Wie Empathie-Nachteile abschwächen?

Entschuldigt bitte, daß dieser Text so lang geworden ist. Aber bei vorherigen Fragen zur Empathie habe ich mitbekommen, daß ich wohl erst einmal genau erklären muß, von welcher Art Empathie ich sprechen will. Sonst antworten wieder die meisten nur zu emotionaler Empathie.

Ich habe mich etwas stärker mit dem Thema "Empathie" beschäftigt und jetzt habe ich eine Frage.

Es gibt ja drei Arten von Empathie: Die kognitive, die uns über den Verstand erkennen läßt, was ein Anderer fühlt und was wahrscheinlich die Ursachen und Absichten sind, die emotionale, durch die wir seine Gefühle auch selber fühlen, und zusätzlich spricht man auch von sozialer Empathie, bei der es um Menschengruppen geht. In der Beschreibung dazu habe ich mich aber nicht wiedergefunden. Sympathie und Gefühlsansteckung sind verwandte Begriffe, die aber etwas anderes meinen.

Ich selber habe wohl zu etwa 10 % emotionale Empathie, zu etwa 90 % kognitive. Dadurch bin ich manchmal sogar in der Lage, vorherzusehen, was mein Gegenüber fühlen wird, bevor es ihm selber bewußt ist. Das gelingt aber natürlich nur, wenn ich ihn oder sie sehr gut kenne.

Aus diesem Grunde will ich mich im Weiteren nur mit kognitiver Empathie beschäftigen, da ich diese aus eigener Erfahrung kenne.

Als hochsensibel oder hochsensitiv bezeichne ich mich auf keinen Fall. Dafür treffen zu wenig Erkennungszeichen auf mich zu. Ich gelte zwar als ein Mensch mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden, aber das sollen lieber Dritte beurteilen.

Starke Empathie hat im Umgang mit anderen Menschen natürlich große Vorteile. Sie hat aber auch ihre Schattenseiten, von denen ich einige nur zu gut kenne. Ich nenne hier nur solche, die ich von mir selber kenne.

1. Es fällt Empathen schwer, Verbindungen mit Personen aufzugeben, die sich als giftig für ihr Leben entpuppt haben, da sie emotional mit ihnen verbunden sind. Zu groß ist der Wunsch, den anderen nicht zu verletzen. Das hat bei mir sogar dazu geführt, daß ich eine mich sehr belastende Beziehung über Jahre ertrug und nicht beendete. Spätestens nach 5 Jahren hatte ich die Beziehung als Partnerschaft beenden sollen, ich schaffte es aber erst nach 20 Jahren. Ein Therapeut sprach in dem Zusammenhang von einer traumatischen Situation. Diese Selbstverleugnung hat mich wahrscheinlich in die Dysthymie getrieben.

2. Da sie ihr Verhalten sehr an den Bedürfnissen anderer ausrichten, erwarten sie das oft auch von ihrem Gegenüber, obwohl sie vom Verstand her wissen, daß nicht alle Menschen so emphatisch sind. Frustrationen sind programmiert.

3. Sie achten auf ihre Worte bevor sie sie aussprechen, besonders dann, wenn das Glück oder das Gemüt der anderen Person auf dem Spiel steht. Dadurch bleibt das manches ungesagt.

Gefühle, Psychologie, Empathie, Liebe und Beziehung, Nachteile, Philosophie und Gesellschaft
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