Denken ohne Worte. Auf welche Weise denkt ihr?

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2 Antworten

Ich kann mich sehr gut mit dem identifizieren, was du schreibst - mit einer Ausnahme: Sprache und wörtliche Rede kommen bei mir schon manchmal in den Gedanken vor, sind allerdings häufig Erinnerungen und unwillkürliche Prognosen darüber, wie Gespräche wahrscheinlich verlaufen würden. Diese Worte und Sätze tauchen so gesehen einfach aus dem Nichts auf und haben nicht viel mit dem wörtlichen Denken zu tun. Auch diese Schlußfolgerungen in ganzen Sätzen kenne ich eigentlich nur aus Büchern. Ganze, logische Sätze bilden tue ich meistens auch erst dann, wenn ich mich auf eine Kommunikation mit der Außenwelt vorbereite.

Ich glaube, daß ist ziemlich normal und auch Ursprung für die Redewendung "seine Gedanken in Worte fassen" - eben weil Gedanken im Normalfall nicht in wörtlicher Rede stattfinden.

Interessant finde ich die Überlegungen, was Worte denn eigentlich sind. Im Grunde doch nichts weiter als reproduzierbare Laute, deren semantischer Gehalt erst durch die Verbindung mit den Bildern, den Erinnerungen, den Emotionen und abstrakten Mustern in unserem Kopf zustande kommt. Die Psychologie beschäftigt sich mit dieser Thematik unter dem Begriff "Symbole" - ein Symbol ist so gesehen die Gesamtheit aller Assoziationen zu einer Erfahrung, sei dies nun ein Gegenstand, ein (Sinn)Bild, eine Situation, ein Geräusch oder eben ein Wort.

Was das mit den Schwierigkeiten in der verbalen Kommunikation angeht: Ja, das Problem kenne ich auch ganz gut. Ursache ist, denke ich, das Bestreben sich unmißverständlich auszudrücken - was aufgrund der vielfältigen Bedeutungsmöglichkeiten der Worte, der semantischen Veränderung durch Satzbau, Betonung, etc und dem Gesamtzusammenhang des Gesprächs schnell überfordern kann, weil man ja im Gespräch oft nicht die nötige Zeit und Ruhe zum exakten Ausformulieren der Gedanken hat. Je umfangreicher und differenzierter der Wortschatz ist, desto schwieriger kann das -meiner Meinung nach- werden.

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Naja, in einem Gespräch benutzen wir auch ziemlich viele Strukturen, die uns Zeit verschaffen um nachzudenken und das Folgende zu ordnen. Die Kunst dabei ist möglichst wenig davon zu verwenden, bzw. ist das auch situationsabhängig. Beispielsweise sind das bekannte Teile wie "äh" oder "ja" aber das sind auch Strukturen, die deinem Gegenüber signalisieren, dass du noch weiter sprechen möchtest (Rederechtssicherung) und leiten deinen Beitrag ein. Zum Beispiel "Wenn-Dann-Beziehungen" oder auch "Ich meine/ denke etc." am Anfang. Das verschafft dir Zeit, dir zu überlegen, was du sagen willst.

Ich habe mir ehrlich gesagt nie wirklich Gedanken gemacht, auf welche Weise ich denke und wie das zur Sprache kommt (nettes Wortspiel^^), aber ich denke, dass möglichst viel Lesen und Schreiben das Gespräch verbessert (neben anderen Faktoren wie etwa Selbstvertrauen), weil du dann ggf. ein größeres Repertoire an Worten besitzt, aus dem du schöpfen kannst.

lg

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