Kategorischer Imperativ - Verständnisproblem

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Um die "Mensch-Zweck-Formel" verstehen zu können, muss man die Begriffe "Zweck" und " Mittel" definieren. Wenn man jemanden als Mittel benutzt, so nutzt man die Fähigkeiten oder Ressourcen dieses Menschen aus, um an ein Ziel zu kommen. Wenn ich z.b einenApfel von einem Baum haben wil, aber zu klein bin, dann frag ich dich, ob du mir hilfst. ( Du bist mein Mittel) Aber ich gebe dir nichts zurück.

Wenn man jemanden als Zweck ansiet, bedeutet das, dass der Mensch das Ziel ist, denn Zweck bedeutet Ziel oder auch, dass weswegen man etwas macht.

Das heisst, wenn ich dich nicht nur als Mittel,s sondern auch als Zweck sehe, dann frage ich dich nachdem du mt mit dem Apfel geholfen hast, ob du z.B. ein Stück davon haben möchtest.

Endlich mal eine sinnvolle Antwort. Normalerweise bekommt man auf solche Fragen ja nur Lexika-Einträge und irgendwelche anderen unverständlichen Texte um die Ohren gehauen.

(Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob das Beispiel mit dem Apfel wirklich passend ist. ;) )

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Du kennst ja wahrscheinlich das Sprichwort "Der Zweck heiligt die Mittel", wenn man z.B. ein Unrecht begeht, um ein größeres zu verhindern. Die "Selbstzweckformel" verlangt, dass man die Menschheit nicht als Mittel betrachtet, sondern als Zweck, es gibt also keine Ausrede dafür, ihr Schaden zuzufügen. Wenn z.B. jemand meint, es würde der Menschheit helfen, wenn man die Erde in die Luft jagt, weil dann ja alles Unglück vorbei ist, "übersieht", dass damit auch der Zweck selbst, nämlich die Menschheit, der man zu helfen vorgibt, ebenso vernichtet ist. Man kann die Formel auch als Argument gegen Kollateralschäden und Krieg ansich anbringen: Wenn jemand Zivilisten bombardiert, weil sich darunter auch gegnerische Soldaten befinden, führt sein Argument, die Bevölkerung mit diesem Krieg schützen zu wollen, ad absurdum, denn die Bevölkerung ist dadurch nicht sicherer, als wenn sie von Gegnern bombardiert würde.
"Sowohl in deiner Person, als in der Person eines anderen" meint, dass du das auch nicht zu Gunsten anderer anbringen und diese unterstützen darfst. In diesem Beispiel ist also der, der nicht auf den roten Knopf drückt, es aber befiehlt, genauso schuldig.

Man kommt in der Tat etwas ins Grübeln, wenn man diesen (schwierigen) Satz von Kant liest. Ich verstehe ihn so: Ausgangspunkt ist auch für mich der berüchtigte Satz „Der Zweck heiligt die Mittel“, der von Diktatoren gerne praktiziert wird. In diesem Sinne kann ich sagen: Ich (der Revolutionär) bringe alle Adligen (während der französischen Revolution) um, weil damit etwas Gutes erreicht wird, nämlich die Befreiung des Landes von schmarotzenden Feudalisten. Hier werden Menschen als bloßes Mittel gebraucht (missbraucht). Man muss aber jeden Menschen (ja die Menschheit) zugleich auch als Zweck „gebrauchen“, d.h. das Gute, das man erreichen will, muss auch für diese Menschen (die Adligen) gut sein. Die Beispiele könnte man auch auf die Juden im 3. Reich und die "kapitalistischen Bourgeois" während der russischen Revolution, die von Lenin massenweise umgebracht wurden, ausdehnen.

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