Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.

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Ich verstehe den etwas plakativen Satz Wittgensteins besser, wenn ich ihn abwandle in: Die Grenzen meiner Sprache bewirken, dass meine Fähigkeit, Welt(ich selbst, andere Menschen, Umwelt, Kultur usw.) zu verstehen, eingeschränkt bzw. begrenzt ist. Wittgensteins Satz lässt Hoffnung aufkommen, denn wenn das so ist, kann ich durch bessere Sprachkenntnisse auch mein Weltverständnis erweitern. Das müsste im Sinne Wittgensteins sein, denn für ihn war das Handeln wesentlich. Sprache und Handeln haben einen starken gegenseitigen Bezug. Das Handeln (Nahrung beschaffen, Verteidigung gegen _Gefahren usw.) war vor der Sprache da und mit der Zeit benannten die Menschen ihr Tun und es entwickelten sich Sprachen. Umgekehrt bewirkt Sprache ein Handeln. Für mich ist die Frage, ob Grenzen der Sprache in erster Linie die Erfassung des rationalen Teils der Welt behindern oder auch den emotionalen in gleichem Umfang.. Das Rationale kann ich erfassen, wenn ich mir Fachvokabular aneigne und die technischen Probleme, die damit zusammenhänge, verstehe. Bei Gefühlen sagt man manchmal: "Dieses Gefühl (Hass, Liebe u.a.) lässt sich nicht in Worte fassen" oder "seine Traurigkeit ist unsäglich". In einem Kurzreferat würde ich auf jeden Fall (in Anlehnung an Wittgenstein) die Wichtigkeit sprachlicher Bildung (Muttersprache und Fremdsprache) betonen. Das erweitert den Horizont. Kein Mensch wird je die ganze Welt erfassen, aber jeder sollte die Chance bekommen und auch nutzen, seinen Horizont ständig zu erweitern.


falkehkj  19.01.2010, 09:20

Eine andere Version könnte in Anlehnung der These von Whorf (http://de.wikipedia.org/wiki/Sapir-Whorf-Hypothese) sein, dass die Struktur der jeweiligen Sprache (also z.B. Deutsch, Französisch etc.) das Denken konditioniert. Dies erklärt die Unübersetztbarkeit mancher Begriffe oder Worte von der einen in die andere Sprache. Auch wird Sprache mit Bewusstsein gleich gesetzt, denn bewusste Wahrnehmung ist eine sprachliche; Unsere Wahrnehmung ist aber selektiv und stark durch unsere Wahrnehmungsfägigkeit begrenzt, die wiederum ein Resultat u.a. der sozio-kulturellen Prägung ist, was auch bedeutet der Möglichkeit des sprachlichen Ausdruckes. Im Umfeld also des Konstruktivismus - zu welchen Wittgenstein durchaus zuzurechnen - bedeutet der Satz, dass ich nur wahrnehmen kann, was mir sprachlich fassbar und dass meine Sprache stets unzulänglich und nicht allumfassen ist.

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umso mehr wörter man kennt, desto besser kann man sich selbst und seine umgebung beschreiben und um so besser kann man z.B. seine gefüle vermitteln und ausdrücken.

Die Frage ist wohl: wie hat Herr Wittgestein seine Welt definiert? Er könnte gemeint haben, dass er in Worten denkt, und dass natürlich die Sprache damit seine Welt einschränkt.

Der Ausweg aus dieser Situation ist ganz einfach: Man muss über die grenzen der Sprache hinausgehen, um frei denken zu können. Vielleicht wollte er diese Aussage damit rüberbringen. Wer immer nur in Worten denkt, ist kein großer Denker.