Kann man ohne Sprache denken?!

Das Ergebnis basiert auf 20 Abstimmungen

Ja 80%
Nein 20%

14 Antworten

Kann man ohne Sprache denken?

von Gabor Paal am 08.10.2009, 3 Kommentare

Es ist wohl keine Frage, ob, sondern was man ohne Sprache denken kann. Wenn wir in der Menschheitsgeschichte zurückgehen, dann hat sich Sprache, wie wir sie heute kennen, frühestens vor etwa 200.000 Jahren entwickelt, also als unsere direkten Vorfahren noch alle in Afrika waren und in Europa aber schon die frühen Neandertaler unterwegs waren. Doch schon Millionen Jahre vorher haben die Urmenschen Werkzeuge benutzt, die sie auch selber hergestellt haben, allen voran natürlich die Faustkeile, und so ein Faustkeile, da muss man schon ein bisschen was denken, um den herzustellen. Und die frühen Menschen haben auch schon in Gruppen Tiere gejagt, auch dabei mussten sie ein bisschen systematisch vorgehen, das erfordert auch Denken.

Man kann sich der Frage aber auch nähern, wenn man sich statt der frühen Menschheit die frühe Kindheit ansieht: Wir alle würden vermutlich einem kleinen Baby, auch wenn es erst ein paar Monate alt ist und nicht sprechen kann, zubilligen, dass es irgendetwas denkt; dass irgendetwas in seinem Kopf vorgeht. Die Frage ist eben: Was?

Wenn wir uns dann selber betrachten, was denken wir denn so den lieben langen Tag lang? Dann werden wir ehrlicherweise auch sagen, wir denken viel in Bildern und Vorstellungen, die eigentlich keine Sprache benötigen. Wenn Sie an Ihren Urlaub zurückdenken, werden Sie das nicht in Worten tun, sondern in Bildern. Und dann gibt es manche komplizierten Gedanken, da taugt die Sprache herzlich wenig. Das wird schnell klar, wenn Sie sich vorstellen, Sie müssten jemandem nur mit Worten erklären, wie man einen Schnürsenkel bindet oder wie man auf dem Fahrrad das Gleichgewicht hält. Solche Dinge erfordern Grips, aber nicht unbedingt Sprache.

Andererseits gibt es natürlich bestimmte Formen des Denkens, bestimmte kognitive Leistungen, die ganz klar an Sprache gebunden sind. Das ist erst mal alles Abstrakte, alles, was man eben nicht in Bildern denken kann, und damit natürlich auch ein großer Teil von wissenschaftlichem Denken. Also: Wir können davon ausgehen, dass kleine Kinder auch ohne Sprache so eine Art intuitive Physik haben, sie wissen und lernen zu verstehen, dass ein Schnuller, den man loslässt, auf den Boden fällt. Dazu brauchen sie erst mal keine Sprache. Sprache ist aber nötig, um sich aus diesem oder ähnlichen Vorgängen eine

Gravitationskraft oder gar noch was Komplizierteres wie einen Energieerhaltungssatz abzuleiten. Denn so Wörter wie Kraft und Energie sind hochabstrakte Begriffe. Abstrakt heißt dabei, wir stellen Analogien her, und da hilft uns die Sprache ganz wesentlich, in dem sie uns die Möglichkeit gibt, z.T. ganz unterschiedliche Phänomene wie heißes Wasser oder die Bewegung von Körpern – mit den gleichen Begriffen zu beschreiben – in dem Fall „Energie“ – und auf diese Weise Beziehungen zwischen Dingen herzustellen, die wir sonst nie in Verbindung bringen würden. Das ist die hohe Form der Abstraktion.Man kann aber auch viel einfacher bei der ganz elementaren Logik ansetzen. Schließen Sie mal die Augen und stellen Sie sich folgenden Satz vor Ihrem geistigen Auge vor: „Ich fahre heute nicht mit dem Auto zur Arbeit.“ Was sehen sie vor ihren Augen? Vermutlich sich selbst, wie Sie mit dem Auto zur Arbeit fahren. Wir können uns einen Sachverhalt bildlich vorstellen, aber wir können uns nicht die Verneinung eines Sachverhalts vorstellen. D.h. um so einen einfachen logischen Vorgang wie Negation „denken“ zu können, scheinen wir die Sprache dann doch zu gebrauchen.

Quelle :https://www.swr.de/blog/1000antworten/antwort/3590/kann-man-ohne-sprache-denken/

Ja

Ich glaube schon. Denn stumme leben auch, und gehen auch in eine behinderten Schule. Wenn man in eine Schule geht, will man ja was merken.

Ja

Na klar können die Denken. Sollten etwa Taubstumme nicht denken können?

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