Hexenverfolgung in der Renaissance und Humansimus

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3 Antworten

Die Renaissance war von einem Menschenbild geprägt, dass sehr an dem der Antike angelehnt war und sich von dem Menschenbild des klassischen Mittelalters wo der Monarch die "absolute Spitze der Nahrungskette " stellte und der Rest praktisch nix wert war. Im Klartext heißt das, dass das Individuum im Verlauf der Renaissance immer mehr Bedeutung bekommen hat.

Lies mal das hier:

Michael Kunze: Straße ins Feuer – Vom Leben und Sterben in der Zeit des Hexenwahns Inhalt:

Unsichtbar, doch unübersehbar steht eine schwarze Wolke am Horizont. Alle warten auf den großen Krieg. In der Welt tobt ein Kampf zwischen Gut und Böse. Das kommende Gefecht wird das letzte sein – Endschlacht, die dem Jüngsten Tag vorausgeht. Im Osten steht der Antichrist, das westliche Lager ist geschwächt durch Uneinigkeit und Zank. Vordergründig geht es um den rechten Glauben, in Wahrheit wie immer um Macht und Geld. Doch auch das Raffen und Rechten geschieht um des höheren Zwecks der Rettung der Menschheit willen, ist daher grausamer und erbitterter als je. Die Angst vor dem Untergang äußert sich auf die vielfältigste Weise: man säuft, flucht, hurt, man betet, büßt und bettelt, man grübelt und klammert sich an finsteren Aberglauben. Vor allem aber sucht man nach den Schuldigen. Man schreibt das Jahr 1600. Dies ist die Szenerie. Und dies die Geschichte: Eine landfahrende Familie – Mann, Frau, erwachsene Söhne, zehnjähriges Kind – gerät in Niederbayern in die Fänge der Obrigkeit. Für die lokale Behörde ein unwichtiger, alltäglicher Fall. Doch als der herzogliche Hofrat in München davon erfährt, äußert er überraschendes Interesse. Zufällig ist man nämlich auf der Suche nach geeigneten Schuldigen für einen großen Schauprozeß, der die Straßenräuber, Brenner und Mörder im Land abschrecken soll. Es wird die Überstellung der Verhafteten in die Landeshauptstadt angeordnet. Die Landfahrer beteuern ihre Unschuld. In umfangreichen Verhören schildern sie ihr Alltagsleben, ihre Freunde, ihre Welt. Doch die Macht der Folter preßt ihnen bald weniger Harmloses ab. Zuerst zögernd, dann eilfertig gestehen sie im Torturgewölbe des Münchner Falkenturms Hunderte von Raubmorden und Brandstiftungen. Schließlich gelingt es den vernehmenden Kommissaren, das alte Ehepaar und seine drei Söhne als Werkzeuge des Teufels zu entlarven. Sie halten die unscheinbaren Unbehausten für Verbündete des Bösen im großen Endkampf. Immer unglaublichere Untaten verzeichnen die Verhörsprotokolle, immer mehr Freunde und Bekannte der Gefangenen werden von ihnen als Komplizen denunziert und verhaftet. Die gesammelten Aussagen, penibel aufgezeichnet von dem bei den Verhören anwesenden Schreiber, sind Hauptquelle des Buches. Dieses aber will mehr als nur ein Prozeßbericht sein. In rückblendartigen Schilderungen der Alltagswelt der Gefangenen erfährt der Leser, wie einfache Menschen in der damaligen Zeit fühlten und dachten, woran sie glaubten und zweifelten, womit sie ihre Armut und ihre Krankheiten bekämpften, wie sie spielten und lachten, litten und träumten. Der Blick auf die geschichtlichen Ereignisse „von unten nach oben“ ist oft überraschend, immer ungewohnt. Doch auch von denen an den Hebeln der Macht ist die Rede. Sie spüren die Nähe des kommenden Unheils noch stärker als die von ihnen Abhängigen. Die Herren über das Schicksal der Gefangenen im Münchner Falkenturm, allen voran Bayerns junger Herzog Maximilian, sind selbst Opfer ihrer Angst. Die macht die Gelehrten dumm, die Juristen blind, die Frommen böse und die Milden grausam. In den Hofräten Fickler und Wangereck lernt der Leser Repräsentanten der damals tonangebenden Beamten kennen und ihre Ansichten und Handlungsweisen besser verstehen. In der Gestalt Herzog Maximilians wird der Typus eines Regenten aufgezeigt, der dem modernen Prinzip des allesverschlingenden, alleskontrollierenden totalitären Staates huldigt – ein unschuldig-schuldiger Schreibtischtäter. Geschichte besteht aus Geschichten. In dieser hier geht es um das Leben und Sterben in einer Zeit der Angst.

„Vor allem der Welt der kleinen Leute, die in den Geschichtsbüchern immer zu kurz kommen, gilt Kunzes Aufmerksamkeit. Er schreibt ein Kapitel Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts ... Sein Buch ist ein wesentlicher Beitrag zur Geschichte menschlicher Verirrungen.“ Wolfgang Lohmeyer/Die Welt

„Daß dieses Buch so fasziniert, liegt an der Erzählkunst seines Autors. Michael Kunze hat ein Buch geschrieben, das exakt recherchiert und dazu noch vorzüglich geschrieben ist. So, genau so, muß ein Sachbuch aussehen, das diesen Namen verdient.“ Ekkehart Kleßmann/Literaturforum Südfunk

„...Das atemberaubendste Sachbuch des Frühjahrs.“ Niklas Frank/Der Stern

„Michael Kunze zeigt immer wieder, wie die Juristenlogik des Jahres 1600 im Heute arbeitet. Der ungeheuerliche Prozeß endet mit einer sehr ,modernen‘ Begründung des Urteils. Die Scheiterhaufen von 1600 beleuchten unsere Gegenwart.“ Friedrich Heer

Autor:

Michael Kunze, 1943 in Prag geboren, arbeitet heute in München. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart und als Stipendiat des „Maximilianeums“ studierte er Rechtswissenschaft, Geschichte und Philosophie. Seit 1970 ist er erfolgreich als Liedertexter und Übersetzer tätig, promovierte daneben und arbeitet weiterhin an rechtshistorischen Forschungsaufgaben.

Kindler – ISBN: 3-463-00838-6

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