Karl der große pro contra?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Besser als Rolf Bergmeier kann ich dem Karl Mythos auch nicht contra geben.

Zu dem Thema kann ich wärmstens dieses Buch von Rolf Bergmeier empfehlen, in den Leihbüchereien wohl auch erhältlich!

Karl der Große

Die Korrektur eines Mythos

Von Rolf Bergmeier

Rezension von Walter Müller:

Aus dem Geschichtsunterricht dürfte Karl der I. – oder „Karl der Große“, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde – in historisch interessierten Kreisen hinlänglich bekannt sein. Ob das von einigen Historikern gezeichnete Bild Karls des Großen allerdings mit der Realität übereinstimmt, ist nicht nur unter Historikern höchst umstritten.

Der Autor Rolf Bergmann liefert mit seinem Buch gut recherchierte Ansätze zu dieser Kritik, die nicht übersehen werden können. Er weist außerdem fundiert nach, wie es dazu kommen konnte, dass Karl der Große zu einem Mythos hochstilisiert wurde; ein Mythos, der einer Überprüfung nicht standhalten kann. Dass dieser Herrscher darüber hinaus zu einer Symbol- und Lichtgestalt für ein geeintes Europa werden konnte, dem Zeitgenossen gar den Titel „Vater Europas“ verliehen, erinnert doch stark an eine nicht ganz ernst zunehmende Glosse.

Was hat denn Karl der Große, dem man auch den Beinamen der Sachsenschlächter verliehen hat, für Europa getan, dass er von den Honoratioren in Aachen zu einem „Leuchtturm Europas“ erhoben wurde und sogar zum Namensgeber des alljährlich an Himmelfahrt an verdiente Europäer verliehenen Karlspreises erkoren wurde?

Fakt ist nämlich, dass Karl der Große während seiner gesamten Regierungszeit keine einzige Schule für das gemeine Volk gegründet, keine öffentliche Bibliothek gefördert und kein einziges Theater eröffnet hat. Karl der Große zeichnete sich zudem als Förderer eines unversöhnlichen Christentums aus, welches nach dem Prinzip agierte: „Sterben soll, wer Heide bleiben will!“ Nicht zuletzt deshalb führte er in seiner gesamten Regierungszeit Kriege. So z.B. die Sachsenkriege, (772 bis 804) welche die Eroberung und Christianisierung Sachsens zum Ziele hatten. 774 eroberte er das Langobardenreich. Sein Feldzug gegen die Mauren scheiterte hingegen. Die ihm zugeschriebene Bildungsreform bestand in der Gründung von Lateinschulen, die nur der katholischen Kirche, nicht aber dem gemeinen Volk einen Nutzen brachte. Tatsache ist, dass die Kultur zur Zeit Karls der I. danieder lag. Die Menschen verrichteten ihre Notdurft auf der Straße und hausten in armseligen Hütten.

Dass ausgerechnet Papst Franziskus in 2016 mit dem Karlspreis geehrt wurde, ist nicht weiter verwunderlich, denn die Verstrickungen Karls des Großen mit der katholischen Kirche sind nicht zu übersehen. Erkennbar wird dies insbesondere auf Grund der Heiligsprechung Karls des Großen, die im Jahre 1165 auf Veranlassung Kaiser Friedrich I. Barbarossa durch den Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, mit Billigung des Gegenpapstes Paschalis III., aber gegen den Willen von Papst Alexander III. erfolgte. Es war schließlich Papst Leo III., der Karl I. im Jahre 800 – wohl als Dank und Gegenleistung für dessen Unterstützung im Streit zweier Päpste – zum Kaiser krönte. Vor Papst Franziskus erhielt auch schon Papst Johannes Paul II. im Jahre 2004 den Karlspreis „in Würdigung seines herausragenden Wirkens für Europa und die Wahrung seiner Werte und die Botschaft des Friedens.“

Dem Autor Rolf Bergmeier – aber auch mir – ist beim besten Willen nicht ersichtlich, welchen außergewöhnlichen Beitrag der diesjährige Preisträger, Papst Franziskus, für die Einheit Europas denn geleistet haben sollen? Nach wie vor verkündet dieser Papst doch die Mär von einer armen Kirche, die sich gerade mal dazu durchgerungen hat, 12 syrischen Flüchtlingen einen Aufenthalt in Rom zu gewähren.

Ich teile auch die Wertung des Autors, dass Karl der Große ein denkbar ungeeignetes Vorbild und Symbol für unser Europa sein kann. Dass europäische Politiker alljährlich gerne nach Aachen – in diesem Jahr gar nach Rom – zur Preisverleihung eilen, um Personen, die sich um Europa verdient gemacht haben, zu ehren, wirkt geradezu absurd, wenn man sich ernsthaft mit dem unheiligen Leben und dem von Blut – viel Blut! – gekennzeichneten Wirken Karls des Großen auseinander setzt, der zum Namensträger dieses Preises erkoren wurde. Wer auch immer auf diese Idee kam, verfügte zweifellos über eine höchst eingeschränkte, unwissenschaftliche Sicht auf die Historie und die Entwicklung in Europa.

Unter diesem Aspekt komme ich nicht umhin, diesem Buch das Prädikat „unbedingt lesenswert“ zu verleihen. Den Begründer dieses Preises (den Aachener Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer) mögen hehre Gründe zur Stiftung dieses Preises bewogen haben. Bei der Wahl des Namensgebers für diese Stiftung hat er sich allerdings einen völlig abwegigen Fehlgriff geleistet.

Karl der Große war ein Herrscher des 9. Jahrhunderts und ist daher nicht mit heutigen Moralvorstellungen zu beurteilen. Als Herrscher der damaligen Zeit war er für viele Kriege verantwortlich, gleichzeitig aber war er z.B. im Bereich Bildung aber auch sehr fortschrittlich im Vergleich zu seinen Zeitgenossen.

Das Für und Wider bezogen worauf?

Es gibt eine Menge Ereignisse oder Situationen, die aus unterschiedlichen Sichtweisen anders bewertet werden.

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