Wenn Nietzsche kein Nihilist war, was war er dann?

3 Antworten

Ich sehe Nietzsche auch als einen Fallibilisten (wie Epikur oder Popper). Religiös bedeutet das einen Agnostiker, einer, der nicht sicher weiß, denn Nietzsche war kein Atheist sondern eher in Sorge vor einem unkontrollierten Nihilismus, wenn jeder Halt an eine Idee des Göttlichen wegfällt. Nietzsche hatte Probleme - und zwar gewaltige - mit den negativen, lebensfeindlichen Moralvorstellungen des Christentums. Diese lebensfeindliche Moral wollte er "umwerten" in eine lebenspositive z.B. des Dionysos, gepaart mit der des Apoll. Das Dionysische steht für ihn für eine körper- und weltbejahende Einstellung und das Apollinische für eine Handhabung durch Vernunft. Nietzsche war auf der Suche nach einer neuen metaphysischen Grundlegung des mitmenschlichen Umgangs. Die christliche Orientierung hat er abgelehnt. Was neue Orientierungen angeht ist seine Philosophie eher wie eine Wünschelrute, schlägt mal in diese, mal in jene Richtung aus. Da war Nietzsche - wie viele Philosophen - ein Suchender. Nietzsche hat später zwar den Epikureismus abgelehnt, weil er ihm "zu sanft" war, zu wenig kämpferisch, doch liest man seine Ausführungen z.B. zur Sprachkritik, kann man als Kenner von Epikur viele Zitate finden und Einstellungen, in denen er Epikurs Philosophie als Grundlage übernimmt.

Nietzsche ist ein Philosoph. Er war nicht auf dem Wege zum Übermenschen, sondern er hat darüber geschrieben. Mit den meisten seiner Schriften hat man sich erst nach seinem Tode beschäftigt. Es konnte also vorher nicht über Auslegungen diskutiert bzw. gestritten werden. Ein bestimmtes "Etikett," außer dass er Philosoph war, kann man ihn meiner Meinung nach nicht anhängen.

Ich würde ihn als " Fallibilist " bezeichnen. Ein Mensch der davon ausgeht, dass es keine absolute Gewissheit gibt, dass Irrtümer nie auszuschließen sind.

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