Feudalismus und das Lehnswesen das gleiche?

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Der Begriff „Feudalismus“ kann einen unterschiedlich weiten Umfang haben. In einem engen Sinn ist mit Feudalismus das Gleiche wie mit Lehnswesen gemeint. Das Lehnswesen ist eine Ausprägung des Feudalismus im mittelalterlichen Europa. Land und Rechte werden für Dienste und Treue gegeben und dabei entsteht eine Beziehung zwischen Lehensherrn und Lehensmann. Das Lehenswesen hat sich als Verbindung von römischem Klientelwesen und germanischem Gefolgschaftswesen herausgebildet.

Feudalismus ist eine Herrschafts- und Gesellschaftsordnung. Eine lateinische Bezeichnung für Lehen heißt „feudum“. Das Lehenswesen ist ein politisches, gesellschaftliches und wirtschaftliches System. Es kann auch als Gesamtheit von Einrichtungen (Institutionen) betrachtet werden. Geschichtlich hat es neben Lehen in gewissem Ausmaß auch freien Eigenbesitz gegeben (z. B. das Allod bzw. Allodium). Feudalismus ist zumindest in seinem Kern Lehnswesen.

Feudalismus ist auch die Bezeichnung einer Epoche. Eine besonders starke Rolle spielt die Bezeichnung Feudalismus in der marxistischen Geschichtstheorie, wo die Epoche einen weiten zeitlichen Umfang hat und als von der Vorherrschaft großen Grundbesitzes und Standesunterschieden geprägte Gesellschaftsordnung der Sklavenhaltergesellschaft folgt und dem Kapitalismus vorausgeht.

Auf Deine Frage eine kurze prägnante Antwort: Der Ausdruck Feudalismus stammt vom lateinischen Wort "feudum = Lehen" und daraus wurde der erweiterte Begriff "Lehnswesen" abgeleitet! Wenn Du so willst, Jawohl es ist das gleiche!

Im europäischen Mittelalter lebten die Gesellschaften vor allem von der Natural- oder auch Landwirtschaft. Die Bauern bewirtschafteten das Land, was jedoch nicht ihnen, sondern dem Grundherrn gehörte, in dessen Leibeigenschaft sie sich befanden. Sie schuldeten ihrem Herrn Naturalabgaben, den sogenannten Zehnt und waren zu Arbeitsleistungen der sogenannten "Fron" verpflichtet.

Der Grundherr wiederum hatte das Land von einem höhergestellten Adligen als "Lehen" erhalten, war somit dessen Vasall und ihm zu Kriegsdiensten verpflichtet. Diese Kette der Abhängigkeiten setzte sich fort bis zum höchsten Adelsträger, dem König und dieser war nur noch Gott unterstellt!!

Ist eben nicht das gleiche, auch wenn es die Wortherkunft so vermuten lässt. Das Lehnswesen kann als Teil des Feudalismus gesehen werden.

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@Kai3017

Feudalismus ist zumindest in seinem Kern Lehnswesen, daß sagt auch Albrecht mit seiner hilfreichsten Antwort und den 4 DHs! Ich verstehe allerdings nicht den Sinn Deiner grundsätzlichen Ablehnung meiner Antwort. Das solltest Du dann auch begründen können?

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@Gabi40

Tut mir leid, war ja nicht böse gemeint. Ich habe mich vor einer Weile schon mal damit beschäftigt und bin damals zunächst auch auf die Wortherkunft gekommen. Jedoch wird (anscheinend auch in der Wissenschaft) unterschieden zwischen Feudalismus und Lehnswesen (es gibt dazu zwei Artikel auf Wikipedia). Um das zusammenzufassen: Feudalismus bezeichnet das gesammte gesellschaftliche und wirtschaftliche System (z.b. im Mittelalter), während sich der Begriff Lehnswesen salopp formuliert lediglich auf die Sache mit den Lehnsherren und den Vasallen beschränkt. Darum wollte ich nur kurz drauf hinweisen, dass es eben nicht dasselbe ist.

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@Kai3017

Hallo Kai3017, herzlichen Dank für Deine ergänzenden Erklärungen. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail und so habe ich durch Dich wieder etwas dazu gelernt. Das ist ja im Prinzip auch der Sinn dieses Forums!

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@Gabi40

Danke schön :-) Meistens ist es umgekehrt, also so, dass ich durch jemand anderen was dazu lerne...

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