Man kann seit Marx kein Kommunist sein, ohne gleichzeitig Marxist zu sein. Kommunismus ist keine willkürliche Präferenz, mit der man sich spontan identifizieren kann, weil man die abstrakten Ideen von Freiheit, Gleichheit etc. schick findet. Wer es wirklich ernst damit meint, überzeugter Revolutionär und ein Kommunist in der Praxis (d.h. über die bloße Identität hinaus) zu werden, kommt am Marxismus nicht vorbei.

Antideutsche sind so eine Sache. Ihr schlechter Ruf innerhalb der Linken ist teilweise berechtigt. Nichtsdestotrotz sollte man sich von pauschalen Verurteilungen distanzieren. Das Problem der Antideutschen ist, dass sie zwar oft die richtigen Fragen stellen (beispielsweise ist Antisemitismus oder Antiamerikanismus innerhalb der heutigen Linken tatsächlich real), aber ihre Antworten darauf sind in der Regel die falschen und ihre praktische Politik ist infantil. Aber auch an denen kommt man (zumindest auf theoretischer Ebene) als Kommunist nicht vorbei.

...zur Antwort

Der offizielle Bildungsgrad ist an sich vollkommen irrelevant. In nicht-revolutionären Zeiten kann man aber kein Kommunist in der Praxis werden, ohne gleichzeitig ein Intellektueller zu werden. Bei dem Marxismus geht es um die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden und das erfordert tiefgründige Auseinandersetzungen mit schwierigen Themen auf höchster theoretischer Ebene. Selbstbildung ist hierbei unendlich viel wichtiger als Schule und Universität, obwohl sie den Weg dafür freimachen können.

...zur Antwort

"Muss man als Kommunist automatisch Materialist sein?"

Was heißt es, ein Kommunist im bedeutsamen Sinne des Wortes zu sein? Ist das eine von vielen verschiedenen Ideologien, die sich alle in einem pluralistischen Spektrum denselben Rahmen der Rationalität teilen? Beschränkt sich der Unterschied zwischen Kommunisten und Liberalen darauf, dass beide dasselbe Ziel ("Wohlergehen") mit bloß verschiedenen Mitteln ("gesellschaftliche Planung" bzw. "freie Märkte") verfolgen? Um ein Kommunist in der Praxis zu sein, reicht es nicht aus, sich einfach "Kommunist" zu nennen oder meinetwegen "eine klassenlose, staatenlose Gesellschaft" zu wollen. Heute kann sich jeder Idiot oberflächlich mit dem Kommunismus identifizieren und gleichzeitig zutiefst reaktionäre, sogar absolut faschistische Positionen vertreten. Ich will mich so kurz wie möglich fassen, deshalb sage ich es sehr deutlich: Der Kommunismus ist keine willkürliche Präferenz, die man sich wie eine Lieblingsfarbe aussuchen kann, um dann seine Aktivität im Kontext der kapitalistischen Konsumgesellschaft zu reproduzieren. Wer für "eine klassenlose Gesellschaft" argumentiert, weil "seiner Meinung nach" nur diese "human" ist, "Wohlergehen" garantiert o.Ä., sollte am besten sofort aufhören, sich Kommunist zu nennen.

Marx - dessen Theorie nicht auf ihn selber, als Individuum, reduzierbar ist - hat sich nicht völlig grundlos oder bloß aus Jux mit Philosophie, den empirischen Wissenschaften etc. beschäftigt. Der Marxismus ist universell, gerade weil er sich eben nicht auf Politik und Ökonomie beschränkt, während alles andere nutzloses Elfenbeinturmgeschwätz ist, sondern stattdessen die menschliche, gesellschaftliche Praxis in ihrer Gesamtheit umfasst: Von Philosophie und Politik bis hin zu Sexualität und Kunst, alles existiert kongruent und in wechselseitiger Relation zueinander und kann insofern der Kritik unterzogen werden. Denn darum geht es: Der Sinn des Kommunismus ist nicht, ein "System" zu installieren, das - unter welchem Aspekt auch immer - "effizienter" ist als der Kapitalismus, sondern der Kern der Sache ist die bewusste Veränderung der menschlichen Praxis auf ihrer rohesten und nacktesten Ebene, radikal und in jeder denkbaren Hinsicht.

Marx' ethische Pflicht als Kommunist war die rücksichtslos kritische Hinterfragung von allen Dingen. Er hat beispielsweise die Religion nicht aus persönlichen Gründern kritisiert, sondern als archetypischer Kommunist: Der springende Punkt ist, dass die Religion nicht neben der Gesellschaft unabhängig (egal wie relativ) vom historischen Gesamtkontext existiert, sondern gerade als ein struktureller und wesentlicher Bestandteil einer definitiven Gesellschaft. Religion reproduziert die Ideologie, die die kapitalistische Gesellschaft konstituiert. Viele von denen, die sich als "Kommunisten" bezeichnen, glauben an einen Gott. Wenn sie mit dem praktischen Kommunismus konfrontiert werden, werden sie ihn abstoßend finden und sich gegen ihn stellen, nochmal, weil der Kommunismus nicht bei der vagen Vorstellung einer "klassenlosen, staatenlosen Gesellschaft" stehen bleibt, sondern die gesellschaftliche Praxis in ihrer Gesamtheit radikal transformiert, während ein religiöser Mensch an bestimmten Aspekten der menschlichen Praxis festhält, die im Kontext des Kapitalismus existieren. Deswegen kann man kein Kommunist sein, ohne gleichzeitig Atheist zu sein, und genauso kann man kein Kommunist sein, ohne gleichzeitig Materialist zu sein.

Ich sollte dennoch hinzufügen, dass ein tiefgründiges Verständnis des Materialismus und des Marxismus im Allgemeinen nahezu verloren gegangen ist. Um den Marxismus heute zu verstehen, reicht es nicht aus, Marx zu lesen. Das führt zu sicheren 100% zu einer formalen Interpretation von ihm. Wer ihn in unserem historischen Kontext begreifen will, kommt um Slavoj Zizek nicht herum.

"Dieser Satz ist eine Grundlage des Marxschen Denkens."

Gerade dieser Satz wird gerne überbewertet. Marx sagt hier nicht, dass das gesellschaftliche Sein und das Bewusstsein in einer deterministischen A-zu-B-Beziehung stehen. Das Bewusstsein ist kein nachrückendes, hinterherlaufendes "Produkt" des gesellschaftlichen Seins, sondern beides existiert kongruent miteinander, das ist der Punkt. Marx ging es vielmehr darum, dass die Menschen nie Bewusstsein über ihr gesellschaftliches Sein erlangten und die Geschichte daher eine zufällige und willkürliche Abfolge von "Unfällen" war. Der Kommunismus ist diese Erlangung, er ist nichts anderes, als bewusstes Geschichtemachen. Viele Kommunisten sprechen davon, dass die Verhältnisse erst schlechter werden müssen, sodass "die materiellen Bedingungen" zu einer Revolution führen. Sie begreifen nicht, dass der Kommunismus das Bewusstsein und die Kontrolle über die materiellen Bedingungen ist.

Wenn man schon den dialektischen Materialismus in einem Satz zusammenfassen will, dann beruft man sich lieber auf die 2. These über Feuerbach: Der Materialismus ist die Anerkennung, dass jede Wahrheit ausschließlich von der menschlichen Praxis abhängig ist und nichts anderes. Das würde dann auch jeglichen Determinismus ausschließen. Aber in dem einen Satz ist so unheimlich viel implizit, dass man es dabei auch nicht belassen kann. Es gibt keine kurze Erläuterung des dialektischen Materialismus. Such nicht nach einfachen Antworten, ein tiefgründiges Verständnis erfordert Arbeit und Auseinandersetzung mit schwierigen und komplizierten Fragen.

"Nach Marx ist der Mensch zunächst ein "Opfer" seiner Bedürfnisse"

Der Mensch ist kein "Opfer seiner Bedürfnisse" und das hat Marx auch nirgendwo behauptet. Bedürfnisse existieren nicht transhistorisch, sondern sind selber durch den gesellschaftlichen/historischen Kontext bedingt. Historische Epochen (was Marx als "Produktionsweisen" bezeichnet) drehen sich nicht um essentielle Bedürfnisse, nach der sich jede gesellschaftliche Ordnung richten muss, um sie zu erfüllen. Der springende Punkt ist, dass es eine solche Essenz des Menschen gar nicht gibt. Jede gesellschaftliche Ordnung hat ihre eigene Rationalität und bringt ihre eigenen Bedürfnisse hervor, die ausschließlich im Kontext der Reproduktion dieser gesellschaftlichen Ordnung existieren.

Natürlich haben Menschen (noch und leider) eine physiologische Basis, die sie reproduzieren müssen, um zu überleben - in anderen Worten, sie müssen essen und trinken, sie "müssen", zumindest um Nachfahren zu zeugen, Sex haben. Aber das ist eher eine tautologische Aussage und hat nichts mit dem Kern der Sache zu tun: Selbst wenn wir Hunger und Durst stillen müssen, um unsere bloße Existenz zu reproduzieren, tun wir das nicht instinktiv, sondern artikulieren diese Handlung bewusst, d.h. in Relation zu einem gesellschaftlichen Kontext. Deshalb sind wir auch dazu in der Lage, darauf zu verzichten, indem wir in den Hungerstreik gehen o.Ä.

Das ist der Punkt, an dem es kompliziert wird: Klassenantagonismen entstehen daher nicht, weil bestimmte Gesellschaften strukturell dabei versagen, irgendwelche essentiellen Bedürfnisse zu befriedigen, sondern weil sie strukturell dabei versagen, die Bedürfnisse zu befriedigen, die sie selber erzeugen. Ich weiß, es ist komisch und schwer zu begreifen, aber das ist der einzige Materialismus, der in der Tradition des Marxismus steht. Alles andere ist idealistischer Essentialismus, dessen logische Konsequenz Rassismus und Sexismus ist.

"die Gesellschaft befindet sich in einer permanenten Auseinandersetzung mit der Natur, mit dem Ziel, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen."

Die Natur bewusst zu transformieren und zu beherrschen ist selber ein Bedürfnis, man könnte eigentlich sogar sagen ein Selbstzweck. Es war Engels, der sagte, dass der gesellschaftliche Antagonismus mit dem Kommunismus endet, während der Antagonismus zwischen Mensch und Natur unendlich bleibt. Was die kommunistische Gesellschaft antreibt, ist die Unterwerfung der Natur unter die Kontrolle des Menschen. Im Kommunismus wird dieser Prozess nur nicht durch gesellschaftliche Antagonismen behindert.

"Dieser Kampf ist nur mit Hilfe einer bestimmten materiellen und wirtschaftlichen Basis möglich"

Ja, aber findest du nicht selber, dass das völlig tautologisch und selbstverständlich ist? Man braucht nicht den Marxismus, um die Tatsache anzuerkennen, dass menschliche Praxis eine wirtschaftliche Basis benötigt. Ökonomie ist allein schon deswegen wichtig, weil wir, um unsere gesellschaftliche Praxis zu reproduzieren, essen etc. müssen. Das ist nicht der Punkt, an dem der Marxismus relevant wird. Die Kontroverse beginnt, wenn wir fragen: Was konstituiert menschliche Praxis an erster Stelle? Richtet sie sich nach irgendwelchen philosophischen, transhistorischen Prinzipien oder ist sie selber historisch und Philosophie ein Teil von ihr? Nochmal, Marx wollte nicht darauf hinaus, dass Geschichte und menschliches Bewusstsein durch die "materielle, ökonomische Basis" determiniert werden, ihm ging es vielmehr um die Kongruenz: Bewusstsein ist genauso materiell.

...zur Antwort

Generell kann der Begriff "Kapitalismuskritik" sehr breit verstanden werden, da das vor allem auch eine Frage der "Definition" von Kapitalismus ist. Verfechter der sogenannten "sozialen Marktwirtschaft" würden was von einem reinen Kapitalismus und einer Synthese zwischen diesem und dem Sozialismus erzählen. Die einzige konsequente Kritik am Kapitalismus, die dann zwar umfassend ist, dafür aber auch den Kern der Sache trifft, findet man in der marxistischen Literatur. Natürlich sage ich das alles hier als Marxist und dann kann man mir meinetwegen zu Recht Voreingenommenheit zuschreiben. Deshalb richtet sich meine Antwort auch vor allem an diejenigen, die sich an die marxistische Perspektive herantrauen.

Wer das tut und den Marxismus/Sozialismus wirklich verstehen will, kommt um philosophische und - damit einhergehend - wissenschaftliche/epistemologische Kontroversen nicht herum. Der Punkt von Marx (und Lenin, Engels und jedem anderen Kommunisten, der die Kohärenz seiner Ideologie wahrgenommen hat) ist, dass man eine Kritik am Kapitalismus nicht von einer, wie Marx selber es formuliert, "rücksichtslosen Kritik alles Bestehenden" trennen kann. In anderen Worten, Kapitalismuskritik spielt sich nicht rein auf ökonomischer oder auch politischer Ebene ab, sie erfordert eine Kritik der bestehenden Gesellschaft im weitesten Sinne - d.h. einschließlich ihrer Moral, ihrer Kultur, ihrer ideologischen Standpunkte (d.h. ihres Bewusstseins) etc. pp. Deshalb greifen Sozialisten beispielsweise auch das Konzept der Familie an, deshalb ist der (dialektische) Materialismus ein essentieller Bestandteil des Marxismus, deshalb beteiligen Marxisten sich auch an Kontroversen in der (Natur-)Wissenschaft usw.

Aus dem Grund würde ich nicht empfehlen, mit Marx' Hauptwerk, dem Kapital, zu beginnen. Nicht nur, dass die Lektüre an sich schon ziemlich schwierig und komplex ist und beim ersten Lesen viele Missverständnisse nicht ungewöhnlich sind; allein deswegen sollte man erstmal mit anderen ökonomischen Abhandlungen von Marx beginnen. Vor allem aber wird das Verständnis vom Kapital für immer unvollständig bleiben, wenn man es nicht im Kontext seiner essentiellen (philosophischen, ideologischen etc.) Grundlagen begreift. Es gibt heute sehr, sehr viele Erläuterungen der und Abhandlungen zur marxistischen Wirtschaftswissenschaft. Aber wer Marx' Kritik der politischen Ökonomie auf rein empirischer Ebene angeht, kann es genauso gut sein lassen. Entweder will man den Sozialismus in seinem gesamten Umfang, in seiner Relation zu allen Aspekten der menschlichen Praxis begreifen oder man wird ihn nie begreifen. Was dazwischen gibt es nicht.

Es sollte deswegen nachvollziehbar sein, dass, wenn ich hier jetzt einige Einstiegslektüren empfehle, die ich für geeignet halte, man hier nicht nur Kritik an der Kapitalakkumulation oder der Konsumgesellschaft findet, sondern auch und vor allem welche, die ich jedem nahelegen würde, der sich generell mit dem Marxismus und nicht "nur" explizit mit Kapitalismuskritik beschäftigen will.

Als allgemeinen Einstieg sollte man das Kommunistische Manifest und Engels' Anti-Dühring + sein "Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft" gelesen haben, um die "Basics" des Marxismus zu verstehen. Dazu auch "Staat und Revolution" und "Materialismus und Empiriokritizismus" von Lenin. Eine gute Einführung in die marxistische Ökonomie ist denke ich Marx' "Lohn, Preis, Profit" und Peter Deckers Vortrag: 

https://youtube.com/watch?v=jVVNVwcWlic

Übrigens ist der Kanal vom GegenStandpunkt generell sehr zu empfehlen.

...zur Antwort

Nur für den Fall, dass dich eine marxistische Position interessiert:

Der einzige Staat, bei dem man von authentischen sozialistischen Schritten sprechen kann, war das damalige Russland bzw. die Sowjetunion vor dem Stalinismus. Die Zwangskollektivierung und die forcierte Industrialisierung markierten das Ende des Klassenbewusstseins und die Abkehr vom Sozialismus/Kommunismus - offensichtlich nicht in ästhetischer Hinsicht, aber dieser Umbruch lässt sich ideologisch/kulturell sowie politisch/ökonomisch feststellen.

Dazu muss man aber auch explizit hervorheben, dass dieser Sozialismus sich auf die politische Ebene beschränkte - es war zwar eine proletarische Herrschaft wie von Marx angestrebt; nichtsdestotrotz war das Land ökonomisch und gesellschaftlich rückständig, das Proletariat war im ländlich geprägten Russland in der Minderheit, ganz im Gegensatz zu den Bauern. Deswegen waren sich die Bolschewiki, also die Kommunisten, darüber einig, dass eine sozialistische Revolution im Westen Europas die Voraussetzung für den Sozialismus in Russland ist. Da diese nie kam, wurde die Sowjetunion unter Stalin zu einem staatskapitalistischen (im Sinne Bordigas) Regime unter dem Banner des "'Sozialismus' in einem Land".

Alles, was heute für gewöhnlich als sozialistisch/kommunistisch gebrandmarkt wird, hat(te) erstaunlich wenig mit dem Marxismus zu tun - halt mit Ausnahme der Sowjetunion vor 1928, aber so gut wie alle, die China, Nordkorea etc. für kommunistisch halten, können auch nicht den Marxismus der frühen SU angemessen qualifizieren.

...zur Antwort

Dann halten wir auch direkt mal fest:

- Die DDR war demokratisch

- Alle sonstigen kommunistischen Länder und Parteien übrigens auch

- Die SPD ist heute noch die Partei der Arbeiter

- Die CSU ist christlich und sozial

- etc.

Weil, die behaupten das ja von sich. Dann muss das doch auch stimmen.

...zur Antwort

Ich zitiere mal aus den Antworten, die ich früher mal gegeben habe:

Die Lohnarbeiter produzieren Waren, dessen Wert insgesamt größer ist als der Wert ihrer Arbeitskraft (ihr Lohn). Das liegt ganz einfach daran, dass das Unternehmen nicht nur seine Arbeiter bezahlen, sondern auch zum Beispiel Gewinn machen und Zinsen, Miete etc. zahlen muss. Dieser produzierte Mehrwert soll durch den Verkauf dieser Waren in Form von Geld zurückfließen, welches der Kapitalist (das Unternehmen) dann als Kapital einsetzt, um die Produktion zu erweitern [...]

https://www.gutefrage.net/frage/hey-kann-mir-jemand-sagen-was-mit-dem-begriff-akkumulation-bzw-ueberakkumulation-gemeint-ist?foundIn=list-answers-by-user#answer-200633329

Schon der kapitalistische Produktionsprozess an sich funktioniert nur so, dass Lohnarbeiter mehr Wert produzieren, als sie ausgezahlt bekommen. Diese Mehrwertproduktion ist das, was Marx als (kapitalistische) Ausbeutung bezeichnete. Die ist also auch in westlichen Ländern ziemlich üblich und hängt gar nicht vom Gehalt ab - denn dass die Unternehmen neben ihrer Pflicht, den Lohn auszuzahlen, auch Gewinn machen, verzinste Kredite tilgen und Miete zahlen müssen, lernt man mehr oder meist weniger direkt in jedem BWL-Kurs. Um dafür aufkommen zu können, setzt man sich als Unternehmer natürlich nicht selbst an die Produktionsmittel, sondern entwickelt Strategien, wie man möglichst viel Umsatz erreicht, sprich die von den Lohnarbeitern gefertigten Waren am besten verkauft - das heißt, wenn man derartige Aufgaben nicht schon an eine Marketingabteilung abgegeben hat.

https://www.gutefrage.net/frage/ist-der-kapitalismus-auf-ausbeutung-aufgebaut?foundIn=list-answers-by-user#answer-199055769

Kurz formuliert: Die Lohnarbeiter produzieren eine Menge von Waren, die insgesamt einen bestimmten Wert x haben. Dafür erhalten sie ihren Lohn, der jedoch meist deutlich, aber wohl zwangsläufig immer unter dem Wert x liegt.

Man sollte dazu sagen, dass das nicht einfach der Gewinn und auch nicht die Differenz zwischen Umsatz und Lohn ist. Auch, wenn die Waren gar nicht auf dem Markt verkauft wurden, fand notwendigerweise eine Mehrwertproduktion statt, die sich nur nicht in Geld umgewandelt hat. Mehrwertproduktion ist also im kapitalistischen Produktionsprozess allgegenwärtig und überhaupt ihr Fundament (es gibt heute Ausnahmen, die sich gerade entwickeln, die aber auch nicht wesentlich besser sind - aber das ist ein vollkommen anderes Thema, was ich hier nicht anschneiden will).

Und was man unbedingt hinzufügen sollte, ist, dass der Mehrwert nach Marx rein gar nichts mit der Mehrwertsteuer zu tun hat. Das haben hier einige Leute verwechselt.

...zur Antwort

Wenn es um die Märzrevolution geht, gehörten die Liberalen und die Demokraten zuerst demselben Lager an, spalteten sich irgendwann jedoch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten. Die Liberalen wollten eine konstitutionelle Monarchie und nur Wohlhabende wählen lassen, die Demokraten forderten eine Republik und gleiches Wahlrecht für alle.

...zur Antwort

Mit Akkumulation (=Anhäufung) ist hier wahrscheinlich die Kapitalakkumulation gemeint, die sich gemäß Marx durch die Mehrwertproduktion ergibt: Die Lohnarbeiter produzieren Waren, dessen Wert insgesamt größer ist als der Wert ihrer Arbeitskraft (ihr Lohn). Das liegt ganz einfach daran, dass das Unternehmen nicht nur seine Arbeiter bezahlen, sondern auch zum Beispiel Gewinn machen und Zinsen, Miete etc. zahlen muss. Dieser produzierte Mehrwert soll durch den Verkauf dieser Waren in Form von Geld zurückfließen, welches der Kapitalist (das Unternehmen) dann als Kapital einsetzt, um die Produktion zu erweitern, z.B. durch neue Produktionsmittel oder durch den Erwerb weiterer Arbeitskraft. Überakkumulation bedeutet in dem Fall dann, dass zu viel Kapital angehäuft (und folglich auch eingesetzt) wird, sodass es zu einer Überproduktion kommt: Es existiert ein zu großes Angebot an Waren, für das es eine zu geringe Nachfrage gibt - die Waren werden nicht verkauft, das Unternehmen macht keinen Gewinn, es kommt zur Krise. Ob Marx den Begriff "Überakkumulation" wirklich verwendet hat, weiß ich nicht, er hat aber auf jeden Fall diese Art von Krisen analysiert.

...zur Antwort

Es wird weder Einkommen noch Professionen geben, denn sowohl Eigentumsverhältnisse (und damit als Konsequenz auch Warenaustausch) als auch gesellschaftliche Arbeitsteilung (die "Spezialisierung auf einen bestimmten Kreis der Tätigkeit") sollen aufgehoben werden. Eine "genaue Funktionsweise", also eine konkrete Beschreibung des Kommunismus, wird von Marxisten nicht vorgestellt, weil dessen Gestaltung eine Aufgabe für die Zukunft ist. Der Punkt des Kommunismus ist es, dass die Gesellschaft sich über die kapitalistische Produktionsweise hinaus entwickelt. Was wir mit Sicherheit sagen können, können wir auch nur insofern, als es eine praktische Relevanz für die Gegenwart hat. Folglich beschränkt sich das auch auf banale Dinge, wie Klassenlosigkeit, Absterben des Staates, bewusste Organisation der gesellschaftlichen Produktion etc. Und ja, das erfordert "Selbstlosigkeit" und "Altruismus" (Anführungszeichen bewusst gesetzt), Marxisten gehen auch nicht von der propagierten "Natur des Menschen" aus.

...zur Antwort