Welche Gemeinsamkeiten haben Romantik und Moderne (Literatur)?

1 Antwort

Diese Frage erscheint mir zu komplex, als dass ich mich trauen würde, mich da dranzuwagen. Immerhin sehe ich Gemeinsamkeiten darin, dass auch die Moderne den Glauben an die Vernunft relativiert, allerdings eher ironisch, während die Romantiker eher "naiv" oder "gläubig" waren.

Naiv und gläubig waren die durchaus nicht, in der Spätromantik schon gar nicht. Findest Du z.B. die Passage aus einem Buch der Romantik (ich hab's während meines Studiums gelesen, aber vergessen, welches es war) "das ist der Brunnen, in den ich auf Seite 276 fallen werde" etwa nicht
ironisch?

Vergiss nicht, dass die romantische Naturverklärung um 1800 herum im Grunde ein wehmütiger "Nachruf" auf eine Welt war, die bereits durch Verschmutzung der Umwelt und Ausbeutung der Ressourcen und der Arbeiter gekennzeichnet war.

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@mychrissie

Aber die Romantíker hatten weder den 1. und 2. Weltkrieg noch den Nationalsozialismus noch Hitler noch Stalin noch Phol Pot etc. erlebt. Sie haben - auch wenn sie ironisch waren - immer noch in einem gewissen Sinn an Ideale geglaubt, an die die Autoren der Moderne nicht mehr glauben können. Ich hatte außerdem naiv und gläubig in Gänsefüßchen gesetzt.

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@Shaunschaefchen

Die Hochzeit der Romantik war 1812 (Göttinger Hain). Allein zwischen 1800 und 1812 gab es über 60 Schlachten incl. der Napoleonischen Kriege, und als Kenner und Liebhaber des Mittelalters hatten sie durchaus auch von den teilweise mitleidlosen Schlachten in dieser Zeit gehört. Die Erinnerung an den 30jährigen Krieg mit seinen Gräueln war in der Bevölkerung ja auch noch lebendig.

Grund genug, seine Illusionen fahren zu lassen und Blümchen, Waldesrauschen, Mondschein und die Lieder fahrender Gesellen eher als Wunschbilder einzusetzen, denn als Bestandsaufnahme.

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@mychrissie

Ein wenig spät, aber immerhin: Bestreit ich doch alles gar nicht, hab auch nicht gesagt, dass Romantiker nur fahrende Gesellen und Blümchenliebhaber gewesen wären. Aber Du musst doch zugeben, dass die Erfahrung von WKI und II incl. Nationalsozialismus zu einer ganz anderen, wesentlich pessimistischeren Haltung der Kunst/der Literatur geführt haben, dass z. B. so was wie Benn oder Brecht oder der Expressionismus ohne diese Erfahrungen nicht möglich gewesen wären. Oder glaubst Du, die Moderne ist nur eine Wiederholung der Romantik? Und wenn nicht, was - glaubst Du - hat dazu geführt, dass die Moderne anders ist?

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