warum ist der weg das ziel?

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15 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Weil entscheidend ist, auf welche Weise du das Ziel zu erreichen gedenkst. Wenn wir z. B. einfach nur das Leben an sich betrachten und wir ganz profan behaupten das Ziel wäre nichts anderes als der Tod, dann ist doch auch entscheidend, wie wir dieses Leben führen, denn damit beeinflussen wir wesentlich, wie und wann unser Tod stattfinden wird. Ob wir etwa im Suff bei einem Verkehrsunfall enden oder uns sonst etwas zustößt hängt ganz von unserer Lebensweise und Grundeinstellung ab. So ist das eben auch bei anderen Zielsetzungen.

1) Herkunft und Bedeutung des Ausspruchs

Der Ursprung dieses oft verwendeten Ausspruchs ist nicht sicher bekannt. Wahrscheinlich geht er auf asiatische Weisheitslehren im fernen Osten zurück (z. B. Taoismus oder Zen-Buddhismus). Es gibt eine Aussage bei Konfuzius: „Zhi yu Dao“ (Lunyu 7, 6. Kapitel Shu Er). Dies kann wiedergegeben werden mit: „Ich habe meinen Willen auf das Dao (Weg) gerichtet.“ Eine Übersetzung, die sich verbreitet hat, ist: „Der Weg ist das Ziel“. Zu der Stelle insgesamt gibt es auch die Wiedergabe: „Vierfacher Weg der Bildung

Der Meister sprach: „Sich das Ziel setzten im Pfad, sich klammern an die guten Naturanlagen, sich stützen auf die Sittlichkeit, sich vertraut machen mit der Kunst.", was verdeutlich, wie zweifelhaft die Verwendung einer bestimmten wörtlichen Übersetzungsmöglichkeit ohne ausreichende Beachtung eines Zusammenhangs und des zugrundeliegenden Gedankens sein kann.

2) Zusammenhang mit der Frage nach dem Sinn des Lebens

Die Aussage „Der Weg ist das Ziel“ wird vor allem im Zusammenhang mit einer Frage nach dem Sinn des Lebens zitiert.

Eine erste ganz grundsätzliche Frage ist, ob es überhaupt einen Sinn an sich als objektive Gegebenheit gibt. Einige Weltanschauungen bejahen dies. Andere verneinen dies und halten es für verkehrt, nach einem vorgegebenen Sinn zu suchen.

Dann können einfach selbstgesteckte Ziele verfolgt werden.

Aussagen wie die, der Sinn des Lebens bestehe darin, den Sinn zu suchen, oder der Weg sei hier das Ziel, greifen meiner Meinung nach zu kurz und enthalten zum Teil sogar eine zirkuläre Argumentation (ein logischer Fehler). Wenn es ihn nicht gibt, kann er ja sowieso nicht gefunden werden. Wenn es ihn gibt, sollte der Sinn Richtungen und Stationen begründen können (wobei durchaus eine Vielfalt an Möglichkeiten bestehen kann) und es nicht völlig gleichgültig sein, wohin der Weg führt und ob jemand irgendwo ankommt.

Für die Existenz von etwas kann der Sinn sein, ein Potential zu verwirklichen, mit dem Gutes entsteht und da ist. Sinn heißt, ein übergeordnetes Ziel zu sein. Eine Erklärung könnte den Sinn des Lebens darin sehen, Glück zu erleben und die eigenen Anlagen in guter Weise zu entfalten. Ab hier beginnen aber individuelle Zielsetzungen und Menschen können sich an einer Konkretisierung für ihr eigenes Leben versuchen. Dabei öffnet sich ein weiter Raum dessen, was als sinnvoll empfunden und angestrebt werden kann.

3) relative Berechtigung und Grenzen einer Bedeutung des Weges

Das menschliche Verlangen hat kein festes Ende. Sobald ein Ziel erreicht ist, kann es Ausgangspunkt zu einem neuen Weg zu einem neuen Ziel sein.

Das Erreichen des Ziels liegt in der Zukunft. Wir leben immer in der Gegenwart. Auch den Augenblick genießen zu können, kann Bedeutung haben. Das Ziel kann beim Verwirklichen eventuell auch einmal zu Enttäuschung und innerlicher Leere führen. Dann war allerdings das Ziel vermutlich falsch gewählt. Eine Beschränkung auf das Hier und Jetzt ohne jedes Ziel und Pläne greift aber als Gesamtverhalten zu kurz, schon allein, weil das Handeln in der Gegenwart Erlebnisse in der Zukunft beeinflussen kann.

Eine Verabsolutierung des Lebensmottos mit einer völligen Beschränkung darauf, auf irgendeine Weise schon allein aufgrund des Daseins auf dem Weg zu sein, erspart sich auf bequeme Art die Bestimmung von Lebenszielen, die möglicherweise Weitblick und visionäre Kraft erfordern. Wer auf Zielstrebigkeit ganz verzichtet, hat aber geringere Chancen, auch etwas Gutes zu erreichen. Einen Sinn darin zu sehen, auf irgendeinem Weg zu sein, ist beliebig und unverbindlich und kann dazu benutzt werden, unliebsame Handlungsergebnisse zu rechtfertigen/beschönigen.

Es gibt eine Ähnlichkeit mit einem vor allem beim Sport verwendeten Motto: „Dabeisein ist alles!" Dies kann dazu dienen, sich über die Teilnahme selbst schon freuen zu können, eine übergroße Verbissenheit zu vermeiden und Druck von sich zu nehmen. Im Wettkampfsport wirkt es in der verabsolutierten Form nicht sehr ehrlich. Wer hat dabei keine Absicht zu gewinnen/eine möglichst große Leistung zu erbringen und versucht es nicht einmal? Wer unternimmt etwas völlig ohne ein Ziel?

4) Anstreben und Erreichen von Lebenszielen

Es gibt nicht nur ein einziges Ziel (außer einer Zusammenfassung aller Ziele auf einer abstrakten Ebene). Beim Verfolgen eins Ziels kann sich etwas einstellen, mit dem auf einem weiteren Gebiet, auf dem es auch Ziele gibt, etwas erreicht wird. Teilziele können erreicht werden. Wenn etwas nicht oder nicht völlig gelingt, kann dabei trotzdem in dem Versuch ein sinnvolles, erfüllendes Handeln liegen, das unter anderen Gesichtspunkten etwas verwirklicht. Menschen können dabei sogar innerlich wachsen. Bei Aufgaben können neben dem reinen Ergebnis auch Lernprozesse Bedeutung haben. Ein Ziel kann in einem mehr oder weniger hohen Grad erreicht werden. Menschen streben nach Glück. Sie können es auch erreichen, aber weil sie nicht vollkommen sind, gibt es dabei Grenzen. Trotzdem erleben sie Glück und haben dies als Ziel.

Eine Zielsetzung ist eine Ausrichtung für das Leben und ein neu gestecktes Ziel verändert das Leben. Menschen streben dann danach, das Ziel zu erreichen. Es ist eine Vorgabe. Wer ernsthaft ein Ziel hat, will es auch erreichen. Es besteht aber kein Zwang, hundertprozentig erfolgreich zu sein. Menschen müssen nicht ihre Ziele immer ganz und gar erreichen, um richtig zu leben. Wer allerdings überhaupt kein Ziel zumindest in einem gewissen Grad verwirklicht, sollte überlegen, ob er die Ziele klug gewählt hat oder sich durch völlig unrealistische, unerreichbare Zielsetzungen überfordert (Träume und Ideale möchte ich damit nicht grundsätzlich abwerten).

Ganz einfach gesagt vielleicht.
Du gehst von A nach B, dabei ist es nicht wichtig in B anzukommen, sonder es ist wichtig was du unterwegs siehst, erlebst und lernst.

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