Wenn man den Erfahrungsberichten, die im Internet verbreitet werden, glauben kann, besteht ein erheblicher Teil der Salemer SchülerInnen aus potenziellen Hauptschülern. Das Geschäftsmodell von Salem & Co. scheint darin zu bestehen, durchschnittlich Begabten gegen ca. 30.000 Euro im Jahr den Besuch eines Gymnasiums zu ermöglichen.

Belege:

http://ulange.beepworld.de/files/internatechatdiebesteninternatedeutschlands.pdf "Ich habe noch nie etwas positives über Salem gehört und das wäre ganz sicher die letzte Schule wo ich mein kind hinschicken würde. Ich besuche zur zeit auch ein internat und glaubt mir, das war die schlechteste Entscheidung, die ich getroffen habe! Es ist einfach nur sauteuer und die meisten, die hier draufgehen, haben kaum etwas drauf. Viele hier hatten nach der 4. 'ne Empfehlung für die Haupt[schule], aber weil die Eltern viel Geld haben, können sie sich jetzt ganz stolz Gymnasiast nennen. Ihr ABI kriegen sie ja sowieso, egal wie die Noten sind..."

Neue Zürcher Zeitung vom 26.01.2009: "Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist, dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Wenn der Schulbesuch mit hohen Schulgeldern und speziellen Aufnahmebedingungen verbunden ist, dann wird der Elternschaft außerdem Exklusivität kommuniziert. Für die Lehrpersonen wird es schwierig, wenn sie diesen Auftrag nicht annehmen und das Verhalten und das Leistungsprofil der Schüler zu sehr hinterfragen. Ihre Existenz wird bedroht, und sie verlieren vielleicht wegen eines kritischen Vaters und Sponsors ihre Stelle."

Kommentar auf der Seite "med1 - Forum Erziehung" "ich war selber auf einem solchen "elite"-internat (wie schloss salem), es war schön und ich hatte eine gute zeit. dennoch war ich auch froh als es dann vorbei war. noch mal würde ich aber nicht zustimmen auf eines zu gehen. man lebt wirklich in einer andern welt. in einer teils sehr elitären gemeinschaft. hinzu kommt der für mich sehr krasse leistungsunterschied. von einer sehr guten gesamtschule auf ein [privates] internatsgymnasieum is heftig.

Zuschrift auf der Seite "wiki.verkata - Diskussion Schule Schloss Salem": "Die meisten Gerüchte die über Salem im Umlauf sind, stimmen nicht! Wissen Sie, mir liegt sehr viel daran Salem gut zu präsentieren und wieder ins rechte Licht zu rücken. Erst einmal, ich bin von einer Realschule mit notendurchschnitt 3,4 nach Salem gewechselt. Ich habe kein Stipendium bekommen, da ich nicht den Erforderungen nachkommen konnte. Nun, im nächsten Zeugnis auf Salem, einem staatlich anerkannten Gymnasium, habe ich einen Durchshnitt von ca 2,3 gehabt! So geht es vielen Schühlern und Schülerinnen hier, da wir pedagogisch sehr gut betreut sind!"

DIE WELT vom 19.10.2000: "Direktor Bueb räumt ein, "kein besonders schweres Gymnasium zu sein". In der Mittelstufe zum Beispiel steht "Charakterbildung ganz oben", die Jugendlichen sollen ihr Potential entdecken. Prominenter Ex-Schüler von Schloss Salem ist unter anderem der Ehemann der Queen, Prinz Philip."

usw.

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Es gibt eine recht gute Reportage des NDR aus der Reihe "7 Tage", die ein sehr realistisches und nüchternes Bild des Internatslebens in der Klosterschule Rossleben vermittelt. Hier werden keine Klischees strapaziert und es gibt weder "Harry-Potter"- noch Hanni-und Nanni- oder Schicki- und -Micki-Anklänge. Einfach gute Impressionen aus dem stinknormalen Internatsalltag. Die URL des Beitrags lautet: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/7_tage/siebentage605.html

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Hallo Happylolfun1!

Ich habe den Eindruck, dass Du so lange ähnliche Fragen postest, bis Dir die Antworten gefallen. Wann wäre denn eine Information für Dich "hilfreich"?

Vielleicht brauchst Du aber auch mal eine Anleitung, wie man mit den richtigen Suchworten bei Google die gewünschten Informationen findet.

Salemer Schüler nach ihren Erfahrungen zu fragen, macht zumeist wenig Sinn. Man trifft entweder auf bornierte Schnösel oder Partyvolk (Schau Dir mal bei youtube den Clip zum Thema "Was fällt Dir zu Salem ein?" an!). Reflektierte und intelligente Schüler (zumindest im Oberstufenalter) durchschauen das "System Eliteinternat" von vornherein und machen einen großen Bogen um Salem & Co. Ansonsten bewahrheitet sich im Kontakt mit der Salem-Kundschaft, dass sich dort bestenfalls Mittelmaß einfindet, das hofft, von dem elitären "Ruf" der Schule profitieren zu können, ohne selbst jemals Exzellentes zustande zu bringen. Schau Dir doch mal die Panorama-Sendung "Wie Bildung Klassen schafft - Bildungsreport Deutschland" an (gibt's bei youtube, einfach Sendungstitel eingeben) oder besorg Dir das Buch von Julia Friedrichs: "Gestatten: Elite".

Dass man an sog. "Eliteschulen" nicht mehr lernt als an einem normalen Gymnasium habe ich Dir bereits an anderer Stelle nachgewiesen. Wie viel Du lernst, hängt im wesentlichen von Deiner Einstellung ab. Wer selbst keine Interessenschwerpunkte entwickelt und nicht bereit ist, hart für seine Ziele zu arbeiten, wird auch durch ein "Eliteinternat" kein "Eliteschüler", sondern ist bestenfalls "Eliteinternatsbesucher". Geh mal in eine Klinik mit internationalem Ruf . Was Du da siehst, sind überwiegend Patienten und keine Spitzenmediziner. Und genauso ist es in Salem.

"Sind die Leute nett?" ist eine ziemlich naive Frage. Es gibt überall so ne und solche. Da findet sicherlich jeder Topf seinen Deckel, das "kleine A...l.ch" genauso wie der sensible Feingeist. Allerdings ist Mobbing in Salem durchaus ein Thema. Siehe http://www.20min.ch/ausland/news/story/14549963

Das "Problem mit Drogen und Rauchen" bringen die Internatsschüler in der Regel schon mit. Und was soll man schon erwarten, wenn der neue Leiter Salems zum Thema Alkohol im Zeitungsinterview folgendes zu Protokoll gibt:

"„Wer bis zum Abitur im Internat keine Erfahrungen mit Alkohol gemacht hat, der verdient sein Abitur nicht. Der ist sozial kaum lebensfähig.“

Mit anderen Worten: Wer nicht mitsäuft, wird sozial ausgegrenzt. Und warum sollte das bei illegalen Drogen und Nikotin anders sein?

Bei den Freizeitaktivitäten wird oft mehr versprochen als gehalten werden kann. Vor allem aber ist der Tag im Internat derart verplant, dass sportliche oder andere Hobbies gar nicht so intensiv betrieben werden können, wie das zu Hause möglich wäre, wo man z.B. die Freiheit hat, die Hausaufgaben zu verschieben, um mal gutes Wetter auszunutzen oder sich einer Sache drei Stunden am Stück zu widmen. Ich weiß von vielen Internatsschülern, dass sie die Hetze von einem Programmpunkt des Internatstagesplans zum anderen ziemlich nervt und sie oft den Spaß an einer Sache verlieren, die immer am gleichen Tag zur gleichen Stunde stattfindet. Der Internatstrott ist vor allem nichts für junge Genies und die Elite von Morgen, denn das sind zumeist unkonventionelle Menschen, die keine Lust haben, ihr Leben durchtakten zu lassen.

Viele Grüße

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Hallo!

Wenn ich Deine Frage richtig verstehe, suchst Du eine Alternative zum Kurpfalz-Internat in Bammental, weil Du befürchtest, den Eignungstest für den Gymnasialzweig dieser Schule nicht zu bestehen und gern direkt auf ein Internatsgymnasium wechseln würdest.

Tatsächlich gäbe es Alternativen. Das Landheim Schondorf am Ammersee (einfach so bei google eingeben) z.B. betreibt neben dem staatlich anerkannten auch ein staatlich genehmigtes Gymnasium (Julius-Lohmann-Gymnasium), das aufgrund seines Rechtsstatus nicht an staatliche Aufnahmebestimmungen gebunden ist. Ein Wechsel in das staatlich anerkannte Gymnasium ist bei entsprechendem Leistungsstand nach einiger Zeit möglich.

Als weitere Alternative würde sich ein Aufbaugymnasium anbieten (Übersicht aller Aufbaugymnasien in Baden Württemberg: http://www.aufbaugymnasium.de/.).

Zum Beispiel

  • Schlossgymnasium Künzelsau

  • Clara-Schumann-Gymnasium Lahr

  • Helene-Lange-Gymnasium Markgröningen

  • Droste-Hülshoff-Gymnasium Meersburg

(Hier werden ab Klasse 7 auch Haupt- und Realschüler aufgenommen. Als "Realschüler" brauchst Du für den Übertritt nur einen Notendurchschnitt von 3,0 in den Hauptfächern). Ein besonderer Vorteil: Die Kosten (max. 546,- € monatl.)! Dazu gibt es spezielle Profile (z.B. Sport- , Musik- , math.-natw. Profil, bildende Kunst). Die Internate sind recht klein (40 bis 100 SchülerInnen), die Standorte sehr schön, insbesondere natürlich Meersburg.

Viele Grüße

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Hallo!

Das Thema Eliteinternate ist nichts für Dummschwätzer und Selbstdarsteller! Mit Aussagen wie "Salem ist das Eliteinternat schlechthin" usw. kann man nichts anfangen. Wenn das Leute behaupten, die dieses Institut selbst besuchen oder besucht haben, ist das nur ein peinlicher Versuch, sich selbst aufzuwerten.

Keines der Institute, die in den Medien oder in Ratgeberportalen als Eliteschulen oder Eliteinternate bezeichnet werden, verdient diese Bezeichnung. Es gibt in Deutschland kein Internat, in dem die zukünftigen Eliten des Landes herangezüchtet werden. Warum dies auch gar nicht möglich wäre, kannst Du in einem Beitrag der Neuen Zürcher Zeitung nachlesen:

"Das Problem der Eliteschule ist, dass sie von einem Persönlichkeitsprofil ausgeht, das erst noch bewiesen werden muss. Wer nämlich Außerordentliches leisten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Überdurchschnittliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, selbst brillante Schulkarrieren sind kein Garant für Elitetauglichkeit. Schulerfolg ist eine Anpassungsleistung in einem abgesonderten sozialen Umfeld. Erfolgreich sind jene Schüler, die auf Forderungen und unausgesprochene Erwartungen der Lehrpersonen eingehen können. Eine Kernkompetenz der Elite hingegen ist, über eine aktuelle Situation hinwegsehen zu können, Bedingungen zu hinterfragen und neue Konstrukte zu wagen. Eliten müssen sich auch in einem unübersichtlichen, chaotischen Umfeld profilieren. Solche Herausforderungen können in einer schulischen Situation nicht nachgestellt und entsprechende Fähigkeiten können vorher nicht erfasst werden. Für Menschen, die bereits als Kind in ein elitäres Milieu sozialisiert wurden, hat Bildung zudem eine andere Bedeutung. Sie ist kein Mittel des sozialen Aufstiegs, sondern höchstens eine Bestätigung des eigenen exklusiven Status. Durchschnittliche Fähigkeiten genügen, um im eigenen Stand zu bleiben. Die Motivation, sich für die Bildung einzusetzen, ist oft nicht groß, da man sich nicht mehr grundsätzlich beweisen muss." (Quelle: NZZ, Anspruch und Realität der Besten, 26.01.2009 ).

Genau aus diesem Grund ist es auch falsch, von Eliteinternaten zu erwarten, dass dort mehr gelernt würde als anderswo. Im "Handelsblatt" vom 15.08.2011 schreibt Olaf Storbeck unter dem Titel: "Der Mythos von der Kaderschmiede":

"Viele Eltern träumen davon, ihre Kinder auf eine Eliteschule zu schicken. US-Forscher haben jetzt aber festgestellt: Auf Kaderschmieden lernt man keinen Deut mehr als auf normalen Schulen." Er beruft sich dabei auf die Studie "The Elite Illusion" von A. Abdulkadiroglu, J. Angrist und P. Pathak. "Trotz des Lernens mit deutlich leistungsstärkeren Mitschülern und eines wesentlich herausfordernderen Curriculums", so lautet ein Fazit dieser Arbeit, "schneiden die Schüler von Eliteschulen bei einer Vielzahl von standardisierten Tests nicht besser ab". Wer eine Kaderschmiede besucht habe, könne zwar im günstigsten Fall mit sehr guten Leistungen aufwarten. Diese "hätte er aber in aller Regel auch dann erbracht, wenn er auf eine ganz normale Schule gegangen wäre". Wenn Eliteschulen leistungsstärkere Absolventen hätten, liege das daran, "dass sie sich die besten Schüler aussuchten - und nicht daran, dass sie ihnen später mehr beibrächten".

Dass die Schule Schloss Salem oder andere der hier genannten Internatsschulen sich die besten Schüler aussuchen könnten wie bestimmte Spitzeninstitute in England, den USA, Frankreich usw., ist ein Gerücht. Allein dass man gute Schüler durch Preisnachlässe ("Stipendien") künstlich anlocken muss, spricht für sich. Institute wie Salem haben eine ganz andere Funktion, die die NZZ wie folgt beschreibt:

"Eliten haben ein Interesse an der Weitergabe ihrer Position an die Nachkommen. Viele Mitglieder der Elite träumen davon, eine Dynastie zu gründen. Die eigenen Söhne und Töchter sollen auch der Elite angehören. Wichtig sind darum Institutionen, die den eigenen Kindern den Einstieg in elitäre Kreise ermöglichen. [...] Eliteschulen kommen diesem Bedürfnis entgegen. Es wird suggeriert, dass dank einem hochprofessionellen Unterricht und Top-Lehrern aus dem Nachwuchs künftige Führungspersönlichkeiten geschmiedet werden können. In den Beschreibungen von Eliteschulen erkennt man die Rhetorik der Selbstlegitimation elitärer Kreise."

Für den Personalberater Dr. Stefan Fourier ist es daher "völlig klar, dass das Konzept einer gesonderten Ausbildung von Eliten, etwa in Internaten und Eliteuniversitäten, Blödsinn ist. Häufig verkörpern gerade Menschen, die sich von unten hochgearbeitet haben, mehr Elite, als die über den Kamm einer Eliteschule geschorenen Kunstprodukte." (Quelle: Dr. Stefan Fourier: "Neue Eliten braucht das Land", einfach so bei google eingeben).

Resümee: Die Ausgaben für ein "Eliteinternat" in Deutschland kannst Du Deinen Eltern getrost ersparen. Hier hast Du noch ein paar zusätzliche Informationen: http://zfi.beepworld.de/abi-de-luxe---schule-als-erlebnisevent.htm?nocache=1348057926

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Hallo!

Ich fürchte, Du gehst von völlig falschen Voraussetzungen aus! Louisenlund oder Birklehof sind nicht die Internate, in denen Schüler(innen) mit sehr guten Zensuren gut aufgehoben sind. Wenn Du nicht selbst den entsprechenden Background hast, würde ich Dir auf keinen Fall empfehlen, in so ein hochpreisiges Luxusinternat zu wechseln. Zur Begründung:

http://internate-watch.npage.de/als-stipendiat-ins-luxusinternat.html

Vg

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Ich würde mich vor Ort sehr gründlich informieren, wie die allgemeine Atmosphäre im Sportinternat ist und vor allem wie die jüngeren Schüler dort betreut werden. Nach meinen Informationen (Beispiel Eliteschule des Sports und des Fußballs Potsdam!) werden die Jüngeren von den Älteren in den Sportinternaten extrem gemobt. Auch die allgemeinen Erfahrungen mit der Sportförderung sind alles andere als positiv. Lies vielleicht hierzu einmal nachfolgende Quelle:

http://zfi-gruenberg.beepworld.de/files/internatetraumfabrikfriedrichludwigjahnpnn.pdf

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Hallo,

Deine Anfrage ist ziemlich typisch für viele Internatsschüler(innen). Das liest sich wie "Verbringe ich meinen Urlaub dieses Jahr auf Malle oder lieber auf den Malediven? Ach, Thailand wäre auch ganz nett. Ja und was wird denn da so alles geboten? Fünf Sterne, sechs Sterne? Tei, tei, tei, tei, tei!"

Aber niemand geht ohne bestimmte (Hinter-)Gründe ins Internat. Und man kann nicht erwarten, dass jedes Internat alle Probleme löst und sämtliche Wünsche erfüllt. Deshalb ist es wichtig, sich über die eigenen Beweggründe klar zu werden und Bedingungen festzulegen, die erfüllt sein müssen. "Ach, ich wollte ja immer auf Schloss X und meine Zweitwahl wäre Schloss Y und was meint Ihr denn so?" klingt nicht nach Problembewusstsein oder Entscheidungskompetenz. Leider gibt es immer mehr Internats-Pauschaltourismus, Leute mit All-Inclusive- und Vollkasko-Mentalität, die glauben, ihnen müsste alles geboten werden, ohne dass sie selbst was zu bieten haben. Und bedauerlicherweise stellen sich die Internate mehr und mehr auf diese hohle Kundschaft ein.

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Hier hätte ich ein schönes Zitat einer Ehemaligen aus Salem:

"Ich fand Salem schrecklich. Es war eine irgendwie hohle Disziplin. Der ganze Tag war strukturiert, aber der eigentliche Unterricht war chaotisch. Es gab wenig Hausaufgaben. Die Oberstufe gefiel mir besser, weil man näher an einer Stadt gewohnt hat und alles viel wohnlicher war. Aber dort haben viele Schule geschwänzt. Ich bin am Ende nur noch in jede zweite Stunde gegangen. Daran waren die Lehrer aber auch selbst Schuld. Oft wurde in den Stunden Kaffee getrunken oder man wurde in die Bibliothek geschickt. Die Lehrer waren eigentlich schon alle sehr engagiert, aber sie haben in Salem wohl so viel zu tun, dass sie den Unterricht nicht mehr richtig vorbereiten können. Es ging eigentlich die ganze Zeit nur um Party und saufen. Es gab nicht mal Klassenbücher, wie es sie an allen anderen Schulen gibt. Sie haben in der Oberstufe Leistungs- und Sozialrankings eingeführt. Bei den Sozialrankings werden Punkte auf jeden Schüler verteilt. Je nachdem wie viele Ämter derjenige hat. Es gab auch Schönes. z.B. das Spetzgarter Abendbrot. Mich hat geärgert, dass es so ein eingeschränktes Verständnis von "Sozial-Sein" war. Sozial ist wer gerne in einer Großgruppe mitmischt. Allerdings staune ich, wie viele von den anstrengendsten Schülern heute sehr karrierebewusst und fleißig studieren. Es war eigentlich nicht so, dass die Lehrer so streng waren. Weil in der Mittelstufe ein so strikter Tagesplan ist, wird man immer gehetzt und die Schüler treiben sich gegenseitig. Es ist dann auch oft wenig Verständnis da. Das liegt wohl daran, dass sie sich selbst auch an diese Regeln halten müssen." Leserkommentar zu dem Beitrag "Unser Lehrer Doktor Bueb" in "DIE ZEIT" Nr. 40 vom 28.09.2006

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Wer sagt das denn? Gibt es da eine objektive Untersuchung? Leider ist man immer nur auf die Selbsteinschätzung der Schule oder der Salemer Schüler angewiesen. Aber welches Institut würde schon zugeben, Schülern das Abitur nachzuschmeißen? Und welcher Salem-Absolvent sagt schon: Ja, mir wurde das Abitur "nachgeschmissen"?. Salem leidet unter seinem monströsen Ruf als "Eliteinternat". Wäre es eine ganz normale Internatsschule, würde man einfach sagen: Schulprobleme sind das Hauptmotiv für den Besuch eines Internats. Also kann das Niveau nicht besonders hoch sein.

Auch in Salem kann ein guter Schüler, egal ob aus reichem Hause oder Stipendiat, ein gutes oder sogar sehr gutes Abitur ablegen. Warum denn nicht? Da hilft manchmal sogar der so genannte Fischteich-Effekt (wissenschaftlich: BFLP=Big-fish-little-pond-Effekt).

Damit ist gemeint, dass eine weniger leistungsfähige Referenzgruppe (= Klassenkameraden) dem Leistungsfähigen zu einer Steigerung seines Selbstkonzepts verhilft, wodurch er hohes Selbstvertrauen aufbaut und seine Leistungen tatsächlich weiter steigert. Selbst Mittelmäßige können von diesem Effekt profitieren. So kann beispielsweise eine Schülerin/ein Schüler mit mittleren Fähigkeiten ein großer Fisch im kleinen Teich sein, wenn sie/er sich in einer Klasse mit relativ leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern befindet. Umgekehrt würde sie/er ein kleiner Fisch im großen Teich sein, wenn die anderen Schülerinnen und Schüler in ihrer/seiner Klasse leistungsstark wären.

Allerdings ist auch die umgekehrte Entwicklung möglich, d.h. eine "Anpassung nach unten", wenn in der Peergroup hohe Schulleistungen niedrig bewertet werden. Internate wie Salem haben gerade mit diesem Problem nach meiner Einschätzung sehr häufig zu tun.

Einige interessante Anmerkungen hierzu fand ich neulich in der Neuen Zürcher Zeitung unter dem bezeichnenden Titel "Anspruch und Wirklichkeit": "Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist", so heißt es da, "dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Wenn der Schulbesuch mit hohen Schulgeldern und speziellen Aufnahmebedingungen verbunden ist, dann wird der Elternschaft ausserdem Exklusivität kommuniziert. Für die Lehrpersonen wird es schwierig, wenn sie diesen Auftrag nicht annehmen und das Verhalten und das Leistungsprofil der Schüler zu sehr hinterfragen. Ihre Existenz wird bedroht, und sie verlieren vielleicht wegen eines kritischen Vaters und Sponsors ihre Stelle.

[...] Das Problem der Eliteschule ist, dass sie von einem Persönlichkeitsprofil ausgeht, das erst noch bewiesen werden muss. Wer nämlich Ausserordentliches leisten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Überdurchschnittliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, selbst brillante Schulkarrieren sind kein Garant für Elitetauglichkeit. Schulerfolg ist eine Anpassungsleistung in einem abgesonderten sozialen Umfeld. Erfolgreich sind jene Schüler, die auf Forderungen und unausgesprochene Erwartungen der Lehrpersonen eingehen können. Eine Kernkompetenz der Elite hingegen ist, über eine aktuelle Situation hinwegsehen zu können, Bedingungen zu hinterfragen und neue Konstrukte zu wagen. Eliten müssen sich auch in einem unübersichtlichen, chaotischen Umfeld profilieren.

Solche Herausforderungen können in einer schulischen Situation nicht nachgestellt und entsprechende Fähigkeiten können vorher nicht erfasst werden. Für Menschen, die bereits als Kind in ein elitäres Milieu sozialisiert wurden, hat Bildung zudem eine andere Bedeutung. Sie ist kein Mittel des sozialen Aufstiegs, sondern höchstens eine Bestätigung des eigenen exklusiven Status. Durchschnittliche Fähigkeiten genügen, um im eigenen Stand zu bleiben. Die Motivation, sich für die Bildung einzusetzen, ist oft nicht gross, da man sich nicht mehr grundsätzlich beweisen muss."

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Antwort Teil 2

Das eigentliche „Internatsleben“ ist daher häufig ein „Nachtleben“. Internate machen auch nicht „selbständiger“, da sie zumeist durchrationalisierte Versorgungsbetriebe Internate machen auch nicht „selbständiger“, da sie zumeist durchrationalisierte Versorgungsbetriebe sind, die den Schülern alles abnehmen und über Jahre eher lebensuntüchtig machen. Die so genannte „Charakterbildung“ im Internat ist eine Lachnummer. Das Internatsleben ist derartig doppelbödig, dass es den Charakter eher verbiegt. Internatsschüler lernen vor allem, zu bluffen, sich zu verstellen und die „soziale Anpassung“ lediglich vorzutäuschen. Echte persönliche Loyalität ist selten, dafür gibt es mafiöse Strukturen mit sehr hohem Gruppendruck.

(7) Trotzdem ist im Internat nicht alles schlecht. Dies liegt daran, dass es immer wieder auch hervorragende Pädagogen, angenehme Mitschüler und „Hoch-Zeiten“ im Internat gibt, wo – allerdings nur bis zum nächsten Leiterwechsel, der nächsten Personalkrise oder dem nächsten Skandal, der auffliegt – einfach alles stimmt. Nach meiner Erfahrung berichten ca. 50% der Eltern oder Schüler mit Internatserfahrung in der Rückschau positiv und 50% negativ. Das ist nicht mehr als die Zufallswahrscheinlichkeit: Entweder es klappt oder es klappt nicht. Wer würde sich in ein Flugzeug setzen, wenn die Wahrscheinlichkeit, heil am Zielort anzukommen, nur bei 50% läge? Dass Eltern und Schüler sich darauf einlassen, liegt nicht nur an einer verlogenen Internatswerbung und idealisierenden Berichterstattung der Medien. Sie haben einfach oft keine Alternative zum Internat.

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Hallo!

Für die Ratsuchende Beatrice kommt meine Antwort zwar zu spät, aber ähnliche Fragen nach Internatserfahrungen, guten Internaten usw. werden in regelmäßigen Abständen ja immer wieder neu gestellt.

Ich war drei Jahre Lehrer und Freizeitpädagoge in einem „Deutschen Landerziehungsheim“ (Salem & Co.), 22 Jahre Internatsleiter und bin seit fast dreißig Jahren ehrenamtlicher Internatsberater bei einer gemeinnützigen Verbraucherberatungsstelle, die auf Privatschulen und Internate spezialisiert ist.

In all den Jahren habe ich selbst sehr viele Erfahrungen gesammelt und Erfahrungsberichte von Dritten (incl. Presse usw.) erhalten und archiviert. Zusammengefasst komme ich zu folgendem Ergebnis:

(1) Mit dem Wechsel ins Internat verschlechtert sich in aller Regel das soziale Umfeld eines Kindes oder Jugendlichen. Selbst Eliteinternate für Hochbegabte oder Spitzensportler mit angeblich handverlesener Schülerschaft machen hier keine Ausnahme. Nach einem „guten Internat“ zu fragen, ist unter diesem Gesichtspunkt etwa so sinnvoll wie die Frage nach einer guten Justizvollzugsanstalt oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Unterschied zu Jugendstrafanstalten und KJPs können die Gründe für den Internatsbesuch oft hinter irgendwelchen „Tarnmotiven“ versteckt werden, weil man dort nicht zwangsweise eingewiesen werden kann.

(2) Ein Großteil der Eltern „wählt“ das Internat, weil das Kind in Schule und Familie auffällig geworden ist oder weil es die Leistungsanforderungen des Gymnasiums resp. der Realschule nicht erfüllt. Oft „stören“ Kinder auch (z.B. in neuen Partnerschaften und Patchwork-Familien, beim beruflichen Aufstieg usw.). Das alles kann man natürlich nicht offen zugeben. Also kritisiert man die „schlechte öffentliche Schule“ und begründet den Wechsel ins Internat mit der angeblich „besseren Bildung und (Talent-)Förderung“ im Internat. (3) In letzter Zeit streben verstärkt Geltungssüchtige aus der Mittelschicht in teure Luxusinternate der Oberschicht, die ihrer Vita wenigstens ein Jahr „Eliteinternat“ hinzufügen oder bei der späteren Karriere von den Altschüler-Netzwerken solcher sozial exklusiver Institute profitieren wollen. Die Internate heizen diese Nachfragemotive im eigenen Intersses künstlich an und versuchen zusätzlich, über Stipendien und Kostenermäßigungen begabte und sozial angepasste Bewerber(innen) anzulocken, um das soziale Klima im Internat und die Notendurchschnitte der Absolventen anzuheben.

(4) Schüler(innen), die aus der Mittelschicht stammen, können aber von dem Besuch eines „Eliteinternats“ nicht profitieren. Sie werden missbraucht, um die „Schulen der Reichen“ mitzufinanzieren und ihren „Ruf“ zu verbessern. Wenn es aber um die spätere Karriere geht, schauen sie in den Mond, weil die „alten Eliten“ grundsätzlich die Tendenz haben, die Zahl der „Privilegierten“ möglichst gering zu halten.

(5) Internate sind grundsätzlich Parallelwelten in einem doppelten Sinne. Sie grenzen sich einerseits gegen die „normale Gesellschaft (und leider oft auch die „Gesellschaft der Normalen“) ab und zerfallen intern in zwei Welten: Die sichtbare „Spitze des Eisbergs“, sozusagen das „offizielle“ Internatsleben, wie es im Prospekt steht, und die Internatssubkultur, die sich den Blicken der Erwachsenen weitgehend entzieht und - ähnlich wie beim sprichwörtlichen Eisberg - einen Anteil von sechs Siebteln des Internatslebens hat. In dieser Internatssubkultur gedeihen Drogenprobleme, Mobbing und sexueller Missbrauch, wobei die Täter heute überwiegend Mitschüler sind.

(6) Die viel gepriesenen Vorteile der Internatserziehung sind zumeist nicht existent. Kleine Klassen verbessern die Leistungsfähigkeit der Schüler nicht. Dass die Lehrkräfte an (privaten) Internatsschulen „engagierter“ seien als anderswo, ist eine reine Legende. Belegt sind dagegen eine extreme Personalfluktuation bei Lehrern und Erziehern sowie häufige Leitungs- und Personalkrisen. Die Betreuung der Schüler ist auch nicht „individueller“. Eltern machen dies ausschließlich an „besseren Noten“ fest. Die Internate wissen das und senken die Anforderungen. Zentrale gestellte Abituraufgaben führen nicht zu einem vergleichbaren Leistungsniveau, weil genügend Möglichkeiten verbleiben, schlechte Ergebnisse in den schriftlichen Prüfungen durch Vornoten und mündliche Prüfungen zu „korrigieren“. Die schulischen Erfolge stehen häufig auch deshalb nur auf dem Papier, weil die Hausaufgaben nur unzureichend betreut werden und nicht genügend Nachhilfeunterricht erteilt wird. Die tollen Freizeitangebote haben oft eine Kehrseite: Sie führen, zusammen mit dem „durchgetakteten“ Tagesplan der Internate, zu einer Totalverplanung der Zeit, die entwicklungspsychologisch schädlich ist. Außerdem holen sich die Internatsschüler die „Freiheiten“, die ihnen der vorgeschriebene Tagesablauf nimmt, zumeist in der Nacht wieder.

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Hallo Nanuk21, ich denke an Elternforen wie die folgenden:

http://www.elternforen.com/hyperaktivitaet-ads-f33/internat-bad-fredeburg-nie-wieder--t41693/1/

Mich irritiert etwas, dass Sie so sehr auf die Erfahrungen/Empfindungen von Kindern mit AD(H)S fokussieren. Betroffene Kinder und Jugendliche sind ja nicht unbedingt in der Lage zu beurteilen, was gut für sie ist. Gerade bei AD(H)S-Kindern sind oft recht drastische Maßnahmen notwendig, um ihnen zu vermitteln, dass es auch für sie Grenzen gibt, die sie zu respektieren haben. Erzogen zu werden wird von den qwenigsten Kindern und Jugendlichen als angenehm empfunden. Trotzdem ist Erziehung notwendig. Sehr häufig erkennen die Betroffenen erst als Erwachsene, wie sehr ihnen Menschen oder Einrichtungen geholfen haben, die sie als Kinder abgelehnt haben. Bei den Wirkungen von kleineren Klassen warne ich vor zu großem Optimismus. Es erscheint zunächst plausibel, dass Kinder mit sozialen Anpassungsstörungen in kleinen Klassen besser zu führen sind und individueller betreut werden können. Die Praxis sieht aber leider anders aus. Ich habe vor Jahren für eine pädagogische Fachzeitschrift eine Reportage über das Martinshaus in Kleintobel bei Ravensburg gemacht. Dort gab es Kleinklassen für Erziehungshilfe mit maximal 6 Schülern. Der Heimpsychologe und die Lehrer wiesen aber schon im Vorgespräch darauf hin, dass die Kleinklassensituation überhaupt nichts nütze, wenn die Schüler grundsätzlich nicht gemeinschaftsfähig seien. Ich habe Situationen erlebt, dass nicht einmal zwei Schüler gemeinsam unterrichtet werden konnten. In schweren Fällen hilft tatsächlich nur noch Einzelunterricht.

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Da bedanken Sie sich mal nicht zu früh, Nanuck21! Es geht in Internaten keineswegs so idyllisch zu, wie "rhapsodyinblue" das hier darzustellen versucht. Vergleiche sind immer relativ. Wenn die Zeit im Internat die schönste des Lebens war, ist der Rest dieses Lebens vielleicht nicht besonders gut gelaufen. Und ich warne dringend vor U-Booten, die auch auf Ratgeber-Portalen Internatspropaganda und Schleichwerbung lancieren. Den Hinweis auf die St. Gilgen-International School in Österreich finde ich schon sehr grenzwertig. Es handelt sich hier um das Geschäftsmodell "Luxusinternat", mit dem clevere Investoren die zahlungskräftige Kundschaft der Spekulanten und Krisengewinnler ködern wollen. Aber von denen gibt es offenbar nicht genug. St. Gilgen kosten fast 40.000,00 Euro im Jahr. Trotzdem berichtet die Presse von Zahlungsschwierigkeiten. Andere Gründungsprojekte von Luxus-Internaten sind schon in der Planungsphase gescheitert (siehe z.B. Nordsee-College Sylt). Selbst das noble Salem backt laut einem Bericht der "ZEIT" inzwischen kleine Brötchen. Mit der Art von Internaten, die vermutlich Ihr Bruder besuchen soll, haben solche Institute nicht das Geringste zu tun. Meine eigene Erfahrung (Internatsleiter, Internatsberater einer gemeinnützigen Bildungsberatungsstelle) ist die, dass ca. die Hälfte der Schüler/Eltern im Rückblick positiv und die andere Hälfte negativ urteilt. Das Bild ist also sehr geteilt. Kinder und Jugendliche mit ADHS oder ADS sind für Internate eine große Belastung, und es ist keineswegs so, dass man mit solchen Problemschülern im Internat besser umgehen kann als das bisherige Umfeld. Oft wird nur die Entlastung der Herkunftsfamilie und der bisher besuchten Schule gesehen. Wie es dann in dem neuen Milieu zugeht, entzieht sich weitgehend einer kritischen Einschätzung. Besonders problematisch erscheinen mir Internate, die sich auf ADHS, ADS und andere Problemgruppen spezialisiert haben. Eine hohe Konzentration von besonders schwierigen Kindern und Jugendlichen hat zwangsläufig Auswirkungen auf das soziale Klima eines Internats. Entscheidend ist hier immer die Subkultur der Kinder und Jugendlichen, d.h. der Bereich, der sich den Blicken der Erwachsenen entzieht. Wer sich ein Bild von Internaten für AD(H)S-Betroffene machen will, sollte sich an die speziellen Portale für Eltern von ADHS-Kindern halten. Dort kann man auch gezielte Fragen stellen, welche Erfahrungen speziell mit dem Internat XY vorliegen. Dringend warnen möchte ich davor, das Internat für ein besonders auffälliges Kind selbst zu finanzieren. Wenn das Kind nach 14 Tagen wegen ständiger Regelverstöße aus der Einrichtung verwiesen wird, hat man mindestens noch ein halbes Jahr den Internatsvertrag an der Backe. Das Kind ist nicht mehr untergebracht, aber die Kosten laufen weiter. AD(H)S-Kinder mit starker Verhaltensauffälligkeit haben in aller Regel einen Anspruch auf Kostenübernahme durch den örtlichen Jugendhilfeträger (Jugendamt).

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Hallo maxilecroix,

als langjähriger Internatsleiter muss ich Ihnen dazu folgendes sagen: Auf ein Internat zu gehen bringt nur dann etwas, wenn der/die Betreffende bereit ist, den Wechsel wirklich als Chance zu einem Neuanfang zu sehen und auch das eigene Verhalten selbstkritisch zu überprüfen. Internate sind keine „Wundermaschinen“, in die man Problemkinder zur einen Seite hineinschiebt, um sie auf der anderen Seite „runderneuert“ wieder in Empfang zu nehmen. Ein Neuanfang erfordert vor allem grundlegende Einstellungs- und Verhaltensänderungen. Veränderungsprozesse dauern zudem oft sehr lange. Die Entwicklungspsychologie kennt drei wesentliche Reifeschritte (etwa bei 3, 6 und 14,5 Jahren), deren adäquate Bewältigung ausschlaggebend ist für die Herausbildung eines „guten Charakters“. Fehlentwicklungen sind nach dem 14. Lebensjahr nur noch sehr schwer zu korrigieren (siehe die Untersuchungen des Bremer Verhaltensbiologen und Hirnforschers Gerhard Roth).
Wenn ich hier lese, dass „Charakterschulung und Schulbildung“ im Internat „exzellent“ seien, (siehe baynrw93), so halte ich dies für eine nachgeplapperte Phrase. Recht hat dagegen „GoaSkin“, dass auch Internate denen nicht helfen können, die z.B. Drogen nehmen oder sich allgemein sozial nicht anpassen. Die Internate klagen allgemein, dass die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen immer schwieriger werden. So heißt es auf der Webseite des Niedersächsischen Internatsgymnasiums in Bad Harzburg: „Da die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die aus problembelasteten und/oder wenig strukturierten Zusammenhängen zu uns kommen, ständig wächst, kommt der Betreuung durch einen festen und überschaubaren Mitarbeiterkreis, der sich aus Lehrerinnen und Lehrern der Schule sowie drei Heimmüttern zusammensetzt, größte pädagogische Bedeutung zu.“ Meine Beobachtung ist, dass die Mitarbeiter der Internate häufig mit den Schwierigkeiten ihrer Schutzbefohlenen überfordert sind. Fälle von schweren Persönlichkeitsstörungen nehmen in beängstigendem Maße zu. Hier sind Internate eindeutig überfordert. Wo es aber nur darum geht, in schwierigen Entwicklungsphasen die streitenden Parteien (sprich: Eltern und Kinder) für eine Weile zu trennen, kann sich ein Internatsaufenthalt sehr positiv auf das Familienklima auswirken.

Viele Grüße Ula

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Hallo Julia,

Sie werden es gemerkt haben: Unsere Liste der preisgünstigsten Internate bis 600 Euro (siehe der Link von uschischicki) ist mittlerweile doch etwas veraltet. Viele der dort aufgeführten Internate dürften für Sie auch deshalb nicht in Frage kommen, weil die schulische Unterstützung dort auf die Bedürfnisse von Schüler(innen) zugeschnitten ist, deren Noten mindestens im mittleren Bereich liegen, so dass sie weitgehend ohne fremde Hilfe zurecht kommen.

Ich stimme „uschischicki“ unbedingt zu, was die Unterscheidung von „billig“ und “günstig“ angeht. Preiswerte staatliche oder kirchliche Internate wenden pro Belegplatz in aller Regel nicht weniger Mittel auf (ca. 1200-1400 Euro monatlich!) als wesentlich teurere Internate. Nur werden diese Kosten eben nicht an die Eltern/Schüler weitergegeben, sondern aus (Kirchen-)Steuermitteln subventioniert. Dieses geschieht nicht aus Mildtätigkeit, sondern entspricht dem sog. „Sonderungsverbot“ des Grundgesetzes. Danach dürfen private Schulen vom Staat nur dann zugelassen werden, wenn sie für Kinder und Jugendliche aller (Einkommens-)Schichten zugänglich (= bezahlbar) sind und damit eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Institute wie Salem mit jährlichen Elternbeiträgen von über 30.000 Euro sind von daher – trotz der auch dort gewährten Kostenermäßigungen und Stipendien – eindeutig verfassungswidrig. Dies lässt sich an Urteilen des BVG klar nachweisen, doch muss man leider feststellen, dass das Sonderungsverbot „in der Anerkennungspraxis der Bundesländer nicht Ernst genommen“ wird, wie es in einem Urteil des Finanzgerichts Köln zur steuerlichen Absetzung der Kosten von Internatsschulen (FG Köln, Az.:10 K 7404/01) zutreffend heißt.

Ich möchte in diesem Zusammenhang aber „latifa“ in Schutz nehmen, die glaubt, die Begriffe „Internat“ und „billig“ seien unvereinbar. Dies ist zwar – unter Berücksichtigung des zum Thema „billig“ Gesagten – falsch (siehe hierzu auch meine Webseite http://www.beepworld.de/members99/internate01/ ), entspricht aber genau der Werbestrategie teurer Internatsschulen und gewerbsmäßiger Internatsvermittler, die diese Institute gegen horrende Provisionszahlungen „empfehlen“. Besserverdienenden Eltern soll dadurch mit Hilfe vieler Falschmeldungen in den Medien eingeredet werden, nur teure Internate seien „gut“, weil sie gegenüber den preiswerteren einen „Mehrwert“ böten („Schöner lernen im Palazzo Prozzo“). Dass dies einfach nicht stimmt und die Besten (Eliteinternate) gerade unter den Preiswertesten zu finden sind, lässt sich anhand vieler Beispiele belegen (einfach mal googeln und auf die Seiten von AVIB und ZFI achten!).

Für Sie, Julia, wäre ganz wichtig, ein Realschulinternat zu finden, das Ihnen kurz vor dem Abschluss noch mal ein ordentliches Coaching gibt. Vielleicht sollten Sie im Hinblick auf den Standort ein wenig flexibel sein. Wenn man im nördlichen Teil Baden-Württembergs wohnt, kämen vielleicht auch Rheinland-Pfalz und Hessen in Frage, zwei nicht ganz so „schulstrenge“ Bundesländer. Viele Internatsleiter (war selbst mal einer) haben ein Herz für Jugendliche, die von zu Hause wenig Unterstützung erhalten und versuchen, mit viel Eigeninitiative ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wenn Sie genau diesen Eindruck vermitteln können, öffnet eine persönliche Vorstellung manche Türen. Aus Platzgründen kann ich Sie nur auf die gemeinnützige Internatsberatung der AVIB e.V. verweisen (einfach so als Suchbegriff eingeben). Die Beratung ist kostenlos.

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Hallo Sruemia,

ergänzend noch ein Link auf die Webseite "Internate - je teurer desto besser?"

http://www.beepworld.de/members99/internate01/

Von dort gibt's noch einen Link auf die Seite "Die besten Internate".

Gruß

U. Lange

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Hallo Sruemia,

für hoch befähigte und darüber hinaus besonders engagierte Schülerinnen gibt es da bestimmt einen Weg. Wenn Sie z.B. den Internatsbesuch mit dem Reitsport verbinden wollen, würde sich Ihnen die Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt/Dosse empfehlen, die einzige Spezialschule für Reitsport in Deutschland. Hier käme für Sie (Schülerin der Oberstufe?) zwar wahrscheinlich nur noch das Angebot "Reiten im Rahmen des Sportunterrichts ab Klasse 11 bis 13" in Frage (Ausbildungsprogramm: Grundlegende reiterliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse in den Bereichen Dressur, Springen und Geländereiten, Fertigkeiten im Longieren. Ziel: breitensportliche, fundierte und vielseitige Ausbildung), aber immerhin.

Für Landeskinder liegt der Internatspreis bei 170 Euro. Schüler aus anderen Bundesländern zahlen mehr, doch bestehen ja auch Bezuschussungsmöglichkeiten über Schüler-BAföG aufgrund der besonderen Konzeption der Schule.

Es gibt natürlich auch viele andere sehr preiswerte staatliche Internate, die beste Standortbedingungen bieten. Besonders gut gefallen mir das Annette-von-Droste-Hülshoff Gymnasium in Meersburg am Bodensee sowie das Staatliche Landschulheim Schloss Marquartstein in Oberbayern.

Abraten würde ich Ihnen von einem Voll- oder Teilstipendium in einer Schule "mit hoher Rolexdichte" (um es mal etwas verklausuliert auszudrücken). Hier werden die klugen und leistungsorientierten Bewerber nur missbraucht, um das Image der Schule für diejenigen aufzuwerten, die außer dem Geld der Eltern nichts vorzuweisen haben.

Hier einige Zitate:

Quelle: Karl-Heinz Heinemann: „Der feine Unterschied und seine Folgen – Bildungseliten und Elitenbildung in Deutschland“ (SWR2 Wissen, Sendung vom 30.10.2004): „Die Leistungsträger unter den Schülern, die sich in den sozialen Diensten engagieren, Schulsprecher sind oder im Schülerrat mitmachen, sind in der Regel Stipendiaten (!). Etwa ein Drittel der Schüler bekommt ein Stipendium. Sie werden sorgfältig ausgewählt. Wer jedoch voll zahlt, wird unbesehen genommen. Man wirbt um die „Vollzahler“, denn sie sichern den Bestand der Schule, und mit ihren Gebühren bringen sie auch die Kosten für die Stipendiaten auf. In puncto Leistungsverteilung ist es in Salem genau umgekehrt wie an anderen Schulen: Hier gibt es nicht die übliche Normalverteilung mit viel Durchschnitt, wenigen Spitzen und ein paar Versagern, sondern mehr Extreme: Hohe Leistungen und diejenigen, die durchgeschleppt werden müssen.“

Quelle: www.uniprotokolle.de-Chat: Die besten Internate Deutschlands

„Ich besuche zur zeit auch ein internat und glaubt mir, das war die schlechteste Entscheidung, die ich getroffen habe! Es ist einfach nur sauteuer und die meisten, die hier draufgehen, haben kaum etwas drauf. Viele hier hatten nach der 4. 'ne Empfehlung für die Haupt[schule], aber weil die Eltern viel Geld haben, können sie sich jetzt ganz stolz Gymnasiast nennen. Ihr ABI kriegen sie ja sowieso, egal wie die Noten sind... Sorry an alle Internatler, aber das ist mein Eindruck, den ich von Internaten und Privatschulen bekommen habe... und ich bin froh zu wissen, dass ich meine Kinder niemals auf eine Privatschule schicken werde!“

Quelle: Berliner Zeitung vom 19.02.2008

„An Schüler-Internaten, etwa Schloss Neubeuern, wird noch deutlicher, dass hier nicht die Leistungs- sondern die Geldelite gefördert wird. Für den Aufenthalt einschließlich Schulkleidung, Nebenkosten und Bücher zahlen Eltern rund 30.000 Euro pro Jahr, Taschengeld und Ausflüge gehen extra. Es gibt kleine Klassen, Einzelförderung und Hausaufgabenhilfe, trotzdem liegt der Abi-Durchschnitt bei knapp drei. Lehrer beklagen die "Wohlstandskrankheit" unter den Kindern, denen es angesichts steter finanzieller Sicherheit an Ehrgeiz und Motivation fehle. Sie schätzen die Schüler auch als eher selbstbezogen und unpolitisch ein. Die oft genannte Selbstsicht der Elite, die ihre Privilegien aus dem Mehr an Leistung und Verantwortung ableitet – hier funktioniert sie nicht. Warum nennt sich Neubeuern Eliteschule? Ein Schüler vermutet: Immerhin seien sie Kinder von Eltern, die es zu etwas gebracht hätten.“

Quelle: Schulradar, 25.12.2008 „Daran ändern auch die paar Alibi-Stipendiaten nichts, die vielleicht wenig Geld haben aber nach ihren bisherigen Noten ausgewählt werden und sich dann allerdings oft über das erbärmliche intellektuelle Niveau speziell in der Mittelstufe wundern. Diese nicht "auf Salemer Mist gewachsenen", in der 10. oder 11. Klasse meist von einer öffentlichen Schule nach Salem gekommenen Schüler heben dann die Abischnitte noch zusätzlich.“

Viele Grüße

U. Lange

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Hallo dermann4! Ich habe Zweifel, ob Ihnen/Dir mit einem Hinweis auf irgendein „schönes“ Internat und mit der Angabe der entsprechenden URL wirklich geholfen ist.

Die meisten Internate wurden und werden an besonders attraktiven Standorten errichtet; übrigens auch die preiswertesten (z.B. staatliche und kirchliche Internate). So besehen gibt es sehr viele „schöne“ Internate. Ich habe die ganze Bundesrepublik bereist und dabei viele Einrichtungen an den schönsten Standorten kennen gelernt. Das staatliche „Annette von Droste-Hülshoff-Gymnasium“ in Meersburg am Bodensee z.B.! Der Ort Meersburg ist ein Traum, wenn auch durch den Tourismus etwas überlaufen. Die Schüler sind in Nachbarschaft des ehemaligen Fürstbischöflichen Schlosses in einem ebenfalls schlossähnlichen Gebäude (ehemaliges Priesterseminar) untergebracht. Von einem Teil der Zimmer schaut man über den gesamten Bodensee zu den österreichischen und schweizerischen Alpenketten. Die Webseite trägt den Titel: „Das Gymnasium mit den besten Aussichten!“ Das halte ich keineswegs für übertrieben. Alle wichtigen Informationen über das Internat finden Sie/findest Du unter http://www.dhg.fn.bw.schule.de/joomla/index.php?option=com_content&task=view&id=130&Itemid=256 im Internet.

Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung sind übrigens vom Einkommen der Eltern abhängig und entsprechend gestaffelt. Sie betragen jährlich maximal 5.568 Euro, d.h. monatlich 464 Euro. Je nach Einkommen der Erziehungsberechtigten kann der Kostenbeitrag auf Antrag bis auf monatlich 361 Euro ermäßigt werden.

Das DHG Meersburg ist aber nur ein Beispiel für exklusive Standorte und beeindruckende Architektur. Ich könnte noch viele weitere nennen, leider nicht mit URL, weil meine Antwort in diesem Portal dann als „Spam“ blockiert wird.

Sehr gut gefallen mir z.B. die Internate, die auf kleinen Inseln inmitten von Seen liegen. Ich nenne nur die Schulfarm Insel Scharfenberg in Berlin (ebenfalls staatlich, Kosten derzeit € 412,- monatlich, zzgl. Essensgeld und bei Bedarf ein Zuschlag für Wochenendbetreuung von 7,50 €/Tag) oder das Internat der Hofbauer-Stiftung in einem ehemaligen Gutshof auf der Insel Hermannswerder in Potsdam (Träger: gemeinnützige GmbH, Kosten 1.340,00 € monatlich, Kostenermäßigung bei Nachweis eines geringen Einkommens möglich).

Seit Oliver Hassencamps Jugendbüchern über die Internatsabenteuer auf Burg Schreckenstein und erst recht seit J.K. Rowlings Welterfolg mit den Harry Potter Büchern, die im Zauber-Internat Schloss Hogwarts spielen, verbinden viele Kinder und Jugendliche einen Internatsaufenthalt mit der Erwartung, in einem pompösen Schloss zu wohnen. Dies wiederum weckt die Vorstellung von sozialer Exklusivität: Schloss = teuer. Dass diese Gleichung nicht stimmt, kann man anhand vieler Beispiele von staatlichen und kirchlichen Internaten nachweisen, die in prunkvollen ehemaligen Adelssitzen oder schlossähnlichen Klosteranlagen residieren. Vielfach sah man nämlich in der Einrichtung von Internatsschulen in solchen Bauwerken ein sinnvolles Nutzungskonzept zur Erhaltung der historischen Bausubstanz. Ich nenne als Beispiele nur das Internats Schloss Schwarzenberg in Bayern (Kosten 740 € monatl.), das auch die Realschule und die Berufsfachschule anbietet, das Collegium Johanneum Schloss Loburg bei Münster (katholischer Träger, Kosten 1000-1600 Euro monatlich), oder das Internatsgymnasium des Christlichen Jugenddorfwerks in Droyßig (Sachsen-Anhalt, Kosten 540 € pro Monat ), das ein hochmodernes Schulkonzept inklusive Hochbegabtenförderung in Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg anbietet.

Sehr oft sind Schlösser allerdings auch nur die Namensgeber der Internate oder beherbergen lediglich die Unterrichtseinrichtungen, während die Schüler in moderneren Zweckbauten in der Nähe untergebracht sind. Wo tatsächlich die Schlösser von den Internatsschülern bewohnt werden, zeigt sich nicht selten, dass die Schlossromatik so ihre Tücken hat: Da rieselt der Stuck von der Decke, ist die Heizung der Raumhöhe kaum gewachsen, muss man mit veralteten sanitären Anlagen Vorlieb nehmen.

Insgesamt möchte ich davor warnen, das Gute im Schönen zu suchen. Das tolle historische Ambiente ist oft nur eine Fassade, die mit einer angenehmen Atmosphäre oder gar einer wirkungsvollen Pädagogik wenig zu tun hat. Deshalb ist auch nicht wirklich zu empfehlen, geltungssüchtige und statusorientierte Kinder und Jugendliche unter Hinweis auf die prunkvolle Umgebung ins Internat locken zu wollen, denn der Effekt der Selbstaufwertung durch „Schöner Wohnen im Luxusinternat“ nutzt sich schnell ab.

Im Übrigen kann die protzige Umgebung auch pädagogischen Schaden anrichten. Das Nobel-Ambiente trägt oft zur Verwöhnung bei und verstärkt damit gerade diejenigen Probleme, die durch den Wechsel ins Internat gerade korrigiert werden sollten. Wohnen im Schloss und Erziehung zur Bescheidenheit sind Widersprüche, die nur schwer aufzulösen sind (siehe mein Aufsatz „In den Schlössern der Bescheidenheit“ – kann man so bei Google eingeben). Unter-suchungen im Zusammenhang mit der Förderung Hochbegabter haben sogar bewiesen, dass das Luxusambiente der Leistungsentfaltung schadet – wie jede Form der Verwöhnung.

Viele Grüße U. Lange

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Hallo lizzylovespain,

seit J.K. Rowlings Welterfolg um Harry Potters Abenteuer im Zauberinternat Schloss Hogwarts, zahlreichen „Doku-Soaps“ im Schloss-Schulen-Milieu, der Neuverfilmung von „Hanni und Nanni“ oder Kitsch-Literatur wie "Das Meermädchen-Internat Korallenkrone" scheinen Internate die Fantasie von Kindern und Jugendlichen wieder verstärkt zu beschäftigen. „Wie ist es denn so auf einem Internat?“ ist nach meinem Eindruck eine der am meisten wiederholten Fragen in diesem Ratgeber-Portal. Die Antworten befriedigen allerdings zumeist weder die Neugier von Internatsromantikern noch das Informationsbedürfnis von Ratsuchenden, die sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen (müssen), ob der Wechsel in eine Internatsschule oder ein Schülerheim für sie eine sinnvolle Lösung sein kann.

Ich gebe denjenigen zumindest teilweise Recht, die eine allgemeine Antwort für unmöglich halten, weil zum einen kein Internat wie das andere sei und zum anderen jeder seine eigenen Beurteilungskriterien habe und die Realität eines Internats unter Umständen auch sehr unter-schiedlich wahrnehme.

Davon abgesehen haben Internate aber auch gemeinsame Eigenschaften und ähnliche Probleme bzw. treten mit dem Besuch eines Internats weitgehend dieselben Schwierigkeiten auf. Diese kann man sehr genau benennen. Wie häufig im Leben steht den romatischen Erwartungen neugieriger Fragesteller zumeist eine eher ernüchternde Realität gegenüber.

Ein grundsätzliches Schülerproblem in Internaten ist zunächst die Trennung von der Familie, das Heimweh. Auch die Hackordnung innerhalb der Schülerschaft ist in Internaten ausgepräg-ter als an Tagesschulen. In der Subkultur der Internatsschüler herrschen oft völlig andere Normen als im „offiziellen“ Internatsleben. Wer bei den SchülerInnen anerkannt sein will, ist oft gezwungen, die Regeln der Erwachsenen zu verletzen (Alkohol- und Drogenkonsum, Nichteinhaltung des Tagesplans und der Hausordnung usw.). Eltern haben oft vollkommen falsche Vorstellungen von dem Leben ihrer Kinder im Internat. Und weder die Pädagogen noch die Internatsschüler selbst haben ein sonderlich großes Interesse, sie über die Wirklichkeit aufzuklären.

Im Internet habe ich ein paar kritische Berichte gefunden, die die angesprochene Problematik anschaulich machen:

„Ich bin mit 14 ins Internat gekommen und habe angefangen zu kiffen. Was folgte waren 4 Schulwechsel, meine Noten stürzten ab und mein Freundeskreis bestand irgendwann nur noch aus Kiffern und Tickern“, schreibt da ein „Matrixed“ auf der Seite www.suchtzentrum.de.

In einem Bericht der Welt am Sonntag vom 06.11.2005 heißt es zur Situation in dem angeblichen Vorzeige-Internat Salem: „Die Schüler müssten begreifen, dass es eine Zumutung für die Haustutoren ist, wenn sie sich die Nächte um die Ohren schlagen müssen, weil sie auf der Suche nach Schülern sind, die unerlaubt eine Disko besuchen, meint Stufenleiter Lindfield Roberts.“

Aus einem Schüler-Bericht über ein hessisches „Elite-Internat“ (Quelle: ciao.de):

„Von Versagern für Versager, die Dumme hinter sich wissen, die für diese miese Veranstaltung ca. 30. 000 € im Jahr bezahlen!

Hier ein paar Stichpunkte: • ein Direktor, der dem Elternsprechtag fern bleibt (Sportlehrer)

• viele Lehrer haben resigniert

• Lehrer sehr häufig und dann länger krank

• einige Erzieher haben keine Vorbildfunktion (einer kaute während seiner Abitursrede Kaugummi)

• Schüler, die stark alkoholisiert zum Unterricht erscheinen, so sie denn kommen ("die meisten Herrschaften sind ja schon 18 und da kann man ihnen ja nichts mehr sagen", O-Ton eines Erziehers)

• sehr viele machen mit 21 o. älter Abi

• relativ häufig werden Schüler wegen Drogen gefeuert (immerhin!)

• den meisten männlichen Abiturienten wurde 2008 bei der Verabschiedung bestätigt, dass sie trotz größter Faulheit irgendwie und gerade noch das Abi geschafft haben;

• d.h. alles andere als eine leistungsorientierte und leistungsfördernde Umgebung.

Da das ganze Umfeld nicht stimmt, nützt es auch nichts, wenn man das Glück und für sein Kind einen erstklassigen und einsatzwilligen Erzieher bzw. Erzieherin hat und einige wirklich gute Lehrer (beides gibt es natürlich auch). Schüler, die interessiert und gut sind, werden hier nicht gefordert. Schlechte Schüler fallen noch tiefer!“

Gruß U. Lange

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