Mit welchen Fragen (Problemfragen) über die Ästhetik beschäftigen sich Philosophen?

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Philosophen (und Philosophinnen) beschäftigen sich als solche mit philosophischer Ästhetik.

Der Inhalt dieser Ästhetik kann unterschiedlich weit sein:

a) Theorie der ästhetischen Erfahrung (auf Sinneswahrnehmung und Gefühlen beruhende Erfahrung)

b) Theorie der Kunst

Thema von Ästhetik (griechisch: αἴσθησις = Wahrnehmung) ist das sinnlich in Erscheinung Tretende. Philosophisch ist ein Denken, das sich mit grundlegenden Fragen auseinandersetzt.

Was ist der Geltungsbereich von Ästhetik? Gehören dazu sowohl Kunstwerke als auch Naturgegebenheiten?

Was sind die Erkenntnisvermögen bei ästhetischer Erfahrung und welche Rolle spielen sie?

Wie ist bei ästhetischer Erfahrung das Verhältnis von Sinneswahrnehmung, Empfindung, Vorstellung/Einbildungskraft/Phantasie und Verstand/Vernunft?

Welche Erkenntnisarten gibt es bei ästhetischer Erfahrung?

Was ist Schönheit/das Schöne? Gefallen Dinge, weil sie schön sind, oder sind Dinge schön, weil sie gefallen? Bei der einen Auffassung ist Schönheit eine Beschaffenheit, bei der anderen Auffassung eine Wirkung und rein subjektiv (aus der Perspektive von Wahrnehmenden zugesprochen; ein eher unreflektierter Allgemeinplatz: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“). Geht ein Urteil, jemand oder etwas sei schön, auf Geschmack und begleitende Empfindungen wie Wohlgefallen oder Lust zurück?

Beruht ein ästhetisches Urteil auf einer rationalen oder nicht rationalen Erfahrung?

Wie ist die Beziehung zwischen dem Schönem, dem Guten und dem Wahren?

Was ist Kunst/das Wesen von Kunst?

Was ist der Gegenstand von Kunst? Was macht ein Kunstwerk aus?

Wie kann Kunst verstanden werden?

Wie kann Kunst beurteilt/bewertet werden, was sind dafür Kriterien/Maßstäbe?

Hat die schöpferische/kreative Produktion von Kunst eine besondere Veranlagung oder Begeisterung zur Voraussetzung (hochgegriffen: Genie-Problem)?

Wie kann Vergnügen/Lust/Freude/Wohlgefallen an Kunst erklärt werden? Was ist Sinn/Ziel/Zweck und Nutzen von ästhetischer Erfahrung bzw. Kunst für die Individuen und die Gesellschaft?

Artikel in Nachschlagewerken und Bücher, die es in Bibliotheken gibt, bieten ausführlcihe und weiterführende Informationen, z. B.:

Karlheinz Barck/Jörg Heininger/ Dieter Kliche, Ästhetik, ästhetisch. In: Ästhetische Grundbegriffe. Band 1: Absenz - Darstellung. Herausgegeben von Karlheinz Barck, Martin Fontius, Dieter Schenstedt, Burkhardt Steinwachs, Friedrich Wolfszettel. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, S. 308 - 400

Dietfried Gerhardus/Matthias Gatzemeier, ästhetisch, Ästhetik. In: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 1: A - B. 2., neubearbeitete und wesentlich ergänzte Ausgabe. Unter ständiger Mitwirkung von Gottfried Gabriel, Matthias Gatzemeier, Carl F. Gethmann, Peter Janich, Friedrich Kambartel, Kuno Lorenz, Kaus Mainzer, Peter Schroeder-Heister, Christian Thiel, Reiner Wimmer, Gereon Wolters in Verbindung mit Martin Carrier herausgegeben von Jürgen Mittelstraß. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2005, S. 253 – 264

Günther Pöltner, Philosophische Ästhetik. Stuttgart : Kohlhammer, 2008 (Grundkurs Philosophie ; Bamd 16. Kohlhammer-Urban-Taschenbücher ; Band 400). ISBN 978-3-17-016976-0

Birgit Recki, Ästhetik, philosopische. In: Enzyklopädie Philosophie : in drei Bänden mit einer CD-ROM. Unter Mitwirkung von Dagmar Borchers, Arnim Regenbogen, Volker Schürmann und Pirmin Stekeler-Weithofer herausgegeben von Hans Jörg Sandkühler. Band 1: A – H. Hamburg : Meiner, 2010, S. 159 – 168

Maria E. Reicher, Einführung in die philosophische Ästhetik. 3., überarbeitete Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2015 (Einführung Philosophie), ISBN 978-3-534-26648-7

Joachim Ritter, Ästhetik, ästhetisch. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 1: A – C. Basel : Stuttgart, Schwabe, 1971, Spalte 555 - 580

Axel Spree. Ästhetik. In: Handwörterbuch Philosophie. Herausgegeben von Wulff D. Rehfus. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 2003 (UTB : Philosophie ; 8208), S. 260 – 262

Das sind super tolle Fragen, hilfreich wären mir auch die Antworten :)

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Für folgende 12  Fragen interessiere ich mich Am meisten, vielleicht könnten Sie Albrecht mir die erklären/erläutern eventuell auch Beispiele dazu geben (besser verständlich) 

Herzlichen Dank

1. Was sind die Erkenntnisvermögen bei ästhetischer Erfahrung und welche Rolle spielen sie?

2.Wie ist bei ästhetischer Erfahrung das Verhältnis von Sinneswahrnehmung, Empfindung, Vorstellung/Einbildungskraft/Phantasie und Verstand/Vernunft?
3.Welche Erkenntnisarten gibt es bei ästhetischer Erfahrung?
4.Was ist Schönheit/das Schöne? Gefallen Dinge, weil sie schön sind, oder sind Dinge schön, weil sie gefallen? Bei der einen Auffassung ist Schönheit eine Beschaffenheit, bei der anderen Auffassung eine Wirkung und rein subjektiv (aus der Perspektive von Wahrnehmenden zugesprochen; ein eher unreflektierter Allgemeinplatz: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“). Geht ein Urteil, jemand oder etwas sei schön, auf Geschmack und begleitende Empfindungen wie Wohlgefallen oder Lust zurück?
-->5. Wozu ist das Schöne gut?
6.Beruht ein ästhetisches Urteil auf einer rationalen oder nicht rationalen Erfahrung?
7. Wie ist die Beziehung zwischen dem Schönem, dem Guten und dem Wahren? --> dazu 8. können ästhetische Urteile objektiv/allgemeingültig sein? Wohlgefallen wird ja nach Kant durch Angenehmes, gutes und Schönes unterschieden. 9.Was bedeuten diese, hätten Sie Vllt ein paar Beispiele?
---> folgt ja aus ihrer Frage:
10.Wie kann Vergnügen/Lust/Freude/Wohlgefallen an Kunst erklärt werden? Was ist Sinn/Ziel/Zweck und Nutzen von ästhetischer Erfahrung bzw. Kunst für die Individuen und die Gesellschaft?

11.Gibt es ästhetische Normen?
12. müssen ästhetische Dinge nur Wohlgefallen auslösen?

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@MyLinh76

Bei diesen Fragen hat es in der philosophischen Ästhetik vielfältige und auch in erheblichem Ausmaß unterschiedliche Antworten gegeben. Und nicht jede ästhetische Theorie ist auf jede Frage eingegangen.

1) Es kann an Erkenntnisvermögen wie Sinneswahrnehmung, Empfindung, Vorstellung/Einbildungskraft/Phantasie, Gedächtnis und Verstand/Vernunft gedacht werden. Und Sinneswahrnehmung kann z. B. als bloß passiv(rezeptiv-aufnehmend) oder auch ein Stück weit aktiv verstanden werden, Verstand/Vernunft als wichtig durch Erschließung mittels begrifflichen Denkens oder oder als reiche Fülle zusmamenschrumpfenlassende Abstraktion.

2) Gemeint ist, wie die Erkenntnisvermögen zusammenwirken, welches welche Leistung erbringt und welches vorrangig und führend tätig ist.

3) Beispiele sind intuitive Erkenntnis und reflektierende Erkenntnis.

4) Zu dem Thema steht in folgenden Fragen etwas:

https://www.gutefrage.net/frage/philosophie-schoenheit

https://www.gutefrage.net/frage/ist-der-schoenheitsbegriff-adhoc-oder-steht-er-fuer-alle-zeit-fest

5) Denkbar sind z. B. Lust/Freude/Vergnügen/angenehme Empfindungen, Entfaltung von Anlagen/Begabungen in schöpferischer oder wiedergebender/dastellender Tätigkeit, Glück, Förderung innerer Harmonie, besondere Art der Erschließung der Wirklichkeit.

6) Dies ist einerseits ist davon abhängig, ob das ästhetische Urteil auch auf Verstand/Vernunft gegründet wird (die Bewertung ist dann in dieser Hinsicht rational) oder bloß auf Gefühle, anderseits davon, ob Wahrnehmen oder Fühlen ein rationaler Anteil zugeschreiben wird oder nicht.

7) Das Schöne, Gute und Wahre kann als getrennt bzw. sogar nicht real existerend aufgefaßt werden, aber auch als miteinander verbunden (z. B. in der platonischen Ideenlehre).

8) Ästhetische Urteile können als objektiv/allgemeingültig gelten, wenn das Schöne als Beschaffenheit der Dinge verstanden wird und grundsätzlich objektive Erkenntnis für möglich gehalten wird. Wenn Schönheit und ästhetische Urteile auf Geschmacksurteile infolge von Wohlgefallen gegründet werden, gibt es Möglichkeiten, noch eine eingeschränkte Allgemeingültigkeit zu behaupten (z. B. manches anthropologisch für den Menschen als Gattungswesen oder durch ein bestimmtes Aufeinanderbezogensein von Erkentnisvermögen jeden Subjekts), aber es kann auh alles als rein subjektiv, individuell und wechselhaft gedeutet werden.

9) Angenehmes ist etwas, das angenehme Gefühle auslöst (Lust/Freude, Vergnügen und Ähnliche). Wohlgefallen, daß jemanden etwas wegen solcher Gefühle gefällt, damit ein Beitrag zu einem Wohlbefinden geleistet wird. „Gutes“ bezieht sich auf den Begriff „gut“, der allgemein etwas Erstrebenswertes, zu Bejahendes bedeutet und sich in viele Bereiche verzweigt. Das Schöne ist ein zentraler Begriff der Ästhetik und unterschiedlich gedeutet worden (siehe Frage 4).

10) Vergnügen/Lust/Freude/Wohlgefallen kann z. B. physiologisch (Reizung von Sinnesorganen) und psychologisch (Auslösung oder Verstärkung von Gefühlen und Stimmungen), anthropologisch alls Inspiration, Hineinwirken ins Unbewußte, Mustererkennung, Schwingungen herbeiführend, harmonische Entfaltung von Anlagen/Fähigkeiten/Begabungen erklärt werden. Kunst kann als ziemlich zweckfrei, ohne direkte Nutzen, eingeschätzt werden (Kunst um der Kunst willen), aber auch als für anderes günstig (vgl. Frage 5), Erschließung des Wahren und Guten, Hinführung in sonst kaum zugängliche Wirklichkeitsbereiche, kultivierend und veredelnd. Sie kann als förderlich für verbindende Gemeinschaftelebnisse sein.

11) Es hat Kunstregeln gegeben. Es gibt Theorien mit Ebenmaß, Proportion, eine Lehre vom goldenen Schnitt. Das Schöne kann eine Norm darstellen (die Beantwortung ist unterschiedlich, vgl. Frage 4) und 8).

12) Nicht klar ist, ob mit ästhetischen Dingen wahrnehmbare Dinge oder schöne Dinge gemeint sind. Wahrnehmbare Häßlichkeit löst etwas anderes als Wohlgefallen aus, eher Mißfallen, Abneigung, Ekel. Allgemein können wahrnehmbare Dinge und Schönes auch einen Anteil von Erschrecken enthalten (in Richtung Erhabenes) oder in anderer Hinsicht etwas auslösen, z. B. Gedanken.

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Philosophieren lässt sich prinzipiell über Alles, z.B. schon darüber ob es Ästhetik überhaupt gibt. Wenn man das mal vorraussetzt könnte man Fragen, was Ästhetik ausmacht, wodurch sie sich definiert oder was wir generell als ästhetisch empfinden. Wichtig ist dabei nur, dass du dies so allgemein wie möglich behandelst um auch allgemeingültige Resultate deiner Gedanken und Gespräche zu erhalten.

mit phänomenen, die mit den sinnen NICHT wahrgenommen werden können

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