Warum heißt der Kategorische Imperativ "kategorisch"?

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Das Adjektiv „kategorisch“ bedeutet unter anderem „unbedingt gültig“, „nicht an Bedingungen geknüpft“, „ohne Vorbehalt“, „keinen Widerspruch duldend“.

Ein kategorischer Imperativ ist ein unbedingter, allgemeingültiger Imperativ und enthält eine Maxime (ein dem Vernunftinteresse entnommener subjektiver Grundsatz) als sittliches Gebot, das sich als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung eignet. Ein kategorischer Imperativ gilt für alle Vernunftwesen, immer und überall. Es besteht eine Pflicht, als vernunftbegabtes Wesen dem Sittengesetz zu folgen, weil dies die Achtung vor dem mittels der Vernunft eingesehenen Gesetz gebietet.

Kant unterscheidet drei Stufen praktischer Vernunft/rationalen Handelns:

1) technische Imperative der Geschicklichkeit: Sie gebieten die notwendigen Mittel zu einer beliebigen Absicht.

2) pragmatische Imperative der Klugheit: Sie gebieten Handlungen, die für die tatsächliche Absicht förderlich sind.

3) kategorischer Imperativ

Die beiden ersten Stufen sind hypothetische Imperative. Ihre Gültigkeit steht unter einschränkenden Voraussetzungen. Die Handlung ist nur unter dem Vorbehalt subjektiver Absichten geboten: Wenn ich x möchte, dann ist y notwendig. Die Absicht/der Vorsatz ist dabei aber nicht notwendig.

Beim kategorischen Imperativ gibt es keine solchen nichtnotwenigen Bedingungen, die einschränkenden Voraussetzungen sind.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 43:
„Endlich gibt es einen Imperativ, der, ohne irgendeine andere durch ein gewisses Verhalten zu erreichende Absicht als Bedingung zum Grunde zu legen, dieses Verhalten unmittelbar gebietet. Dieser Imperativ ist kategorisch. Er betrifft nicht die Materie der Handlung und das, was aus ihr erfolgen soll, sondern die Form und das Prinzip, woraus sie selbst folgt, und das Wesentlich-Gute derselben besteht in der Gesinnung, der Erfolg mag sein, welcher er wolle. Dieser Imperativ mag der der Sittlichkeit heißen.“

Otfried Höffe, Immanuel Kant. Originalausgabe. 7., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2007. Beck'sche Reihe : Denker ; 506), S. 189:
„Dem Kriterium des uneingeschränkt Guten folgend, sind sittliche Verbindlichkeiten ohne jeden Vorbehalt gültig; sie bilden die dritte und nicht mehr überbietbare Rationalitätsstufe einer voraussetzungslosen, eben kategorischen Verbindlichkeit. Weil ein Imperativ dieser Stufe ohne jede Einschränkung verpflichtet, gilt er schlechthin allgemein: ausnahmslos und notwendig. Daher kann die strenge Notwendigkeit als Erkennungszeichen und Maßstab der Sittlichkeit gelten."

Kategorisch heißt er deshalb, weil es nur eine(n) einzige(n) Maxime (einen Imperativ) gibt, nach dem jeder Mensch immer und überall, nach seinem freien Willen, sein moralisches Handeln ausrichten soll.

Vielleicht wird dir das mit diesem Vergleich zwischen dem hypothetischen und dem kategorischen Imperativ deutlicher, denn ich bei Wikipedia geklaut habe:

Ein hypothetischer Imperativ ist demnach lediglich eine Vorschrift, in der ein Ziel und die dazu notwendigen Mittel bestimmt werden. Darum gilt er auch nur bezogen auf das bestimmte Ziel, nicht immer und überall und für jeden, also nicht kategorisch. („Lerne, damit du später einen Arbeitsplatz bekommst!“) Damit kann der hypothetisch gebietende Imperativ nicht als allgemeines Gesetz angenommen werden, da bei diesen Imperativen der Wille nicht sich selbst eine Pflicht auferlegt, sondern bezogen auf Externa Mittel zu einem Zweck verfolgt. Weil man nicht wissen kann, ob man sich die angestrebten Zwecke selbst gesetzt hat, oder ob sie von außen auferlegt wurden, kann der Wille, der nach hypothetischen Imperativen bestimmt ist, nicht frei sein. Weil er nicht frei sein kann, kann daraus kein moralischer Wert erwachsen. Im Gegensatz dazu unterwirft der kategorische Imperativ das Handeln formal einem allgemein gültigen Gesetz ohne Rücksicht auf einen bestimmten externen Zweck. Es gibt laut Kant nur einen einzigen kategorischen Imperativ, nach dem man handeln soll, das ist der bekannte Imperativ:** „Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!“.** „Du sollst lernen!“ ist kein (!) kategorischer Imperativ, weil die mögliche Absicht (das, was durch das Lernen erreicht werden soll) nicht bei jedem Menschen vorauszusetzen ist und weil man sich die Pflicht des Lernens nicht selbst auferlegt hat (sondern die Strukturen, die vermitteln, dass man ohne Lernen keinen Arbeitsplatz bekommt). Also ist „Du sollst lernen!“ auch nur ein hypothetischer Imperativ, auch wenn er der äußeren Form nach wie ein kategorischer aussieht - er hat keinen moralischen Wert und die darauf folgende Handlung ist moral-neutral.

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