An alle Tanzlehrer!?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Es ist immer wieder erstaunlich, wer sich alles berufen fühlt, hier zu
antworten, obwohl aus der Antwort allenfalls halbgares Wissen zu erkennen ist.

So geistern Horrorgeschichten durchs Netz, man könne vom Tanzlehrerberuf nicht leben und in diesem schon gar keine Karriere machen. Stattdessen verzeichnet allein der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) aktuell über 2.800 Mitglieder, davon rund 800 Tanzschulinhaber und gut 500 Auszubildende. Gut (und vor allem vielseitig) ausgebildete Tanzlehrer sind rar und werden händeringend gesucht. Vor den beschriebenen Horrorszenarien ist also nichts wahr!

Leider begegnen Tanzlehrer auch heute noch zahlreichen Vorurteilen, die
irgendwo im Nebulösen zwischen Gauklern und fahrendem Volk angesiedelt sind. Nach der Auskunft, man sei hauptberuflicher Tanzlehrer, lautet die
anschließende Frage nicht selten: „Und was machen Sie sonst, um zu überleben?“ Dabei ist das ein Beruf – und das wissen viele eben nicht –, der (insbesondere bei selbstständiger Ausführung) weit über eine übliche 40-Stunden-Woche hinausgehen.

Ein anderer Grund für die abwertende Einschätzung ist womöglich auch, dass der Tanzlehrerberuf kein staatlich anerkannter ist. D. h. jeder kann sich im Prinzip ohne irgendeine Qualifikation Tanzlehrer nennen, ohne irgendeine Restriktion von irgendeiner Behörde befürchten zu müssen. Gleichwohl existierten in Deutschland reguläre Ausbildungsgänge zum
Gesellschaftstanzlehrer in Form einer dualen Vollzeitausbildung. Hierzu bieten zwei Tanzlehrer-Berufsverbände in Deutschland (ADTV und BDT) sowie eine Privatorganisation (DTHO) interne Ausbildungen an. So umfasst z. B. die Berufsausbildung im ADTV eine praktische, tänzerische, fachlich-theoretische und überfachliche Ausbildung, die sich am Berufsbildungsgesetz orientiert. Dies bedeutet zugleich, dass man nicht mehr – wie früher üblich – ein „Lehrgeld“ bezahlen muss, sondern dass die Ausbildungskosten von der beschäftigenden Tanzschule getragen wird und der/die Auszubildende eine Monatsvergütung erhält (also wie bei jeder anderen Lehre in einem anerkannten Ausbildungsberuf). Diese Monatsvergütung steigert sich üblicherweise mit zunehmender Ausbildungsdauer.

Die ADTV-Berufsausbildung geht über drei Jahre (Zwischenprüfungen nach dem 1. und 2., Abschlussprüfung nach dem 3. Jahr), ist qualitativ hochwertig und gilt als eine der besten in der Welt. Bestandteil dieser Ausbildung ist auch, dass man zwei Pflichtfächer eigener Wahl außerhalb von Standard und Latein belegen muss. Hier gibt es zahlreichen Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten (z.B. Spezialist in Kindertanz, Videoclip, Stepp, Tango Argentino, Hip-Hop, Salsa, West Coast Swing usw.).

Eingangsvoraussetzung für die Aufnahme der Tanzlehrerausbildung ist auf
jeden Fall immer eine abgeschlossene Schulausbildung – je höher, umso besser! Insofern ist man mit einem Realschulabschluss schon ganz gut dabei, mit einem Abitur dürften die Chancen noch höher sein. Entscheidend ist aber, wie das der Inhaber der Tanzschule bewertet, bei dem man sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt und wie man sich dabei halt selbst „verkauft“. Schon aus eigenem Interesse sollte man Wert darauf legen, dass man seinen späteren Kunden (und das könnten ja auch Akademiker sein…) auf Augenhöhe begegnen sowie diese angemessen unterrichten und auch unterhalten kann. Wie in jedem anderen Beruf gilt auch hier, dass man auf Dauer kaum wirtschaftlich erfolgreich sein dürfte, wenn man seinen Kunden als „Allgemeinbildungs-Dumpfbacke“ gegenübertritt.

Nach erfolgreichem Abschluss sollte man dann zunächst einige Jahre als (angestellter) Tanzlehrer arbeiten, um reichlich Praxiserfahrung zu sammeln. Danach stehen einem weitere Qualifikationsmöglichkeiten (bis hin zum Ausbildungslehrer = hoch qualifizierter Tanzlehrer, der wiederum Tanzlehrer ausbildet) offen. Und schließlich hat man auch noch die Option, Tanzschulunternehmer zu werden, indem man eine Tanzschule eröffnet oder eine bestehende übernimmt. Und für den betriebswirtschaftlichen Teil gibt es inzwischen auch noch eine zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeit zum »IHK-geprüften Fachwirt für Tanzschulen«.

Die höchst mögliche Qualifikation ist nie schädlich! Unter ADTV-Tanzlehrern, die aus Begeisterung und Liebe in diesem Beruf tätig sind, gibt es auch eine ganze Reihe von Studierten, die zuvor ihre Abschlüsse z. B. als Juristen Ärzte, Betriebswirtschaftler, Musiker oder Naturwissenschaftler gemacht haben.

Vielen Dank für deine Ausführliche Antwort. 😊 Du hast mir damit wirklich sehr geholfen und ich werde jetzt erstmal mein Abi machen :)

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… ach ja, und noch was: Ich persönlich kenne Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer, die mit 80, 90 Jahren noch auf der Tanzfläche stehen und unterrichten. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie noch fit sind und es ihnen Freude macht. Natürlich nicht mehr Vollzeit und natürlich auch nicht mehr Hip-Hop oder dergleichen.

Aber das ist in anderen Berufen ja auch nicht anders. Der in die Jahre gekommenen Dachdeckermeister geht dann womöglich auch nicht mehr aufs Dach, sondern lässt das einen jüngeren Mitarbeiter macher, während er selbst die ganze Administration im Büro abwickelt und sich z. B. um die Neukundengewinnung kümmert.

Warum sollte also ein älterer Tanzlehrer nicht mehr in seinem sehr vielschichtigen Beruf weiter arbeiten können…?


Das ist egal, geht auch mit Hauptschule oder ganz ohne Abschluss. Ist halt dann langweilig, weil man nicht weiterkommt. Und auch für später wäre ein hoher Abschluss besser.

Wie meinst du das mit "weil man nicht weiterkommt"?

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@Tanzliebende

Nur ADTV-Tanzlehrer genügt nicht für eine Karriere, ist auch schlecht, wenn man sich selbstständig machen will.

Die meisten Teilnehmer bekommt man als Tanzpädagoge, da muss man allerdings sehr gut tanzen können und schnell Zusammenhänge erfassen können.

Weil kaum jemand durch das Tanzen Geld für den Unterhalt verdienen kann, haben die meisten noch einen anderen Beruf, meist mit Abitur, Sportausbildungen, Fitness-Trainier, Physiotherapeut.

Wenn man älter wird, tanzt man immer weniger mit, die Kräfte lassen nach, da ist es immer besser noch einen anderen Beruf zu haben.

Schau auch mal hier: http://www.tanzausbildung.de/haufige-antworten/

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@FlyingCarpet

Aber um eine Ausbildung als Tanzpädagogin zu machen braucht man kein Abitur. Mein aktueller Lehrer hat auch keine Ausbildung als Tanzpädagoge und die Aguilera ist sehr erfolgreich 

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