Demokratische Volksrepublik - ist das ein Widerspruch in sich?

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3 Antworten

Eigentlich ist die Eigenbezeichnung "Volksrepublik" ein gutes Beispiel dafür, warum es nicht weit hergeholt ist, auch die Eigenbezeichnung "sozialistisch" zu hinterfragen. Denn dass es sich bei Nordkorea, Kuba, dem ehemaligen Ostblock etc. um Sozialismus/Kommunismus handelte, wird unkritisch akzeptiert. Ich bestreite die Auffassung, dass sozialistische Staaten jemals existierten, einfach weil ich andere Qualifikationen dafür fordere als Hinweise in Parteinamen. Dementsprechend wäre es falsch, die Vereinbarkeit von Demokratie und Kommunismus am sogenannten "Realsozialismus" zu überprüfen.

Um auf deine Frage zurückzukommen, es hängt maßgeblich davon ab, welche Vorstellung man von Demokratie hat. "Volksherrschaft", "Freiheit" etc. sind Abstraktionen. Es ging beim Kampf um Demokratie nie um ewige Wahrheiten und moralisch höchste Leitprinzipien. Wenn überhaupt, dann sind sie nur der ideologische Ausdruck von konkreten politischen Forderungen. Naiv gesagt heißt das: Kommunisten wollen eine andere Demokratie als Liberale. Marxisten sprechen daher auch oft von "bürgerlicher" Demokratie, um zu betonen, dass wir zwar formale, das heißt juristische Gleichheit haben, die auch unbedingt progressiv ist gegenüber Faschismus, Absolutismus usw., aber strukturell den Interessen der Herrschenden (= der Kapitalisten) dient. Der Kommunismus ist demnach "echte" Demokratie, die Gesellschaft ist nicht in Klassen gespalten, sondern verfolgt gemeinsame Interessen und lebt als ein Kollektiv.

Engels hat zu dem Thema auch mal was geschrieben: "Die Demokratie, das ist heutzutage der Kommunismus. Eine andre Demokratie kann nur noch in den Köpfen theoretischer Visionäre existieren, die sich nicht um die wirklichen Ereignisse kümmern, bei denen nicht die Menschen und die Umstände die Prinzipien, sondern die Prinzipien sich selbst entwickeln. Die Demokratie ist proletarisches Prinzip, Prinzip der Massen geworden." - Das Fest der Nationen in London, MEW 2, 613

Lass dich übrigens nicht von Ausdrücken wie "Diktatur des Proletariats" etc. irritieren. Marx hat auch von "Diktatur der Bourgeoisie" gesprochen und meinte damit unter anderem sehr demokratische Staaten. Wäre ja nicht neu, dass man Aussagen von Marxisten aus dem Zusammenhang reißt.

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Hei, Shinichi17Kudo, richtig erkannt - es ist ein Widerspruch, der aber daraus resultiert, die Begriffe dialektisch zu hantieren. "Kommunismus" kann über das Idealbild von der Gleichheit aller Menschen hinaus nur in der Diktatur des Proletariats und damit dem Diktat der Partei münden. So hat´s uns die Geschichte seit Lenin gelehrt und findet in dem nord-koreanischen Spaßvogel ihre real existierende Fortsetzung. Und so. Grüße!

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Wieso Wiederspruch? Ich würde Sagen "Doppelt gemoppelt". Republik setzt sich aus den Lateinischen Wörtern res (Sache) Und Publius (Volk) zusammen.  die Republik ist die Sache des Volkes. Also hat das Volk die Macht -----> eine Demokratie (Nur das Demokratie aus dem Griechischen kommt).  Natürlich ist die Volks Sache des Volkes zu viel. Und das Demokratisch ergibt sich dann... Ich glaube du willst auf China hinaus. Kann das sein?  

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Kommentar von Shinichi17Kudo
04.03.2016, 21:27

Ich will auf Nordkorea hinaus. Es nennt sich Demokratische Volksrepublik Korea, tatsächlich herrscht aber eine Diktatur. Ich wollte versuchen, einen Widerspruch schon allein aufgrund des Namens festmachen zu können. Grüße!

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