Vergeben Internate Vollstipendien?

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Hallo Sruemia,

für hoch befähigte und darüber hinaus besonders engagierte Schülerinnen gibt es da bestimmt einen Weg. Wenn Sie z.B. den Internatsbesuch mit dem Reitsport verbinden wollen, würde sich Ihnen die Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt/Dosse empfehlen, die einzige Spezialschule für Reitsport in Deutschland. Hier käme für Sie (Schülerin der Oberstufe?) zwar wahrscheinlich nur noch das Angebot "Reiten im Rahmen des Sportunterrichts ab Klasse 11 bis 13" in Frage (Ausbildungsprogramm: Grundlegende reiterliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse in den Bereichen Dressur, Springen und Geländereiten, Fertigkeiten im Longieren. Ziel: breitensportliche, fundierte und vielseitige Ausbildung), aber immerhin.

Für Landeskinder liegt der Internatspreis bei 170 Euro. Schüler aus anderen Bundesländern zahlen mehr, doch bestehen ja auch Bezuschussungsmöglichkeiten über Schüler-BAföG aufgrund der besonderen Konzeption der Schule.

Es gibt natürlich auch viele andere sehr preiswerte staatliche Internate, die beste Standortbedingungen bieten. Besonders gut gefallen mir das Annette-von-Droste-Hülshoff Gymnasium in Meersburg am Bodensee sowie das Staatliche Landschulheim Schloss Marquartstein in Oberbayern.

Abraten würde ich Ihnen von einem Voll- oder Teilstipendium in einer Schule "mit hoher Rolexdichte" (um es mal etwas verklausuliert auszudrücken). Hier werden die klugen und leistungsorientierten Bewerber nur missbraucht, um das Image der Schule für diejenigen aufzuwerten, die außer dem Geld der Eltern nichts vorzuweisen haben.

Hier einige Zitate:

Quelle: Karl-Heinz Heinemann: „Der feine Unterschied und seine Folgen – Bildungseliten und Elitenbildung in Deutschland“ (SWR2 Wissen, Sendung vom 30.10.2004): „Die Leistungsträger unter den Schülern, die sich in den sozialen Diensten engagieren, Schulsprecher sind oder im Schülerrat mitmachen, sind in der Regel Stipendiaten (!). Etwa ein Drittel der Schüler bekommt ein Stipendium. Sie werden sorgfältig ausgewählt. Wer jedoch voll zahlt, wird unbesehen genommen. Man wirbt um die „Vollzahler“, denn sie sichern den Bestand der Schule, und mit ihren Gebühren bringen sie auch die Kosten für die Stipendiaten auf. In puncto Leistungsverteilung ist es in Salem genau umgekehrt wie an anderen Schulen: Hier gibt es nicht die übliche Normalverteilung mit viel Durchschnitt, wenigen Spitzen und ein paar Versagern, sondern mehr Extreme: Hohe Leistungen und diejenigen, die durchgeschleppt werden müssen.“

Quelle: www.uniprotokolle.de-Chat: Die besten Internate Deutschlands

„Ich besuche zur zeit auch ein internat und glaubt mir, das war die schlechteste Entscheidung, die ich getroffen habe! Es ist einfach nur sauteuer und die meisten, die hier draufgehen, haben kaum etwas drauf. Viele hier hatten nach der 4. 'ne Empfehlung für die Haupt[schule], aber weil die Eltern viel Geld haben, können sie sich jetzt ganz stolz Gymnasiast nennen. Ihr ABI kriegen sie ja sowieso, egal wie die Noten sind... Sorry an alle Internatler, aber das ist mein Eindruck, den ich von Internaten und Privatschulen bekommen habe... und ich bin froh zu wissen, dass ich meine Kinder niemals auf eine Privatschule schicken werde!“

Quelle: Berliner Zeitung vom 19.02.2008

„An Schüler-Internaten, etwa Schloss Neubeuern, wird noch deutlicher, dass hier nicht die Leistungs- sondern die Geldelite gefördert wird. Für den Aufenthalt einschließlich Schulkleidung, Nebenkosten und Bücher zahlen Eltern rund 30.000 Euro pro Jahr, Taschengeld und Ausflüge gehen extra. Es gibt kleine Klassen, Einzelförderung und Hausaufgabenhilfe, trotzdem liegt der Abi-Durchschnitt bei knapp drei. Lehrer beklagen die "Wohlstandskrankheit" unter den Kindern, denen es angesichts steter finanzieller Sicherheit an Ehrgeiz und Motivation fehle. Sie schätzen die Schüler auch als eher selbstbezogen und unpolitisch ein. Die oft genannte Selbstsicht der Elite, die ihre Privilegien aus dem Mehr an Leistung und Verantwortung ableitet – hier funktioniert sie nicht. Warum nennt sich Neubeuern Eliteschule? Ein Schüler vermutet: Immerhin seien sie Kinder von Eltern, die es zu etwas gebracht hätten.“

Quelle: Schulradar, 25.12.2008 „Daran ändern auch die paar Alibi-Stipendiaten nichts, die vielleicht wenig Geld haben aber nach ihren bisherigen Noten ausgewählt werden und sich dann allerdings oft über das erbärmliche intellektuelle Niveau speziell in der Mittelstufe wundern. Diese nicht "auf Salemer Mist gewachsenen", in der 10. oder 11. Klasse meist von einer öffentlichen Schule nach Salem gekommenen Schüler heben dann die Abischnitte noch zusätzlich.“

Viele Grüße

U. Lange

also es gibt sicherlich viele Träger die sowas finanzieren. Die werden dir aber Fragen stellen - wie zum Beispiel: Warum willst du auf ein Internat? Was möchtest du beruflich tun, in welche Richtung orientierst du dich, und manche werden auch ggf. danach fragen, wie du dir vorstellst das ganze zurückzuzahlen. Beantworte dir mal selbst diese Fragen, und zwar kritisch. Da geht es um viel Geld, und das schenkt man niemandem einfach mal nur so :)

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