'Ich bin so stolz auf dich!' - Warum sagt man das so selten?

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Möglich, dass dies an der deutschen "Jammer-Mentalität" im allgemeinen liegt. An sich kenne ich wenige Menschen, die nicht viel eher das einzige "Haar in der Suppe" suchen, anstatt sich um die "Rosinen" zu kümmern!

Es scheint auch so viel einfacher, jemanden zu benörgeln und sich dabei selbst fein aufzuwerten, anstatt auch mal einzugestehen, dass ein anderer eine richtig gute Nummer bringt... wie es scheint.

Da ich derartiges Lob in meinem Elternhaus meist vermissen musste, habe ich mich bemüht, dies bei der Erziehung meiner Tochter zu ändern - mit Erfolg! Den Stolz, den ich ihr ausspreche, empfinde ich auch aus vollem Herzen und ich werde mir dessen auch mehr und mehr bewusst, je öfter ich ihn ausspreche! Ja, dadurch gelingt es mir allgemein, meinem Mann, meinen Kollegen oder meinen Freunden ehrliche Anerkennung auszusprechen.

Mehr Anerkennung für JEDEN MENSCHEN in unserem Umfeld tut not - und wenn das, was er leistet, noch so klein ist, denn es versucht doch jeder sein Bestes! So viele Kleinigkeiten gibt es, die wir alle zum großen Ganzen dazutun - Kleinigkeiten, die kaum jemand bemerkt, aber die dennoch wichtig sind für das Ganze. Und darum können wir alle stolz aufeinander sein!

DH, kann ich dir nur recht geben, danke

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Klingt gut... allerdings habe ich in meiner Kindheit die Erfahrung gemacht, dass mein Vater immer sagte, er möchte doch stolz auf mich sein können - als Druck, dass ich etwas tu, was ich eigentlich nicht möchte. Dieser Satz war mir ziemlich zuwider, ehrlich gesagt.

Und heute bin ich eher unsicher, ob ich meinem Kind damit etwas Gutes tue. Ich sage ihm täglich mehrmals, wie lieb ich ihn hab, aber das mit dem Stolz habe ich erst 1-2x gesagt, auch gemeint, aber mit Zweifeln, ob es gut ist, das zu sagen, ob es ihm wirklich etwas Positives bringt. Ich denke halt auch, dass er Dinge tun sollte, weil er das möchte, einsieht, gut findet usw., nicht, weil er mich stolz machen möchte. Lob kann nämlich auch einfach die andere Seite der Medaille des Tadels sein und Druck erzeugen.

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@WildeFee

Liebe WildeFee,

das ist auch ein wichtiger Standpunkt!

Leider lässt sich tatsächlich jedes anerkennende Statement so einsetzen, dass es Druck erzeugt! Darum habe ich mir z.B. angewöhnt, auch ein Lob immer zu begründen! Eben, damit es nicht wie Plattitüde oder als Erwartungshaltung ankommt.

Wenn ich z.B. meiner Tochter sage: "Ich bin ja wieder soo stolz auf dich...!" - ergänze ich meist auch mit: "...weil du das und das wieder so prima hinbekommen hast."

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Ich sage das oft zu meiner Tochter. Sie hat es verdient. Denn ich bin wirklich stolz auf sie.

Weil vermutlich bei den meisten Menschen ,der Satz im Kopf zuvor kommt : "Na und, dafür gelingt ihr nicht alles". Hat etwas mit Gönnen zu tun und sich samt seiner Eitelkeiten für einen Augenblick etwas zurück nehmen. Dabei ist das ein wunderschönes Kompliment. Genau darum, weil's wenige über die Lippen bringen.

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