Beck'sche Reihe : Denker ; 522), S. 46:
„Mit den Aphorismenbüchern ‹Menschliches, Allzumenschliches›, ‹Vermischte Meinungen und Sprüche› sowie ‹Der Wanderer und sein Schatten›, die in dichter Folge zwischen 1878 und 1789 erschienen, vollzieht Nietzsche den Übergang zum «freien Geist», also zu einem unabhängigen Denker im Stil vorurteilsloser Kritik – anscheinend ohne jeden Systemanspruch. Die ersten Aphorismen sind dem Andenken Voltaires gewidmet. Schon dies ist eine offene Kampfansage an die deutschtümelnde Spätromantik im Wagner-Kreis. Nietzsche will nun als Aufklärer und Europäer verstanden werden und vollzieht, wie er immer wieder sagt, seine «grosse Loslösung» von den überkommenen Werten und Tugenden. Er ist nun gänzlich darauf ausgerichtet, selbständig, unabhängig und radikal zu urteilen, um schließlich aus eigener Kraft nach eigenen Zwecken handeln zu können.“

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S. 142 -143: „Nietzsche betont lediglich, daß aller «Sinn», alle «Bedeutung» immer nur in Perspektiven entsteht – Bewußtsein ist damit selbst eine «perspektivische Sphäre» (N 1883/86, 1/124; 12, 40) -, und er wird nicht müde, den daraus folgenden Verlust aller absoluten Erkenntnisansprüche vor Augen zu führen: Es gibt keine «Wahrheit», kein «Sein» und keine «Wirklichkeit»; es gibt überhaupt nichts, das wir unabhängig von unseren eigenen Daseinsbedingungen zu erkennen vermöchten; folglich verliert auch die Rede von Gott ihren Sinn. Nietzsches berühmt-berüchtigte These «Gott ist todt!» hat ihren Grund ebenfalls in der […] Einsicht in die Endlichkeit des menschlichen Erkennens.

Auch bei diesem vielzitierten, ja geradezu populären Satz - «Gott ist todt!» - sind Standpunkte und Perspektive zu beachten. Das gilt auch für das Textumfeld: Nietzsche legt das Diktum einem «tollen Menschen», einem «Narren» in den Mund, der als Gottsucher auftritt und von der umstehenden Menge verlacht wird. Dieser Narr glaubt, daß der Mensch mit seiner Erkenntnis, wie sie seit Kopernikus die Naturwissenschaften beherrscht und spätestens seit Kant auch von der Philosophie betrieben wird, Gott Schritt für Schritt getötet habe. «Gott ist todt!» soll also auch einen historischen Vorgang zum Ausdruck bringen (FW 125; 3, 480). Es ist ein Vorgang, in dem Nietzsche seinen geschichtlichen Ort bestimmt und aus dem er für sich selbst eine Aufgabe gewinnt: «Das grösste neuere Ereigniss», - dass ‹Gott todt ist›, dass der Glaube an den christlichen Gott unglaubwürdig geworden ist – beginnt bereits seine ersten Schattten über Europa zu werfen» (FW 343; 3, 573); Es ist der Schatten, des «Nihilismus», als dessen Verkünder und, wenn möglich, Überwinder sich Nietzsche empfiehlt.“

N = Nachlaß

FW = Die fröhlche Wissenschaft

S. 166: „Nihilismus also heißt, daß es auf die ins große gerechneten Sinnfragen Sinnfragen keine Antworten mehr gibt. Schon daran erkennen wir, wie eng die Epochendiagnose mit Nietzsches eigenem Denken verbunden ist; schließlich ist er es, der wie kein zweiter in seinem Jahrhundert die Sinnfragen stellt. Und in der Tat gibt es anzeichne, daß ihn seine Einsicht in die Unausweichlichkeit des Nihilismus tief erschüttert hat.“

S. 167 - 168: „Der moderne Nihilismus ist ein Wendepunkt der europäischen Kultur, eine zeit der Krise, die mit historischer Notwendigkeit gekommen ist und die , wenn der Mensch noch eine Zukunft haben soll, aus eigener Kraft überwunden werden muß. Die von den Priesterreligionen im Laufe von Jahrhunderten vollzogene «Umwertung der Werte» muß mit aller Konsequenz zu Ende gebracht werden, um von so erreichten nihilistischen Tiefpunkt aus eine erneute – gegen den ressentimentgeladenen Asketismus gerichtet - «Umwertung der Werte» möglich zu machen. Das kann dann die «grosse Genesung» der Kultur bedeuten, die Befreiung von der Knechtschaft der «Herdenmoral» und die Morgenröte einer Epoche des «freien Geistes». Die freien Geister könnten dann erkennen, bis zu welchem Grade sie die Schöpfer neuer Werte sein und damit ihren «Sinn» in die Geschichte zu legen vermögen (N 1886/87, 6, 25; 12, 243).

Zur Realisierung dieses Zieles sind zunächst die alten Werte zu destruieren. Deshalb präsentiert sich Nietzsche als Vollstrecker der Kritik an den überlieferten Werten und meint so entschlossen wie hoffnungsvoll, er sei der «erste vollkommene Nihilist Europas, der aber den Nihilismus selbst schon in sich zu Ende gelebt hat, - der ihn hinter sich, unter sich, außer sich hat …» (N 1887/88, 11/411, 3; 13, 190). In dieser Überzeugung nimmt er einen «activen Nihilism» für sich in Anspruch, der im Vollbewußtsein gesteigerter geistiger Kraft die bisherigen Werte kritisiert, der sich aber nicht damit abfinden will, daß es überhaupt keinen Sinn mehr geben soll (N 1887, 9/35; 12, 350)-. Vielmehr setzt er alles daran, die erstmals von Schopenhauer ausdrücklich gestellte und nun alle Menschen «auf eine furchtbare Weise» treffende Frage: «hat denn das Dasein überhaupt einen Sinn?» bis in ihre Tiefe hinein verstehen und in einer nicht mehr vom Leben und on den Sinnen abführenden Art beantworten zu können (vgl. FW 357; 3, 600). Kurz: Als konsequentester Nihilist möchte Nietzsche den Nihilismus überwinden und zumindest bis an die Schwelle einer neuen «Umwertung der Werte» führen.“

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Elisabeth Kuhn, Nihilismus. In: Nietzsche-Handbuch : Leben - Werk - Wirkung. Herausgegeben von Henning Ottmann. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, S. 293 - 298

S. 293: „Das Philosophem des «Willens zur Macht» bezeichnet jene Relations-Welt des Werdens, von der sich der ↗ Perspektivismus und die Interpretativität herleiten und die eine Revidierung und Neubesetzung der überlieferten Erkenntnistheorie unabdingbar macht. N.[ietzsche]s sich von Ende 1872 an abzeichnende Umdeutung der traditionellen Auffassungen der Erkenntnis und Erkenntnistheorie in die Persppektivenvielfalt der Affekte stellt insofern seine erste Ursprungsbestimmung der Erscheinung des Nihilismus dar, als diese Umbesetzung vom Illusorischwerden des überkommenen Wahrheitsbegriffs, d. h. von der Selbstzerstörung des höchsten Wertes der Wahrheit, ausgeht. Vom Sommer 1886 an zieht N.[ietzsche] gegenüber der Erkenntnistheorie die Moral und die Moralphilosophie als erste Ursprungsbetsimmung des Phänomen des Nihilismus vor, die das Illusorischwerden der moralischen Weltinterpretation, d. h. die Selbst-Zersetzung der moralischen Welt-Auslegung, auslösen.

Das Philosophem des «Nihilismus», der als Thema zum ersten Mal im Nachlaß aus dem Sommer 1880 erscheint, wird von N.[ietzsche] im weiteren Sinne seit dem Sommer und Herbst 1882, im engeren Sinne seit dem Sommer 1886 entfaltet.“

S. 296: „Der radikale und der extremste Nihilismus leiten die Selbstüberwindung des Nihilismus ein, indem sie erstens implizieren, daß die Selbst-Zersetzung der moralischen Welt-Interpretation abgeschlossen ist resp.[ektive] daß die Selbst-Zerstörung des höchstens Wertes der Wahrheit vollzogen ist, und zweitens evozieren, daß die alten Werte in die Gutheißung der Welt des werdenden und in der Umwendung des Willens zum Nein in ein dionysisches Jasagen in neue Werte umschlagen.“

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@Albrecht

Eine Frage habe ich an dich: Du hast meine andere Nietzsche-Frage ja auch schon so ausführlich beantwortet und nun möchte ich wissen, inwiefern du den ganzen Text immer selber schreibst....

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@Stoffel277

Den Text meiner Antworten schreibe ich ganz selbst. Dabei beziehe ich Werke von Nietzsche und Bücher über Nietzsche ein. Diese gebe ich an. Was ich wörtlich übernommen habe, ist dabei mit Anführungszeichen als Zitat gekennzeichnet.

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Nietzsche hat aufgrund von Beobachtungen festgestellt, dass all das, was wir mit dem Göttlichen verbinden - also Nächstenliebe, Moral, Güte - unter den Menschen nichts gilt, jedenfalls wenn diese sog. ethischen Tugenden sich unabhängig von Macht und Stärke Geltung verschaffen wollen (s. hierzu weiter unten). Er hat erkannt, dass unter den Menschen nur der Wille zur Macht und nichts außerdem zählt (so seine Formulierung! Genau wie im Tier- und Pflanzenbereich, wo immer der/ das Stärkere siegt), und dass die Menschen von aller Moral, menschlicher Zuwendung meilenweit entfernt sind, ja dass es geradezu gefährlich, auf jeden Fall töricht sei, seinen eigenen Machtwillen durch moralische Bedenken einzuschränken, weil man dann immer von den anderen, die sich strikt an ihren Willen zur Macht halten, über den Löffel balbiert wird (Nietzsche gebraucht das Wort „Macht“ als Metapher für alle Fähigkeiten, Talente, Fertigkeiten im Menschen, die jeder rückhaltlos zur Entfaltung bringen müsse; das nennt er Willen zur Macht. Wer das nicht tue oder über keine Macht verfüge, sei ein sog. Herdenmensch, m.a.W eine „Null“, und werde von den anderen entsprechend behandelt. Wenn man sich in der Gesellschaft umsieht, wird man feststellen, dass Nietzsche mit seiner „Machtphilosophie“ die Wahrheit ausgesprochen hat; deshalb ist er für mich einer der ganz Großen. Denn geachtet, anerkannt wird man in einer Gesellschaft nur, wenn man über Fähigkeiten, Talente, Fertigkeiten verfügt, die man erfolgreich zur Entfaltung gebracht hat. Wenn man daneben noch Güte, Mitleid, Hilfsbereitschaft zu erkennen gibt, steigert das natürlich das Ansehen, aber zu derartigen „menschlichen“ Fähigkeiten sei nur der Starke, Erfolgreiche in der Lage - sagt Nietzsche: Er verfüge über so viel „Macht“, dass er davon gerne etwas „abzweigt“ (oder auch nicht). Das Mitleid, die Güte aus einer Position der Schwäche heraus, die sog. christliche Moral, ist nach Nietzsche scharf abzulehnen, weil sie mit der „Wahrheit des Lebens“ nicht übereinstimme. - Da Nietzsche eine „Güte“ aus einer Position der Stärke heraus anerkannt hat, sozusagen als „Ausfluss“ aus dem Willen zur Macht, erkennt er immerhin auch an, dass nicht alles Macht, Macht beim Menschen ist. Ansonsten ist seine Philosophie zwar einerseits zutiefst wahr, andererseits aber – durch seinen Angriff auf die christliche Moral – gefährlich, falls man den Philosophen wörtlich und ernst nimmt. Davor wird immer wieder von Seiten anderer Philosophen gewarnt. Schon Blaise Pascal hat gesagt: „Was ist der Mensch ohne christliche Moral: ein Monstrum!“; siehe z.B. Stalin und H.! – oder Thomas Mann: „Wer Nietzsche wörtlich nimmt, wer ihm glaubt, ist verloren!“). – Aufgrund seiner scharfen Ablehnung der christlichen Moral ist Nietzsche auch ein prononcierter Gottesleugner. Nicht ganz klar ist, ob er es für möglich hielt, dass es Gott früher einmal gegeben hat und wir, die Menschen, Gott getötet haben (s. Zarathustras Aussage: Gott ist tot, wir haben ihn getötet!“). Vielleicht meinte Nietzsche, dass wir das Göttliche in uns getötet haben, dass Gott aber doch noch irgendwo existiert. Wahrscheinlicher ist aber, dass er Gott für wirklich tot hielt. Damit ist er ein echter Atheist geworden und folgerichtig auch ein Nihilist; denn dort, wo der gläubige Mensch Gott vermutet, ist ja das „Nihil“, das Nichts. Fazit: Nietzsche ist zu einem Nihilisten geworden, weil er das Göttliche und seine Gesetze, die Moral, die Nächstenliebe, nirgends mehr aufgespürt hat. Güte, Mitmenschlichkeit sind für ihn nur noch „Abzweigungen“ des Willens zur Macht (s.o.), nichts Göttliches. – Zum Wahnsinn Nietzsches noch ein Wort: Seine allerletzten Schriften (z.B. „Antichrist“) sind tatsächlich schon vom Wahnsinn geprägt; z.B. folgender Satz: „Die Schwachen und Missratnen sollen zugrunde gehen: erster Satz unserer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen....“ u.a. Kurz nach dieser Schrift ist Nietzsche im Wahnsinn versunken.

Kannst du das mit Quellen belegen?

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Der Mann war krank. Das ist erbnstzunehmen. Am besten verstehst du Nietzsche, wenn du gerade frisch vom Alkohol entwöhnt bist.

Kurzbiographie von Nietzsche: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/NietzscheFriedrich/

so wie es aussieht, hat er aufgrund seiner langsam beginnenden psychischen Erkrankung eine Art Größenwahn gebildet. Aus diesem heraus sah er den Menschen als : ""Das zugrundeliegende Menschenbild konzipiert den "Übermenschen" als einen "Überwinder" des Endlichen, in seinen Interessen befangenen Menschen. Erst der Übermensch erkenne die ewige Wiederkehr des Gleichen in der Geschichte und könne so die konsequenteste Form des Nihilismus erleben.." "(oben aus der Biographie zitiert)

er hat sich von Gott abgewendet, da er den Menschen gleichbedeutend mit Gott sah - so würde ich das sehen...

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