War das Osmanische Reich im 15. und 16. Jahrhundert tolerant und multikulturell und warum?

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1 Antwort

Es war sicher multikulturell, da die Osmanen (ein türkischer Staat) Kleinasien (die heutige Türkei), Griechenland, den Balkan und die Levante eroberten - in diesen Gebieten lebten jedoch nicht nur Türken, sondern auch Römer (so nannten sich die Griechen), Serben, Albaner, Araber, arabische Christen, Juden usw.

Die Osmanen konnten also keine Assimilationspolitik verfolgen. Assimilation würde bedeuten, dass sie versuchen würden, die Untertanen dazu zu zwingen, die türkische Kultur anzunehmen. Das taten sie jedoch nicht, sondern tolerierten fremde Kulturen, aber natürlich nur solange sie die öffentliche Ordnung nicht störten.

Die einzelnen Kulturen durften ihre Religionen behalten: Es gab Orthodoxe Christen, Armenische Christen und Juden. Jede Religion war ein Millet (Religionsgemeinschaft), und die einzelnen Religionen hatten ihre eigenen Gesetze, die Griechen z. B. die alten römischen Gesetzen. Die einzelnen Religionen waren also autonom und durften ihren eigenen Regeln folgen.

Als die Juden 1492 aus Spanien vertrieben wurden, wanderten viele auch in das Osmanische Reich aus.

Aber auch wenn sie tolerant waren, waren die Gesetze der Osmanen dennoch diskriminierend. Die Christen und Juden waren Schutzbefohlene, die eine Kopfsteuer zahlen mussten (sie hatten also mehr Pflichten als die Muslime), trotzdem waren sie Bürger zweiter Klasse und durften z. B. keine Waffen tragen.

Trotzdem stiegen viele griechische Christen im Osmanischen Reich in hohe Ämter auf, allgemein genossen die Orthodoxen im Osmanischen Reich große Privilegien. Das Millet-System des Osmanischen Reiches ist eines der Beispiele für funktionierenden religiösen Pluralismus.

Allerdings kam es später (19. Jahrhundert), als das Osmanische Reich vom Westen schrittweise erobert wurde, zu Aufständen und Massakern an Christen, bis es dann im Ersten Weltkrieg zum Völkermord an den Armeniern kam.

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