Wenn man den Erfahrungsberichten, die im Internet verbreitet werden, glauben kann, besteht ein erheblicher Teil der Salemer SchülerInnen aus potenziellen Hauptschülern. Das Geschäftsmodell von Salem & Co. scheint darin zu bestehen, durchschnittlich Begabten gegen ca. 30.000 Euro im Jahr den Besuch eines Gymnasiums zu ermöglichen.

Belege:

http://ulange.beepworld.de/files/internatechatdiebesteninternatedeutschlands.pdf "Ich habe noch nie etwas positives über Salem gehört und das wäre ganz sicher die letzte Schule wo ich mein kind hinschicken würde. Ich besuche zur zeit auch ein internat und glaubt mir, das war die schlechteste Entscheidung, die ich getroffen habe! Es ist einfach nur sauteuer und die meisten, die hier draufgehen, haben kaum etwas drauf. Viele hier hatten nach der 4. 'ne Empfehlung für die Haupt[schule], aber weil die Eltern viel Geld haben, können sie sich jetzt ganz stolz Gymnasiast nennen. Ihr ABI kriegen sie ja sowieso, egal wie die Noten sind..."

Neue Zürcher Zeitung vom 26.01.2009: "Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist, dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Wenn der Schulbesuch mit hohen Schulgeldern und speziellen Aufnahmebedingungen verbunden ist, dann wird der Elternschaft außerdem Exklusivität kommuniziert. Für die Lehrpersonen wird es schwierig, wenn sie diesen Auftrag nicht annehmen und das Verhalten und das Leistungsprofil der Schüler zu sehr hinterfragen. Ihre Existenz wird bedroht, und sie verlieren vielleicht wegen eines kritischen Vaters und Sponsors ihre Stelle."

Kommentar auf der Seite "med1 - Forum Erziehung" "ich war selber auf einem solchen "elite"-internat (wie schloss salem), es war schön und ich hatte eine gute zeit. dennoch war ich auch froh als es dann vorbei war. noch mal würde ich aber nicht zustimmen auf eines zu gehen. man lebt wirklich in einer andern welt. in einer teils sehr elitären gemeinschaft. hinzu kommt der für mich sehr krasse leistungsunterschied. von einer sehr guten gesamtschule auf ein [privates] internatsgymnasieum is heftig.

Zuschrift auf der Seite "wiki.verkata - Diskussion Schule Schloss Salem": "Die meisten Gerüchte die über Salem im Umlauf sind, stimmen nicht! Wissen Sie, mir liegt sehr viel daran Salem gut zu präsentieren und wieder ins rechte Licht zu rücken. Erst einmal, ich bin von einer Realschule mit notendurchschnitt 3,4 nach Salem gewechselt. Ich habe kein Stipendium bekommen, da ich nicht den Erforderungen nachkommen konnte. Nun, im nächsten Zeugnis auf Salem, einem staatlich anerkannten Gymnasium, habe ich einen Durchshnitt von ca 2,3 gehabt! So geht es vielen Schühlern und Schülerinnen hier, da wir pedagogisch sehr gut betreut sind!"

DIE WELT vom 19.10.2000: "Direktor Bueb räumt ein, "kein besonders schweres Gymnasium zu sein". In der Mittelstufe zum Beispiel steht "Charakterbildung ganz oben", die Jugendlichen sollen ihr Potential entdecken. Prominenter Ex-Schüler von Schloss Salem ist unter anderem der Ehemann der Queen, Prinz Philip."

usw.

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Hallo Ivana,

den Angaben Deines Profils nach bist Du schon 17 Jahre alt, eigentlich etwas zu alt für diese "Plötzlich-Prinzessin" und "Schöner lernen im Schloss"-Träumereien.

Wie Du schreibst, hast Du Dich für die Internatsschule Schloss Neubeuern entschieden, eines der teuersten Institute in Deutschland (monatliche Kosten 2.750,- zzgl. Nebenkosten).

Laut Spiegel online/Schulspiegel soll es sich hierbei um ein besonders leistungsorientiertes Elitegymnasium handeln. Zitat: >>Im Internat Schloss Neubeuern setzt man auf die Bildung von Eliten von der 5. Klasse an. Die Schule mit ihrem naturwissenschaftlich-technologischen Profil bekennt sich klar zum Leistungsprinzip und fördert die Teilnahme an schulischen und sportlichen Leistungswettbewerben nach dem Motto "work hard, play hard". Das Bemühen der Schüler (in sieben Kategorien wie etwa Leistung, Verhalten, Werte und Soziales, Sport) wird einzeln bewertet.<<

Wirklich nachgeprüft hat das allerdings niemand. Die Angaben beruhen auf einer Selbstbeschreibung des Internats. Die Wirklichkeit dürfte - wie bei allen teuren Privatinstituten - wohl ganz anders aussehen. Hier ein Bericht der Journalistin Julia Friedrichs, die für ihr Buch "Gestatten Elite" sowohl die Schule Schloss Salem als auch die Schloss Neubeuern besucht hat (Quelle: Textauszug S. 143 f.):

Einer aus dem Kollegium, der nicht genannt werden möchte, formuliert es drastischer: "Viele unserer Schüler leiden unter der Wohlstandskrankheit." "Was ist das, die Wohlstandskrankheit?" "Dieses Verhalten, das aus dem Gefühl entsteht: Mir fehlt es an nichts. Mir geht es gut. Macht ihr mal. Und wenn es mir gefällt, mache ich vielleicht mit. Und wenn nicht, dann nicht. Die kommen aus einem Hintergrund, wo immer Geld da ist. Die haben sich meistens noch nie in ihrem Leben für irgendetwas anstrengen, für irgendetwas kämpfen müssen." [...] Vielen seiner Schüler, klagt jemand aus dem Kollegium, fehlten der Schwung und die Motivation für eine ganz normale schulische Arbeit. "Die haben das Gefühl, dass nach dem Abitur schon alles geebnet ist, dass Papas Unternehmen wohl auch noch die nächsten dreißig Jahre Bestand hat, dass Geld da ist und eigentlich gar nichts passieren kann. Das ist sicherlich an einer staatlichen Schule, wo ein Aufstiegswille motivierend wirken kann, anders." Ich bin verwirrt. Erste Zweifel melden sich. Die Lehrer erzählen von antriebslosen Kindern, vom Kampf um Disziplin. Von Schulkarrieren, die es zu retten gilt. Das klingt nach Hauptschuldiskussion. Bin ich tatsächlich an einem Internat, das von sich behauptet, Eliten auszubilden? "Unsere Schüler wissen, dass Papas Chefsessel wartet", beschwert sich ein Lehrer. Im Prospekt der Schule finde ich eine Tabelle der Schul- und Internatsgebühren und plötzlich begreife ich. Nach Neubeuern kommen nicht die, die in meiner Welt reich waren. Die Arzttöchter, die zum Abitur einen Golf bekamen, oder die, die mit der Familie jedes Jahr zum Skifahren reisten. Neubeuern kann sich nur leisten, wer richtig viel Geld hat - ein paar Adlige, Kinder aus traditionellen Unternehmerfamilien, neuerdings auch welche, deren Väter mit Aktien viel Geld gemacht haben. Und zwei Prominente sind auch da: Ein Kind und ein Enkel zweier Schlagerstars.<<

Die freie Journalistin Birgitta vom Lehn schreibt im "Rheinischen Merkur" vom 29.04.2010:

"Vernachlässigte Kinder aus reichen Verhältnissen landen im Internat. Gegen das Vorurteil, Verwahranstalt für Problemfälle zu sein, haben die Internate seit je kämpfen müssen. Auch deshalb sind sie verlässliche Werbepartner. Hartmut Ferenschild, Geschäftsführer der Internatsberatung der 21 Landerziehungsheim-Internate [Anm.: Inzwischen gehören dem Verband nur noch 15 Einrichtungen an], spricht lieber von „Oasen in der deutschen Erziehungswüste“ und „zu Ende gedachten Ganztagsschulen“. Gerade zu Zeiten von G8 könne man punkten. Doch so sehr auch Leistungen ins Rampenlicht rücken sollen, so sicher ist: Weniger die Institution als der prominente Familienname garantiert dem Internatszögling seinen späteren Aufstieg oder zumindest Klassenerhalt.<<

Und hier noch ein Foren-Beitrag einer Schülerin, die als Stipendiatin von einer öffentlichen Gesamtschule auf so ein angebliches Eliteinternat gewechselt ist und sich sehr über das niedrige Niveau ihrer "Eliteschule" gewundert hat:

ich war selber auf einem solchen "elite" internat ( wie schloss salem), es war schön und ich hatte eine gute zeit. dennoch war ich auch froh als es dann vorbei war. noch mal würde ich aber nicht zustimmen auf eines zu gehen. man lebt wirklich in einer andern welt. in einer teils sehr elitären gemeinschaft. hinzu kommt der für mich sehr krasse leistungsunterschied. von einer sehr guten gesamtschule auf ein internatsgymnasium is heftig. << (Quelle: www.med1.de forum Erziehung).

Wie Du Dich in der neuen Umgebung "integrieren" wirst, dürfte entscheidend davon abhängen, ob Du dem dortigen "Durchschnitt" entsprichst.

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Auf keinen fall

Wenn wirklich alle Optionen offen sind und aus der Perspektive des Erwachsenen und des Internats-Insiders (langjähriger Internatsleiter und Internatsberater in Konfrontation mit vielen negativen Erfahrungen und Beschwerden von Eltern und Schülern) würde ich sagen: Internat auf keinen Fall! Zu viele Risiken, äußerst zweifelhafte "Vorteile", Preis-Leistungs-Verhältnis gerade bei den teuren Luxus-Internaten äußerst schlecht.

Realistischerweise muss man aber auch feststellen, dass zumeist nicht alle Optionen zur Verfügung stehen, d.h. die Entscheidung für oder gegen den Wechsel ins Internat eben nicht "frei" ist, sondern durch verschiedene Probleme im familiären und schulischen Umfeld erzwungen wird, weil bessere Alternativen fehlen.

Das aber wollen die "Internatsbegeisterten" nicht wahr haben und erst recht nicht zugeben. Man sagt nicht: "Mein Kind ist schulisch überfordert, durch verwöhnende Lebensumstände stinkend faul oder durch mein unsicheres und inkonsequentes Erziehungsverhalten im Umgang unerträglich geworden", sondern man "wählt" die "bessere Bildung" (weil ja die öffentlichen Schulen angeblich so schlecht sind) und das (vermeintlich!!!) "bessere soziale Umfeld" (weil Ali, Yussuf und Dimitri und die übrige Gagsta-Rapper Truppe sonst auf dem Schulweg über die blonde Eva herfallen und dem braven Maximilian das überhöhte Taschengeld und die Designerklamotten abpressen). Ja, man "wählt" nicht nur, wie man als Konsument gewohnt ist, aus vielen Angeboten das Beste für sich auszuwählen, man "gönnt" und "leistet" es sich und hat dabei das Wohlgefühl des zufriedenen Genussmenschen.

Natürlich ist dies Selbstbetrug, weil die schlechten Schulleistungen des eigenen Sprösslings eben nicht von vollen Klassen und unengagierten Lehrern an der "schlechten" Staatsschule herrühren, sondern von mäßiger Intelligenz, fehlender Belastungsfähigkeit und Ausdauer sowie unzureichender sozialer Anpassungsfähigkeit des Kindes. Aber diese Erkenntnis wäre ja unangenehm und damit für eine bereits selbst wohlstandsverwöhnte Elterngeneration und deren narzisstisches Selbstbild unerträglich. Man sucht also den Ausweg aus der tristen Realität und findet sie bei Harry Potter und dem Zauberschlosch Hoghwarts.

Internate erscheinen als "Inseln", wo überwiegend private Anbieter gegen satten Aufschlag zwar auch nur das anbieten, was es beim Staat "für umme" gibt, wo aber für angenehme Rahmenbedingungen gesorgt wird (Schlösser in herrlicher Landschaft, vermeintlich handverlesene Kinder, Lern-Service mit kleinsten Klassen und "Gute-Noten-Garantie" statt unterrichtlicher Anforderungen, die "Rundum-Sorglos-Betreuung" für nervige Kinder und entnervte Eltern, damit die Themen "Zimmer-Aufräumen" und "Wann-abends-nach-Hause-Kommen" den Alltag mit sich selbst beschäftigter Eltern nicht mehr belasten.

Das Problem war allerdings das (zu Recht!) miese Image der Internate: Alkohol, illegale Drogen, verhaltensauffällige oder gar kriminelle Schüler, machtlose Erzieher, schlechter Unterricht. Bis Anfang der 1990er Jahre haben die Internate selbst das schlechte Image und die entsprechende Wirklichkeit beklagt. Das hatte zur Folge, dass die Schülerauswahl immer schlechter wurde und die Nachfrage infolgedessen noch stärker zurück ging.

Bevor nun die ganze Wohnschulbranche Konkurs anmelden musste, griff man zu dem letzten Mittel für Not- und Kri(eg)senzeiten: Erzeugung eines positiven Gegenbildes zur Wirklichkeit mit dem Mittel der Lügen- Propaganda, bestens bekannt von Göbbels, Bush jr. und Konsorten. Diese Strategie wurde unterstützt durch eine allgemeine Tendenz zur "Privatisierung" (Medien, Bildungswesen). Die gesellschaftliche Akzeptanz für die Privatisierung wird durch die Irrlehre hergestellt, Privatisierung führe über verstärkten "Wettbewerb" zu besseren "Leistungen". Tatsächlich aber eröffnet sich durch die Privatisierung ein Weg, den Wettbewerb statt über Leistungen über die Werbung auszutragen, so dass nicht derjenige im Wettbewerb gewinnt, der die besseren Leistungen erbringt, sondern derjenige, der am meisten Geld für Werbung mobilisieren kann (wobei auch Bestechungsgelder als Werbeausgaben gelten). Die Privatisierung im Medienbereich sorgte zusätzlich dafür, dass die wirtschaftliche Stellung bislang unabhängiger Medien und damit die öffentliche Berichterstattung immer stärker von privatem Geld und privaten Interessen abhängig wurde (Anzeigenaufträge, Einschleusung von PR). Letztlich führt Privatisierung zur Refeudalisierung der gesamten Gesellschaft, weil Geld zum einzigen und letztlich entscheidenden Machtfaktor wird. Allerdings müssen die "Massen" über diese Entwicklung durch ständige Desinformation getäuscht werden.

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Es gibt eine recht gute Reportage des NDR aus der Reihe "7 Tage", die ein sehr realistisches und nüchternes Bild des Internatslebens in der Klosterschule Rossleben vermittelt. Hier werden keine Klischees strapaziert und es gibt weder "Harry-Potter"- noch Hanni-und Nanni- oder Schicki- und -Micki-Anklänge. Einfach gute Impressionen aus dem stinknormalen Internatsalltag. Die URL des Beitrags lautet: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/7_tage/siebentage605.html

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