Gibt es in der Tierwelt Inzest?

2 Antworten

Ja. Geschwisterverpaarungen oder auch Verpaarungen zwischen Vater und Tochter sind nichts Ungewöhnliches. Hierbei werden keine Tierkinder missbraucht. Das geschieht erst, wenn die Tochter ausgewachsen ist und das normale Paarungsalter erreicht hat. Wie sieht es dabei mit Erbkrankheiten aus oder mit erblichen Gendefekten?

Wir Menschen vermeiden den Inzest aus folgendem Grund:

Wenn z.B. bei einer Geschwisterehe beide Partner gesund sind aber den gleichen rezessiven Gendefekt in sich tragen (der sich normalerweise nicht auswirken würde, weil ja auch noch das gesunde Allel vorhanden ist), können die beiden beschädigten Allele bei Zeugung eines Kindes in der Zygote zusammen treffen. Dann fehlt das gesunde Allel und ein krankes Kind wird geboren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die defekten Allele zusammen kommen, liegt bei 25 %. D.h. 25% werden den Gendefekt homozygot tragen und bei ihnen wird sich das Vollbild der Erbkrankheit zeigen.

Durch die Vermeidung von Geschwisterehen wird die Wahrscheinlichkeit, dass solche rezessiven Gendefekte von beiden Elternseiten zusammen treffen stark reduziert, denn meistens sind bei nicht verwandten Partnern wenigstens bei einem beide Allele gesund. Das genügt, denn wenn das gesunde Allel dominant ist, können sie 100% gesunde Kinder bekommen. 50% der Kinder werden den rezessiven Gendefekt aber erben und unbemerkt weiter vererben an die nächste Generation. So bleiben diese Erbkrankheiten erhalten, aber man sieht wenig davon.

Wenn bei Tieren Inzest-Verpaarungen stattfinden, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass rezessive Gendefekte von beiden Seiten zusammen treffen. Falls ein rezessiver Gendefekt bei den verwandten Elterntieren vorhanden ist, werden 25 % der Nachkommen krank sein. In der Natur sterben kranke Tiere schon als Jungtiere und erreichen die Geschlechtsreife nicht. Darum bringen sie auch keine Nachkommen hervor und können den Gendefekt nicht weiter geben. So trägt der natürliche Inzest dazu bei, dass die Anzahl der Träger defekter Gene reduziert wird.

Wir Menschen können das aus ethischen Gründen für uns nicht wollen, aber in der Tierwelt reguliert sich das auf diese Weise.

Wenn bei einem Elternpaar beide den selben rezessiven Gendefekt in sich tragen, werden 25% der Nachkommen davon frei sein, 50% werden ihn rezessiv in sich tragen und weiter vererben und 25%

werden ihn homozygot haben, krank sein, sterben und ihn deshalb auch nicht weitergeben. Für die

Erhaltung der Art spielt das deshalb keine Rolle. Die Nahrungsbeschaffung für die gesunden

Jungtiere ist entscheidend.

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@evaness

Und dass die Jungtiere vor Fressfeinden geschützt werden können, erfolgreich

aufgezogen werden können und selbst die Geschlechtsreife erreichen.

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@evaness

Es macht deshalb wenig Sinn, in die Tier- oder gar in die Pflanzenwelt eine Inzestvermeidung hinein zu interpretieren. Eine bewusste Absicht, solches zu vermeiden, kann es nicht geben. Die Gefahr ist immer groß, die von Darwin erkannte natürliche Regulation lamarckistisch auszulegen. Wenn z.B. bei Pflanzen Vorrichtungen vorhanden sind, die eine Selbstbestäubung unmöglich machen, dient das der stärkeren Durchmischung der Gene im Genpool der Population, wodurch eine möglichst große Variabilität erhalten bleibt.

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@evaness

Wenn es bei Umweltveränderungen Varianten gibt, die diese gut überstehen, bleibt die Art erhalten.

Wenn wegen einer Selbstbefruchtung ein paar Nachkommenindividuen sterben und mit ihnen der Gendefekt,

ist das für die Arterhaltung kein Schaden. Da bleibt mehr Nahrung für die Gesunden übrig.

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@evaness

Nach Deiner Theorie müßten alle Wildtierpopulationen inzwischen Reinzuchten sein.

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Jein, nur bei Haustieren und Tieren in Gefangenschaft. Wildkaninchen zb haben sehr wirkungsvolle Inzuchtverhinderung - sogar innerhalb einer Gruppe.

Bei den meisten anderen Tierarten funktioniert die Inzuchtvermeidung dadurch, daß junge männliche Tiere aus der Gruppe ausgestoßen werden, und so zumindest Geschwisterpaarungen verhindert werden. Auch Rückkreuzungen (Inzest) kommen viel seltener vor als es bei Panmixie (ohne gezielte Partnerwahl) der Fall wäre

Man ist lange Zeit davon ausgegangen, daß sowas gar nicht möglich wäre, man weiß auch nicht genau, wie die Verwandtenerkennung funktioniert - kann aber heute über Genomanalyse zeigen, daß die Inzuchtkoeffizienten innerhalb von Wildtiergruppen erheblich kleiner sind, als sie sein "müßten", wenn es Inzucht und Inzest gäbe.

Bei domestizierten Tieren scheint diese Fähigkeit allerdings verloren gegangen zu sein./

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