Kinofilme: Werden Filmrollen kopiert (mehrere Versionen analoger Filmproduktionen wie bei neuem "The Hateful Eight")?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ursprünglich zu Zeiten als es noch keine Digitalkameras, -projektoren und Schnittcomputer gab, wurde der Film auf Negativmaterial (16, 35 oder 65mm gedreht) und von den interessanten Szenen Kopien hergestellt (die wurden auf Negativmaterial kopiert., so dass die Kopie dann positiv war). Mit diesen Arbeitskopien der Szenen wurde der Film geschnitten (so richtig mit Schere und Klebepresse) und danach wurde anhand der mitkopierten Randnummerierung des Negativs das Originalkameranegativ identisch geschnitten (man sagt: abgezogen zu diesem Arbeitsschritt). Von diesem Negativ hat man bei wenigen Kopien direkt die Theaterkopien hergestellt oder aber ein Zwischennegativ (das war dann meist auf ein sog. Color Reversal Intermediate kopiert - einen Umkehrfilm, so dass man zur Massenkopierung wieder ein Negatib hatte.

Mit dem Aufkommen von Computerschnittsystemen und Filmabtastern wurde dann das Kameranegativ gescannt, die Daten geschnitten und dann danach das Negativ geschnitten.

Als dann verbesserte Abtaster und leistungsstarke Schnittsysteme auf den Markt kamen wurden die Negaivie in voller Auflösung und Qualität geschnitten und am Ende mit Hilfe eines Arrilasers auf ein Filmnegativ zurückgeschrieben. Der Arrilaser ist so eine Art Printer mit dem man digitale Bilder auf Film belichten kann.

Dann kamen die digitalen Kameras auf, so dass heute nur noch ein geringer Anteil an Filmen tatsächlich noch auf Film gedreht wird - das meiste erfolgt digital.

Dasselbe gilt für die Kinos - auch dort wird eigentlich fast ausschliesslich heute digital vorgeführt. Es gibt aber immer noch Ausnahmen, die dank der exzellenten Qualität von Filmmaterial immer noch ihre Berechtigung haben.

Tarantino besipielsweise hat auf 65mm Negativ gedreht, digital geschnitten und dann neben der digitalen Auswertung auch wieder Filmkopiene auf 70mm Format herstellen lassen. Dazu wurden die Digitaldaten vermutlich auf ein 70mm-Negativ ausbelichtet und davon Kopien für die Kinos gezogen. Zu blöd, dass ich grad mangels Fotoapperat kein Bild senden kann, von da wo ich gerade bin - ich sitze nämlich gerade genau neben einer dieser Kopien in einem Vorführraum.

Sowas ist eine Aufgabe für die Kopierwerke, von denen es aber immer weniger gibt. Wie genau so eine Kopie gezogen wird, weiss ich nicht. Aber im Prinzip wird es ähnlich sein wie bei der guten alten Fotografie, Wikipedia liefert bestimmt jede Menge Infos dazu.

B: Der Film bzw. die Szenen wurden alle 4x gedreht und geschnitten...

Da habe ich herzhaft gelacht. Vor 15 Jahren, vor dem Boom des digitalen Films, sprach man von einem großen Kinostart, wenn 400 oder mehr Kopien an die Kinos gingen. Nur in Deutschland, weltweit also einige zehntausend. Man stelle sich vor, wie nervenaufreibend die Dreharbeiten gewesen wären, hätte es nicht die analoge Kopiertechnik gegeben...

Bei älteren Filmen, die alle gefilmt und nicht elektronisch aufgezeichnet wurden, übersieht man oft den Hinweis auf die Kopieranstalt. Der fertig geschnittene Film wurde also mehrfach prof kopiert und dann an die Kinos ausgeliefert.

Bei moderner Magnetaufzeichnung kann nachträglich ein Film belichtet und kopiert werden.

Jedenfalls dürften die verwendeten Verfahren so aufwändig sein, dass Kopierverluste extrem gering sind.

Was möchtest Du wissen?